Chronik 89 Das war das Jahr der Friedlichen Revolution

Die Berliner Mauer ist am 9. November 1989 gefallen. Dieses Datum ist Weltgeschichte. Doch was passierte zuvor? Und wie ging es weiter nach der Öffnung der Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten? Friedensgebete, Montagsdemonstrationen, Massenflucht über Ungarn und die ČSSR, das Zerbröseln der Machtstrukturen in SED und DDR, die ersten Anzeichen für die deutsche Wiedervereinigung - das Jahr 1989 ist voller spannender Ereignisse. Hier die Chronik der bedeutendsten Tage und Schauplätze der Friedlichen Revolution von 1989.

Januar

3. Januar 1989

3. Januar 1989

Die Aufnahmelager in der BRD registrierten 1988 mehr als doppelt so viele Übersiedler aus der DDR wie im Vorjahr: 39.832. Die Zahl der deutschstämmigen Aussiedler aus v.a. den Ost-Staaten stieg von 78.523 auf 202.673.

Mitglieder der SED-Führung winken
Bildrechte: dpa

15. Januar 1989

15. Januar 1989

Die DDR unterzeichnet das KSZE-Folgeabkommen, wonach jeder aus seinem eigenen Land ausreisen und ohne Folgen zurückkommen darf. Der sowjetische Botschafter sagt später, die DDR-Führung habe dies nie erfüllen wollen.

Erich Honecker auf dem FDJ-Festival im Jahr 1989.
Bildrechte: dpa

18. Januar 1989

18. Januar 1989

Der SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker verkündet: "Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen, wenn die dazu vorhandenen Gründe nicht beseitigt sind."

Februar

Ein schlichtes Holzkreuz erinnert vor dem Teltow-Kanal im Bezirk Neukölln an den von DDR-Grenzsoldaten erschossenen Chris Gueffroy.
Bildrechte: dpa

5. Februar 1989

5. Februar 1989

An der Berliner Mauer wird Chris Gueffroy beim Fluchtversuch erschossen. Die Schüsse auf den 20-Jährigen und seinen Freund sind die letzten Todesschüsse an der innerdeutschen Grenze. Sie lösen international Proteste aus.

Gespräch am Runden Tisch in Warschau: Tadeusz Mazowiecki, Lech Walesa, Wladyslaw Frasyniuk
Bildrechte: IMAGO

6. Februar 1989

6. Februar 1989

In Warschau beginnen die Gespräche zwischen der Regierung und der unabhängigen Gewerkschaft "Solidarność" am Runden Tisch.

11. Februar 1989

11. Februar 1989

Das Zentralkomitee der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei beschließt den Übergang zum Mehrparteiensystem und will auch den Stacheldraht an der Grenze zu Österreich durch eine normale Grenzsicherung ersetzen.

März

Miklós Németh
Bildrechte: IMAGO

3. März 1989

3. März 1989

Ungarns Ministerpräsident Miklós Németh fordert bei seinem Antrittsbesuch in Moskau den Abzug der sowjetischen Truppen, insbesondere der Atomwaffen. KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow verspricht Nichteinmischung.

Eine Gedenkstele erinnert in Berlin-Zehlendort an das letzte Todesopfer an der Berliner Mauer, Winfried Freudenberg.
Bildrechte: dpa

8. März 1989

8. März 1989

Der 32-jährige Winfried Freudenberg stürzt bei seinem Fluchtversuch mit einem selbstgebastelten Heißluftballon über West-Berlin ab und kommt dabei ums Leben. Er ist der letzte Tote an der deutsch-deutschen Grenze.

13. März 1989

13. März 1989

Auch während der Frühjahrsmesse in Leipzig wird nach dem montäglichen Friedensgebet in der Nikolaikirche demonstriert. Unter den Hunderten Teilnehmern sind zahlreiche Ausreisewillige. Sie rufen "Wir wollen raus!".

April

3. April 1989

3. April 1989

Generaloberst Fritz Streletz informiert die DDR-Militärführung, dass Honecker informell den Schießbefehl aufgehoben habe. Die Anordnung wird in den Grenztruppen mündlich verbreitet, dringt aber nicht nach außen.

Erneute amtliche Anerkennung der Solidarnosc in Warschau: Tadeusz Mazowiecki, Henryk Jankowski
Bildrechte: IMAGO

5. April 1989

5. April 1989

In Polen einigen sich Regierung und Opposition auf Reformen. Die Gewerkschaft Solidarność und die Bauern-Solidarność werden wieder zugelassen. SED-intern heißt es: besser als wieder Ausnahmezustand oder gar Bürgerkrieg.

22. April 1989

22. April 1989

Massendemonstration in China: Studenten fordern in Peking die Freiheit, die Staats- und Parteiführung zu kritisieren, und das Recht, unabhängige Interessenvertretungen zu bilden.

Porträtfoto von Erich Mielke von 1987,  Minister für Staatssicherheit in der DDR
Bildrechte: dpa

28. April 1989

28. April 1989

Erich Mielke gibt die Aufhebung des Schießbefehls auch im Ministerium für Staatssicherheit bekannt. Er schimpft, dass in der Vergangenheit trotz der Schüsse Fluchtversuche gelangen, und hadert mit den "neuen Zeiten".

Mai

Demontage des Grenzzauns nahe Nickelsdorf (Österreich) und Hegyeshalom (Ungarn). Angehörige der ungarischen Grenztruppe haben am 2. Mai 1989 damit begonnen, die Sperranlagen an der ungarisch-österreichischen Grenze zu entfernen.
Bildrechte: dpa

2. Mai 1989

2. Mai 1989

Ungarn beginnt mit dem Abbau des Stacheldrahts an der Grenze zu Österreich. DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler schreibt Honecker, dass dies nur Kosmetik sei und Ungarn die Grenze weiter sichern werde.

6. Mai 1989

6. Mai 1989

Rekord bei Zahl der DDR-Übersiedler: Am 4. Mai kamen im Aufnahmelager Gießen 345, am 5. Mai 520 Übersiedler an. Laut Sozialministerium Hessen sind die Kapazitäten "restlos erschöpft". Normal seien 50-80 Personen am Tag.

Zei Wähler bei der Kommunalwahl am 07.05.1989 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz).
Bildrechte: dpa

7. Mai 1989

7. Mai 1989

Bürgergruppen überführen die SED der Fälschung der Kommunalwahl. Die von ihnen in den Wahllokalen mitgezählten Ergebnisse unterscheiden sich von den bekannt gegebenen Zahlen. Fortan gibt es am 7. jedes Monats Demos.

15. Mai 1989

15. Mai 1989

In Peking wird das erste sowjetisch-chinesische Gipfeltreffen seit 30 Jahren von Massenprotesten überlagert. Mehr als eine Million Chinesen fordern Freiheit und Demokratie. Tausende Studenten sind im Hungerstreik.

Der Kandidat des Politbüros des ZK der SED, Gerhard Schürer, aufgenommen am 16. April 1981.
Bildrechte: dpa

16. Mai 1989

16. Mai 1989

Planungschef Gerhard Schürer skizziert vor Wirtschaftskadern im SED-Politbüro ein Pleite-Szenario: Bei anhaltender monatlicher Westverschuldung in Höhe von 500 Mio. DM drohe der DDR 1991 der finanzielle Ruin.

Präsident George Bush sen. mahnt mit erhobenem Zeigefinger während seines Staatsbesuches in Mainz.
Bildrechte: IMAGO

31. Mai 1989

31. Mai 1989

US-Präsident George Bush besucht nach einem NATO-Gipfel die Bundesrepublik und ruft in Mainz unter Verweis auf den Abbau des Stacheldrahts an der Grenze Ungarn-Österreich: "Let Berlin be next!" Die Mauer müsse fallen.

Juni

4. Juni 1989

4. Juni 1989

Peking: Auf dem Platz des Himmlischen Friedens erschießt die Armee ca. 2.700 Demonstranten. - Polen: Die Solidarność gewinnt 92 der 100 Sitze im Senat; im Parlament waren 65 von 100 Sitzen für die Kommunisten reserviert.

Blutige Zusammenstöße am 4. Juni 1989 auch in Chengdu (Zentralchina): Demonstranten kümmern sich um einen Verletzten.
Bildrechte: dpa

8. Juni 1989

8. Juni 1989

Die DDR-Volkskammer wertet das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking als "Niederschlagung einer Konterrevolution".

12. Juni 1989

12. Juni 1989

Ungarn darf als Mitglied der Genfer Flüchtlingskonvention Flüchtlinge nicht mehr in ihren Staat zurückschicken. Geheimdienstchef Pallagi sagte aber einer Stasi-Delegation, dass man DDR-Bürger weiter in die DDR ausweise.

Michail Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl beim Austausch der Urkunden, nachdem im Bonner Kanzleramt am 13. Juni 1989 elf Verträge, die dem Ausbau der deutsch-sowjetischen Zusammenarbeit dienen sollen, unterzeichnet worden sind.
Bildrechte: dpa

13. Juni 1989

13. Juni 1989

KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl unterzeichnen in Bonn eine "Gemeinsame Erklärung" über das Recht eines jeden Staates, das eigene politische und soziale System frei zu wählen.

Juli

Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow bei der Unterzeichnung am 7. Juli 1989.
Bildrechte: dpa

7. Juli 1989

7. Juli 1989

Bukarest: Die Sowjetunion wird sich nicht mehr in die Angelegenheiten der Staaten des Warschauer Pakts einmischen. - Berlin: Die Polizei löst gewaltsam eine Demonstration gegen Wahlfälschung auf dem Alexanderplatz auf.

Mitte Juli 1989

Mitte Juli 1989

Die Presse in der Bundesrepublik berichtet, dass immer mehr DDR-Bürger über Ungarn nach Österreich flüchten. Viele würden zwar noch auf ungarischer Seite festgenommen, aber immer seltener an die DDR ausgeliefert.

Ende Juli 1989

Ende Juli 1989

In mehreren diplomatischen Vertretungen der BRD in sozialistischen Staaten, darunter in Budapest und Berlin, halten sich inzwischen mehr als 150 ausreisewillige DDR-Bürger auf. Sie wollen so ihre Ausreise erzwingen.

August

5. August 1989

5. August 1989

Die DDR-Regierung nimmt im DDR-Fernsehen erstmals offiziell zu den Botschaftsflüchtlingen Stellung und bestätigt, dass sie ein Flüchtlingsproblem hat.

Der langjährige DDR-Unterhändler und Rechtsanwalt Wolfgang Vogel am 08.10.1992 vor dem Schalck-Untersuchungsausschuss in Bonn vor dem er als Zeuge vernommen wurde.
Bildrechte: dpa

7. August 1989

7. August 1989

Rechtsanwalt Wolfgang Vogel darf den Botschaftsflüchtlingen nur noch Straffreiheit bei Verlassen der Vertretungen und Rückkehr in die DDR zusagen, nicht mehr wie bisher eine schnelle Bewilligung der Ausreise.

Alle DDR-Besucher, die in die ständige Vertretung Bonns in Ost-Berlin wollten, wurden am 8.8.1989 zurückgewiesen. Rechts ein DDR-Polizist bei der Bewachung der Bonner Mission in Ost-Berlin.
Bildrechte: dpa

8. August 1989

8. August 1989

Die Ständige Vertretung in Ost-Berlin, besetzt von rund 130 DDR-Bürgern, wird geschlossen. BRD-Politiker warnen Ausreisewillige vor einer Flucht. In Ungarn warten Tausende DDR-Urlauber bei 35 Grad auf ihre Fluchtchance.

In Erfurt übergaben Vertreter des Kombinats Mikroelektroniker dem SED- und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker den ersten in eigener Produktion gefertigten 32-bit-Mikroprozessor.
Bildrechte: dpa

14. August 1989

14. August 1989

Berlin: Bei der Übergabe der ersten funktionierenden 32-Bit-Mikroprozessoren erklärt Erich Honecker: "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf." - Budapest: Die BRD schließt ihre Botschaft in Ungarn.

Österreichische Grenzbeamte öffnen am 19. August 1989 ein Grenztor.
Bildrechte: dpa

19. August 1989

19. August 1989

Beim Paneuropäischen Picknick bei Sopron stürmen über 600 DDR-Bürger von Ungarn nach Österreich. Später wurde bekannt, dass es ein Stillhalteabkommen auf ungarischer Seite gab, um die Reaktion der Sowjetunion zu testen.

21. August 1989

21. August 1989

Ein DDR-Bürger wird bei einem Fluchtversuch nach Österreich von einem ungarischen Grenzsoldaten erschossen.

Der designierte polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki grüßt am 20. August 1989 mit erhobenen Armen Anhänger nach dem Verlassen der Sankt Brigitta-Kirche in Danzig.
Bildrechte: dpa

24. August 1989

24. August 1989

Budapest: Mithilfe des Internationalen Roten Kreuzes werden über 100 Botschaftsflüchtlinge über Österreich in die BRD ausgeflogen. - Warschau: Solidarność-Mitbegründer Tadeusz Mazowiecki wird Ministerpräsident von Polen.

Miklós Németh
Bildrechte: IMAGO

25. August 1989

25. August 1989

Ungarns Premier Miklós Németh erklärt Bundeskanzler Helmut Kohl, dass sein Land den DDR-Flüchtlingen die freie Ausreise erlauben werde. Die BRD gewährt einen Kredit und verspricht Hilfe beim angestrebten EU-Beitritt.

Markus Meckel auf dem Programm-Parteitag der SPD vom 18. bis 20. Dezember 1989 im ICC Berlin.
Bildrechte: IMAGO

26. August 1989

26. August 1989

Eine Initiativgruppe, zu der Markus Meckel und Ibrahim Böhme gehören, ruft zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei in der DDR auf.

Ungarns Ministerpräsident Gyula Horn 1990
Bildrechte: dpa

31. August 1989

31. August 1989

Außenminister Gyula Horn informiert den DDR-Kollegen Oskar Fischer und DDR-Chefplaner Günter Mittag, dass Ungarn die Flüchtlinge ab dem 11.09. ausreisen lassen werde, falls diese bis dahin keine Ausreisezusage erhielten.

September

Eine Gruppe von Demonstranten geht am 09.10.1989 mit einem Transparent, auf dem "Wir wollen keine Gewalt! Wir wollen Veränderungen!" zu lesen ist, bei der Montagsdemonstration in Leipzig. Mehr als 70 000 Menschen nahmen an dem Protestmarsch teil.
Bildrechte: dpa

4. September 1989

4. September 1989

In Leipzig demonstrieren etwa 1.200 Menschen nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche. Ausreisewillige fordern freie Fahrt nach Gießen. - In Böhlen plädieren Oppositionelle für eine radikale sozialistische Erneuerung.

Ein DDR-Polizist steht am 28.6.1984 vor dem mit Rollgittern verschlossenen Eingang der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ostberlin.
Bildrechte: dpa

8. September 1989

8. September 1989

Nach Zusicherungen verlassen alle DDR-Bürger die Ständige Vertretung der BRD in Berlin. Sie wird danach für Besucher geschlossen. - In Budapest können Stasi-Mitarbeiter keine Ausreisewilligen zur Rückkehr bewegen.

Eine Familie aus der DDR hat mit ihrem Trabi am 11. September 1989 die ungarisch-östereichische Grenze überquert und grüßt freudig winkend in die Kamera.
Bildrechte: dpa

10. September 1989

10. September 1989

Ungarn öffnet in der Nacht zum 11. September die Grenze zu Österreich. Zehntausende DDR-Bürger reisen in den nächsten Tagen und Wochen aus. Michail Gorbatschow später dazu: Sie haben in Moskau nicht um Erlaubnis gefragt.

11. September 1989

11. September 1989

Auch an diesem Montag gibt es wieder ein Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. Die Polizei sperrt den Nikolaikirchhof ab, um eine Demonstration zu verhindern. Zahlreiche Menschen werden festgenommen.

12. September 1989

12. September 1989

Das Politbüro berät, wie "das Loch Ungarn" zugemacht und "schwere Einbußen" an Bürgern verhindert werden können. Die Stasi soll die Antragsteller von Reisen nach und durch Ungarn überprüfen und die Reise ggf. verbieten.

14. September 1989

14. September 1989

In Bonn gibt der Erfurter Pfarrer Edelbert Richter die Gründung der DDR-Oppositionsgruppe "Demokratischer Aufbruch" bekannt, die sich für eine "sozialistische Gesellschaftsordnung auf demokratischer Basis" ausspricht.

Im Herbst 1989 stehen im Anschluss an ein Friedensgebet Teilnehmer mit Kerzen in der Hand vor der Nikolaikirche in Leipzig.
Bildrechte: dpa

18. September 1989

18. September 1989

Nach dem Leipziger Friedensgebet rufen Demonstranten jetzt "Wir bleiben hier!" und nicht mehr "Wir wollen raus!". Zahlreiche Teilnehmer werden festgenommen. Künstler fordern öffentlich Demokratisierung und Reformen.

19. September 1989

19. September 1989

Das Neue Forum beantragt als erste Oppositionsgruppe die Zulassung als Bürgervereinigung. Zwei Tage später lehnt dies das Innenministerium ab. In Eisenach fordert die Synode des Evangelischen Kirchenbundes Reformen.

DDR-Flüchtlinge vor dem Eingang der Deutschen Botschaft in Warschau.
Bildrechte: IMAGO

20. September 1989

20. September 1989

Warschau: Die Botschaft der Bundesrepublik wird wegen Überfüllung geschlossen. - Moskau: Das ZK der KPdSU verspricht den Republiken der Sowjetunion wirtschaftliche Selbstständigkeit.

22. September 1989

22. September 1989

Erich Honecker weist die Ersten Sekretäre der SED-Bezirksleitungen an, dass "feindliche Aktionen im Keime erstickt" und "die Organisatoren der konterrevolutionären Tätigkeit isoliert" werden müssten.

Ausreisewillige DDR-Bürger klettern im September 1989 über eine Mauer auf das Gelände der bundesdeutschen Botschaft in der tschechoslowakischen Hauptstadt Prag.
Bildrechte: dpa

24. September 1989

24. September 1989

Die ČSSR verschärft die Kontrollen an der Grenze zu Ungarn. Dadurch wird die Botschaft der Bundesrepublik in Prag zum Sammelpunkt für DDR-Flüchtlinge.

25. September 1989

25. September 1989

Auf der Montagsdemonstration in Leipzig fordern mehrere Tausend Teilnehmer demokratische Reformen und die Zulassung des Neuen Forums. Die Ausreisewilligen unter den Demonstranten sind zur Minderheit geworden.

26. September 1989

26. September 1989

Die Stasi befiehlt ihren Bezirksverwaltungen, oppositionelle Gruppen durch die eingeschleusten inoffiziellen Mitarbeiter lahmzulegen. Erich Honecker ordnet für den 40. Jahrestag der DDR Führungsbereitschaft in Berlin an.

Heinz Kessler
Bildrechte: dpa

27. September 1989

27. September 1989

Berlin: Nach Honeckers Befehl versetzt Minister Keßler die Nationale Volksarmee für den 6. bis 9. Oktober in Bereitschaft. - Prag: Die ČSSR schließt eine ungarische Lösung für die über 900 Botschaftsflüchtlinge aus.

29. September 1989

29. September 1989

Gewerkschaftsmitglieder aus dem VEB Bergmann-Borsig fordern bei FDGB-Chef Harry Tisch die SED zum öffentlichen Dialog mit allen Kräften im Land auf. Die Massenflucht sei nicht nur ein Machwerk des Klassengegners.

DDR-Flüchtlinge campieren in extra errichteten Zelten in der Deutschen Botschaft in Prag.
Bildrechte: dpa

30. September 1989

30. September 1989

Auf Druck der Sowjetunion hin lässt die DDR die Prager Botschaftsflüchtlinge ziehen. Bundesaußenminister Genscher fährt nach Prag und verkündet dies. Auf dem Botschaftsgelände campieren inzwischen Tausende DDR-Bürger.

Hans-Dietrich Genscher
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Oktober

Das Archivbild vom 3. Oktober 1989 zeigt DDR-Flüchtlinge, die bei der Abfahrt auf einem Prager Vorortbahnhof aus einem Zug der "Deutschen Reichsbahn" winken, nachdem sie zuvor in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag auf ihre Ausreise in die Bundesrepublik gewartet hatten.
Bildrechte: dpa

1. Oktober 1989

1. Oktober 1989

In verriegelten Zügen reisen Tausende Flüchtlinge aus Prag über die DDR in die BRD aus. - In der DDR wollen die Gründer des Neuen Forums gegen die Nichtzulassung vorgehen. Sie zeigen sich überrascht vom Interesse am NF.

2. Oktober 1989

2. Oktober 1989

Leipzig: Demo mit ca. 20.000 Teilnehmern. Die Losungen drehen sich um Freiheit, Hierbleiben und das Neue Forum. Erstmals wird "Wir sind das Volk!" gerufen - zur Polizei gerichtet. Es gibt Verletzte bei deren Eingreifen.

DDR-Bürger flüchten in die Prager Botschaft der BRD
Bildrechte: dpa

3. Oktober 1989

3. Oktober 1989

Die DDR schließt faktisch ihre Grenzen, indem sie den visafreien Reiseverkehr in die ČSSR aussetzt. Dies wird ab dem nächsten Tag auch auf den Transitverkehr nach Bulgarien und Rumänien ausgeweitet.

Am 4. Oktober warten in und vor der bundesdeutschen Botschaft in Prag rund 8000 DDR-Bürger, die in die Bundesrepublik ausreisen möchten.     Schlagworte   .DDR , ABeurophoto , historical_archive, 1980s, 80s, historic_archive, eightieth, 80th, 1980th, eighties , .Flüchtlinge , .Bundesrepublik_Deutschland , übersiedler , menschenmenge , Diplomatie , 1980er Jahre, 80er Jahre, deugeschport2010 , .Politik , .Gebäude , .Krisen , .Geschichte , Botschaft     Überschrift   DDR-Bürger vor bundes...    Personen      Kontinent  Europa  Land  -    Provinz  -  Ort  Prag  Aufnahmedatum   04.10.1989      Rechtliche Daten   Bildrechte    Verwendung weltweit   Besondere Hinweise  -  Rechtevermerk  picture-alliance / dpa  Notiz zur Verwendung  (c) dpa - Bildarchiv
Bildrechte: dpa

4. Oktober 1989

4. Oktober 1989

Noch einmal dürfen etwa 7.000 DDR-Bürger, die erneut die BRD-Botschaft in Prag besetzt haben, ausreisen. In Dresden wollen rund 10.000 Demonstranten auf die Flüchtlingszüge aufspringen. Es kommt zu einer Straßenschlacht.

6. Oktober 1989

6. Oktober 1989

In der "Leipziger Volkszeitung" lässt die paramilitärische Kampfgruppe mit Blick auf die bevorstehende Montagsdemo wissen, dass sie bereit sei, konterrevolutionäre Aktionen auch mit der Waffe in der Hand zu unterbinden.

Am Vorabend des 40. Jahrestages der DDR wurde beim Fackelzug der Freien Deutschen Jugend Unter den Linden in Berlin die Verbundenheit zur Partei- und Staatsführung dokumentiert. Auf der Ehrentribüne stand die gesamte Partei- und Staatsführung der DDR. Prominentester Gast: Michail Gorbatschow und Gattin Raissa.
Bildrechte: dpa

6. Oktober 1989

6. Oktober 1989

Trotz Sicherheitsmaßnahmen kommt es in Berlin bei den Feiern zum 40. Jahrestag der DDR zu "Gorbi, hilf uns!"-Rufen. Nach Gesprächen mit Honecker sagte Gorbatschow sinngemäß: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"

Im Oktober 1989 geht auch die Bevölkerung von Plauen im Vogtland mit Transparenten zur Demonstration auf die Straße und fordert politische Veränderungen in der DDR.
Bildrechte: dpa

7. Oktober 1989

7. Oktober 1989

In Plauen versammeln sich am Nachmittag des "Republikgeburtstages" mindestens 10.000 Menschen. Sie widerstehen der Polizeigewalt. Dies gilt als erste Großdemo im Herbst 89. Fortan wird hier immer sonnabends demonstriert.

Friedliche Protestdemonstration gegen die DDR-Regierung in Berlin- Mitte am Abend des 7.Oktober 1989. Nach den offiziellen Feierlichkeiten der DDR-Staatsführung versammelten sich am Abend Tausende DDR-Bürger, um für mehr Freiheit zu demonstrieren.
Bildrechte: dpa

7. Oktober 1989

7. Oktober 1989

Am Abend des 40. Jahrestags der DDR demonstrieren Jugendliche vor dem Palast der Republik in Berlin. Es kommt wie auch in anderen Städten und am nächsten Tag zu schweren Übergriffen der Volkspolizei und Massenfestnahmen.

8. Oktober 1989

8. Oktober 1989

Erich Honecker befiehlt den Bezirksleitungen, "Krawalle" zu unterbinden und täglich zu berichten. Stasi-Chef Mielke ordnet volle Dienstbereitschaft an. In Dresden beginnt dennoch ein Dialog zwischen Opposition und SED.

Eine Gruppe von Demonstranten geht am 09.10.1989 mit einem Transparent, auf dem "Wir wollen keine Gewalt! Wir wollen Veränderungen!" zu lesen ist, bei der Montagsdemonstration in Leipzig. Mehr als 70 000 Menschen nahmen an dem Protestmarsch teil.
Bildrechte: dpa

9. Oktober 1989

9. Oktober 1989

In Leipzig demonstrieren mindestens 70.000 Menschen friedlich. Die große Menge hält die Sicherheitsorgane vom Eingreifen ab. Gewandhauskapellmeister Kurt Masur und andere Künstler rufen beide Seiten zur Besonnenheit auf.

Kurt Masur vor Büchern in einer Schrankwand
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

11. Oktober 1989

11. Oktober 1989

Nach zweitägigen Kontroversen erklärt das SED-Politbüro die Bereitschaft zum Dialog mit der Bevölkerung. Die Massenflucht habe auch eine Ursache in der DDR. "Kronprinz" Egon Krenz setzt sich damit gegen Honecker durch.

16. Oktober 1989

16. Oktober 1989

Über 100.000 Menschen nehmen an der Montagsdemo in Leipzig teil. Sie fordern die Zulassung des Neuen Forums, freie Wahlen, Reise-, Presse- und Meinungsfreiheit. Auch in anderen Städten wird wieder friedlich demonstriert.

18. Oktober 1989

18. Oktober 1989

Das SED-Politbüro zwingt den 77-jährigen Erich Honecker zum Rücktritt - offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Egon Krenz wird neuer SED-Generalsekretär. Er verspricht eine Politik der "Wende" und ein Reisegesetz.

Montagsdemos in Dresden - Demonstranten mit Transparent vor der Hofkirche auf dem Theaterplatz
Bildrechte: IMAGO

23. Oktober 1989

23. Oktober 1989

Die Montagsdemos haben immer mehr Zulauf. In Leipzig sind es 300.000 Menschen, Zehntausende in Magdeburg, Dresden, Schwerin, Zwickau, Halle, Stralsund, und Berlin sowie bereits an den Vortagen in Plauen und Rostock.

26. Oktober 1989

26. Oktober 1989

Laut Stasi demonstrieren allein an diesem Tag 160.000 Bürger. Vom 16. bis 22. Oktober waren es insgesamt 140.000 Teilnehmer auf 24 Demos. Vom 23. bis 30. Oktober werden es 540.000 Teilnehmer und 145 Demos sein.

Halt! Staatsgrenze! Passieren verboten! - Schriftzug auf einem Schild an der Grenze DDR-CSSR in der Oberlausitz
Bildrechte: IMAGO

27. Oktober 1989

27. Oktober 1989

Der DDR-Staatsrat verkündet eine Amnestie für Flüchtlinge und Demonstranten. Der Ministerrat lässt den pass- und visafreien Verkehr in die ČSSR ab 1. November wieder zu. Der Personalausweis soll wieder ausreichen.

31. Oktober 1989

31. Oktober 1989

Führende Ökonomen empfehlen dem SED-Politbüro, der Bundesregierung die Mauer im Tausch für neue Kredite und wirtschaftliche Zusammenarbeit anzubieten. Der Lebensstandard müsse sonst gesenkt werden. Auch drohe die Pleite.

November

1. November 1989

1. November 1989

Moskau: Gorbatschow lehnt wirtschaftliche Hilfe für DDR wegen eigener Krise ab. - Prag: Nach Wiederöffnung der Grenze zur ČSSR strömen wieder Ausreisewillige in die Botschaft. - In der DDR wieder Demos mit Zehntausenden.

Unzählige DDR-Bürger warten vor dem Gelände der bundesdeutschen Botschaft in Prag auf ihre Ausreise.
Bildrechte: dpa

3. November 1989

3. November 1989

Auf Drängen der Regierung in Prag genehmigt das SED-Politbüro, dass DDR-Bürger direkt aus der ČSSR in die BRD ausreisen dürfen, ohne noch einmal durch die DDR zu müssen. Die Zahl der Flüchtlinge steigt erneut sprunghaft.

Die größte Demonstration in der Geschichte der DDR fand am 04.11. 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz statt. Nahezu eine Million Bürger demonstrierten für eine Verbesserung der DDR-Politik.
Bildrechte: dpa

4. November 1989

4. November 1989

Größte nicht-staatliche Kundgebung der DDR-Geschichte mit einer Million Menschen auf dem Alexanderplatz in Berlin. Die Losungen lauten u.a. "Deutsche Einheit", "Das Volk sind wir", "Eure Politik ist zum Davonlaufen".

Tausende Plastik- und Papiersäcke, gefüllt mit Papierresten ehemaliger Stasiakten, im sogenannten "Kupferkessel" der Berliner Gauck-Behörde.
Bildrechte: dpa

6. November 1989

6. November 1989

Stasi-Chef Mielke ordnet die Vernichtung der Akten des Geheimdienstes an. Die SED-Führung stellt einen Reisegesetz-Entwurf vor - mit max. 30 Tagen Reisedauer pro Jahr. "Versagungsgründe" lassen Behörden viel Spielraum.

Der ehemalige DDR-Ministerpräsident Willi Stoph im November 1989.
Bildrechte: dpa

7. November 1989

7. November 1989

Die DDR-Regierung, der Ministerrat unter der Führung von Willi Stoph, tritt geschlossen zurück. Sie bleibt aber vorerst kommissarisch im Amt.

8. November 1989

8. November 1989

Das SED-Politbüro tritt zurück. Egon Krenz wird aber einstimmig zum Generalsekretär wiedergewählt. Ebenso sieben bisherige Mitglieder. Neu aufgenommen wird u.a. Hans Modrow. Das Neue Forum wird zugelassen.

9. November 1989 am Abend

9. November 1989 am Abend

Günter Schabowski erklärt gegen 19 Uhr schlecht vorbereitet auf einer Pressekonferenz, jeder Bürger dürfe über die Grenzübergänge ausreisen ... ab sofort. Die Meldung in den Fernsehnachrichten mobilisiert Zehntausende.

9. November 1989 nach der Pressekonferenz

9. November 1989 nach der Pressekonferenz

Bereits gegen 21:15 Uhr testeten Annemarie Reffert und ihre Tochter am Übergang Marienborn-Helmstedt als erste DDR-Bürger, ob die Grenze wirklich offen ist. Ahnungslose Grenzposten lassen sie durch und wieder zurück.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 strömen die Menschen über einen Grenzübergang nach West-Berlin.
Bildrechte: dpa

9. November 1989 am späten Abend

9. November 1989 am späten Abend

Die DDR-Grenzer haben auch an der Berliner Mauer keine Instruktionen, halten die Menschenmenge zunächst mit Passkontrollen und Abstempeln hin. Gegen 22:30 Uhr wird der erste Schlagbaum geöffnet, in der Bornholmer Straße.

Das Archivbild vom 10.11.1989 zeigt West-Berliner, die mit Hämmern, Kreuzhacken und den bloßen Händen versuchen, die Berliner Mauer einzureißen.
Bildrechte: dpa

Nacht vom 9. auf 10. November 1989

Nacht vom 9. auf 10. November 1989

Auch in der Nacht bleiben Befehle für Grenztruppen und Volkspolizei aus. Tausende Berliner aus Ost und West spazieren durchs Brandenburger Tor, tanzen auf der Mauer. Die ersten Mauerspechte klopfen Stücke aus dem Beton.

"Trabis" rollen am 10. November 1989 nach der Öffnung eines Teiles der deutsch-deutschen Grenzübergänge am Grenzübergang Rudolphstein in den Westen.
Bildrechte: dpa

10. November 1989 am Vormittag

10. November 1989 am Vormittag

Die geöffnete Grenze wird nun auch von Trabants überflutet. Viele Menschen gehen nicht zur Arbeit, sondern besuchen den Westen. Dort bilden sich Schlangen an den Auszahlstellen für das Begrüßungsgeld in Höhe von 100 DM.

10. November 1989 am Mittag

10. November 1989 am Mittag

Auf Befehl der SED-Führung machen sich zwei Eliteeinheiten der Nationalen Volksarmee gefechtsbereit. Alle Stasi-Angehörigen müssen bis auf Widerruf in ihren Diensteinheiten bzw. Einsatzobjekten bleiben.

Unzählige Menschen am 10.11.1989 auf und vor der Mauer am Brandenburger Tor in Berlin
Bildrechte: dpa

10. November 1989 am frühen Nachmittag

10. November 1989 am frühen Nachmittag

Die Menschen feiern weiter - auch auf der Mauer in Berlin. Weder Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper noch Willy Brandt oder Westberliner Polizisten können die Menschen zum Verlassen der Mauerkrone bewegen.

Die ersten Trabis werden am 10.11.1989 am Berliner Grenzübergang Checkpoint Charlie von unzähligen Menschen begrüßt.
Bildrechte: dpa

10. November 1989 am späten Nachmittag

10. November 1989 am späten Nachmittag

Die UdSSR erklärt, die Ereignisse seien eine ureigene Angelegenheit der DDR. Auch der Westen solle sich nicht einmischen. - Im DDR-Fernsehen wird beteuert, dass die Reiseregelung von Dauer sei. Neue Grenzübergänge kämen.

Mit selbstgemalten Plakaten wird dieser Trabi am 10.11. 1989 auf der Glienicker Brücke in Berlin von den West-Berlinern begrüßt.
Bildrechte: dpa

10. November 1989 am frühen Abend

10. November 1989 am frühen Abend

Vor dem Rathaus Schöneberg spricht Bundeskanzler Helmut Kohl vor bis zu 40.000 Demonstranten. Er betont die Einheit der Nation, fordert zugleich aber Besonnenheit. Die Glienicker Brücke wird erster neuer Grenzübergang.

10. November 1989 am Abend

10. November 1989 am Abend

Kanzler Kohl informiert Großbritannien und die USA über die Lage. In Berlin kommt es auf Westseite zu vermehrten Attacken auf die Mauer Richtung Brandenburger Tor. Feuerwerkskörper und Flaschen fliegen nach drüben.

Eine DDR-Bürgerin schenkt einem DDR-Grenzsoldaten am 11. November 1989 in Berlin eine rote Rose.
Bildrechte: dpa

11. November 1989 bis zum Mittag

11. November 1989 bis zum Mittag

DDR-Grenztruppen und Westberliner Polizei gelingt es, die Mauer an Potsdamer Platz und Brandenburger Tor gewaltlos zu räumen und abzuriegeln. Die erhöhte Bereitschaft für NVA-Einheiten und Stasi wird aufgehoben.

Menschenschlange am Grenzübergang Bernauer Straße in Berlin am 11.11.1989.
Bildrechte: dpa

11. November 1989 am Nachmittag

11. November 1989 am Nachmittag

West-Berlin platzt ob der vielen Besucher aus allen Nähten. Bürgermeister Momper fühlt sich von der Bundesregierung alleingelassen und kritisiert, dass der Kanzler vorläufig nicht mit der DDR-Führung reden wolle.

Am 1. Wochenende nach der Maueröffnung (11./12. November) überfüllen Besucher aus dem Osten der Stadt den westberliner Kuhdamm.     Schlagworte   .Geld , .DDR , Passagen , .Freizeitindustrie , .Verbraucher , .Gesellschaft , .Menschenmassen , besucher , .Genußmittel , einkäufer , berA6-02.08.1992 , .Geschichte , .Historisch , Geschäfte     Überschrift   Grenzgänger im Westen...    Personen      Kontinent  Europa  Land  Deutschland    Provinz  Berlin  Ort  Berlin  Aufnahmedatum   12.11.1989      Rechtliche Daten   Bildrechte    Verwendung weltweit   Besondere Hinweise  -  Rechtevermerk  picture-alliance / ZB  Notiz zur Verwendung  (c) ZB - Fotoreport
Bildrechte: dpa

12. November 1989

12. November 1989

Eine Million Besucher in Westberlin. Alliierte sagen Zurückhaltung zu. DDR-Verteidigungsminister Keßler hebt öffentlich den Schießbefehl auf. Das Neue Forum mahnt, sich nicht vom politischen Neuaufbau ablenken zu lassen.

DDR-Ministerpräsident Hans Modrow, aufgenommen am 17. November 1989.
Bildrechte: dpa

13. November 1989

13. November 1989

Die Volkskammer, das DDR-Parlament, wählt den bisherigen Dresdner SED-Bezirkschef Hans Modrow zum Vorsitzenden des Ministerrats.

Der stilisierte Bundesadler im Plenarsaal des Deutschen Bundestages in Bonn.
Bildrechte: dpa

16. November 1989

16. November 1989

In Bonn diskutiert der Bundestag über eine mögliche Wiedervereinigung. Kanzler Kohl sagt in seiner Regierungserklärung, "unsere Landsleute in der DDR müssen selbst entscheiden können, welchen Weg ... sie gehen möchten."

18. November 1989

18. November 1989

Die neue DDR-Regierung unter Ministerpräsident Hans Modrow nimmt ihre Arbeit auf. Sie wurde von 44 auf 28 Ministerposten reduziert. Neun Ministerämter werden von Mitgliedern der vorhergehenden Regierung besetzt.

Blick auf die erste offiziell genehmigte Kundgebung der DDR-Oppositionsgruppe "Neues Forum" am 18. November 1989 in Leipzig, an der sich rund 50 000 Menschen beteiligten.
Bildrechte: dpa

18. November 1989

18. November 1989

Ungefähr 50.000 Menschen kommen zur Demonstration des Neuen Forums in Leipzig. Es war die erste von der DDR-Regierung genehmigte Veranstaltung der Opposition.

DDR-Bürger stehen am 14. November 1989 Schlange vor einem Supermarkt in Bergen/Krs. Lüchow-Dannenberg.
Bildrechte: dpa

19. November 1989

19. November 1989

Nach Angaben der DDR-Nachrichtenagentur ADN besuchen rund drei Millionen DDR-Bürger am zweiten Wochenende nach dem Mauerfall West-Berlin und die Bundesrepublik.

DDR-Bürger mit brennenden Kerzen und einem Transparent, auf dem zu lesen ist"SED Dein Gesicht vergessen wir nicht", nehmen am 20. November 1989 an einer Montagsdemonstration in Leipzig teil.
Bildrechte: dpa

20. November 1989

20. November 1989

Die Montagsdemos gehen in vielen Städten weiter; in Leipzig lautet eine der Parolen nun "Deutschland - einig Vaterland". Die neue DDR-Führung vereinbart mit Kanzleramtsminister Seiters ein baldiges Treffen mit Kohl.

22. November 1989

22. November 1989

Das SED-Politbüro erklärt sich bereit, mit Vertretern der Blockparteien, Bürgerbewegung und neuen Parteien an einen Runden Tisch zusammenzukommen. Themen sollen freie Wahlen und eine Verfassungsänderung sein.

Günter Mittag (DDR/SED/Sekretär für Wirtschaft im ZK) anlässlich des deutsch deutschen Wirtschaftstreffens in Köln.
Bildrechte: IMAGO

23. November 1989

23. November 1989

Die SED schließt Günter Mittag, bis zum 18. Oktober ZK-Sekretär für Wirtschaft, aus der Partei aus. Gegen Erich Honecker wird ein Parteiverfahren eingeleitet.

24. November 1989

24. November 1989

Valentin Falin, in der KPdSU zuständig für Internationale Beziehungen, bringt die Idee einer Konföderation von DDR und BRD ins Spiel - "und dass das auch weitergehen könnte", wie Hans Modrow sich später erinnert.

Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) spricht während der Haushaltsdebatte im Deutschen Bundestag in Bonn am 28. November 1989.
Bildrechte: dpa

28. November 1989

28. November 1989

Kanzler Kohl stellt ein Zehn-Punkte-Programm vor, das die Wiedervereinigung in fünf bis zehn Jahren vorsieht. Schriftsteller Stefan Heym plädiert für einen reformierten Sozialismus und gegen die Vereinnahmung der DDR.

Dezember

Der DDR-Staatsratsvorsitzende Egon Krenz (r) und der LDPD-Vorsitzende Manfred Gerlach während der Sitzung der Volkskammer, in der die SED-Führungsrolle aus der Verfassung gestrichen wurde. Krenz verbirgt seine Augen.
Bildrechte: dpa

1. Dezember 1989

1. Dezember 1989

Die Volkskammer streicht mit den Stimmen der SED-Abgeordneten die führende Rolle der SED aus der Verfassung. Zudem wird Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski nach dem Verbleib von Milliardeneinnahmen befragt.

US-Präsident George Bush lacht während der Konferenz neben dem strahlenden sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow am 2. Dezember 1989 auf dem sowjetischen Kreuzer "Maxim Gorki" vor der Mittelmeerinsel Malta.
Bildrechte: dpa

2. Dezember 1989

2. Dezember 1989

Auf dem Gipfeltreffen von US-Präsident George Bush und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow auf Malta wird die Deutschland-Frage zum Hauptthema.

Der ehemalige Devisenbeschaffer der DDR und als Staatssekretär langjähriger Leiter der Abteilung "Kommerzielle Koordinierung" (KoKo) im Ministerium für Außenhandel der DDR, Alexander Schalck-Golodkowski, aufgenommen am 27. April 1988.
Bildrechte: dpa

3. Dezember 1989

3. Dezember 1989

Erste Mitglieder der alten SED-Spitze kommen in Untersuchungshaft. Das ZK wählt auf seiner letzten Sitzung Krenz als Generalsekretär ab. Honecker muss die Partei verlassen. Schalck-Golodkowski flieht nach West-Berlin.

Der Staatsanwalt für Militärfragen, Horst Weissmantel, verschließt am 04.12.1989 im Gebäude des Staatssicherheitsdienstes in Erfurt Aktenschränke. Um die Vernichtung von Beweisen durch ehemalige Mitglieder des Politbüros und Parteifunktionäre zu verhindern, wurde diesem Personenkreis Zugang zu Stasi-Unterlagen, Panzerschränken und EDV-Anlagen der Partei untersagt.
Bildrechte: dpa

4. Dezember 1989

4. Dezember 1989

Bürger besetzen in Erfurt, Suhl und Leipzig die Gebäude der Stasi-Bezirksverwaltungen und läuten damit das Ende des Ministeriums ein. - Gorbatschow weist das Zehn-Punkte-Programm von Kanzler Kohl als "Diktat" zurück.

Kampfgruppenmitglieder der DDR anlässlich der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Berliner Mauer
Bildrechte: IMAGO

5. Dezember 1989

5. Dezember 1989

Der DDR-Generalstaatsanwalt ermittelt gegen Honecker u.a. wegen Veruntreuung sozialistischen Eigentums. Die SED-Kampfgruppen werden aufgelöst. Für Westbesucher sollen ab 1.1.1990 Visumzwang und Zwangsumtausch wegfallen.

6. Dezember 1989

6. Dezember 1989

Egon Krenz tritt auch als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates zurück. Das oberste militärische Sicherheitsgremium der DDR ist damit verhandlungsunfähig.

Die Gesprächsteilnehmer beim ersten Treffen des "Runden Tisches" in Ost-Berlin am 7. Dezember 1989.
Bildrechte: dpa

7. Dezember 1989

7. Dezember 1989

In Berlin kommt erstmals der Zentrale Runde Tisch aus Vertretern von SED, Blockparteien, Massenorganisationen und Opposition zusammen. Er spricht sich für Neuwahlen, eine neue Verfassung und die Auflösung der Stasi aus.

Der Generalsekretär der SED in der DDR Gregor Gysi am 9. Dezember 1989 nach seiner Wahl auf dem Außerordentlichen Parteitag der SED in Ost-Berlin.
Bildrechte: dpa

9. Dezember 1989

9. Dezember 1989

Die SED lehnt einen Antrag auf Selbstablösung ab und wählt Gregor Gysi zum Vorsitzenden. - Ein EG-Gipfel erkennt das Recht der Deutschen auf staatliche Einheit an. Dennoch sind die europäischen Nachbarländer skeptisch.

11. Dezember 1989

11. Dezember 1989

DDR-weit kommt es nach wie vor zu zahlreichen Montagsdemonstrationen. In den südlichen Bezirken sind die Forderungen nach einer deutschen Einheit lauter als im Norden.

14. Dezember 1989

14. Dezember 1989

Die DDR-Regierung entlässt Wolfgang Schwanitz, den Nachfolger von Stasi-Chef Mielke, aus dem Kabinett und beschließt die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit, des früheren Stasi-Ministeriums.

Blick auf das Präsidium des Außerordentlichen Parteitages der SED-PDS am 16.12.1989 in Berlin. Neben dem Mikrofon steht die Glocke des Tagungsleiters.
Bildrechte: dpa

16. Dezember 1989

16. Dezember 1989

Auf einem außerordentlichen Parteitag benennt sich die SED in SED-PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) um.

Bundeskanzler Helmut Kohl neben Arbeitsminister Norbert Blüm und Hans Klein während einer Kundgebung in Dresden.
Bildrechte: IMAGO

19. Dezember 1989

19. Dezember 1989

Hunderttausende Bürger fordern in Dresden im Beisein von Kanzler Kohl die deutsche Einheit. In Berlin fordert Gregor Gysi auf einer SED-PDS-Veranstaltung die Eigenständigkeit der DDR und lehnt eine Wiedervereinigung ab.

21. Dezember 1989

21. Dezember 1989

DDR-Verteidigungsminister Hoffmann hebt den Schießbefehl für die Grenztruppen endgültig und offiziell auf. Es darf nur noch zur Abwehr von Angriffen auf das Leben von Grenzsoldaten oder anderen Bürgern geschossen werden.

Polizeibeamte aus Ost- und West-Berlin unterhalten sich am 22.12.1989 an der geöffneten Mauer am Brandenburger Tor, während hinter ihnen mit einem Kran ein Stück Mauer in die Höhe gehoben wird.
Bildrechte: dpa

22. Dezember 1989

22. Dezember 1989

Das Brandenburger Tor in Berlin wird für Fußgänger geöffnet. DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und Bundeskanzler Helmut Kohl geben die neue Grenzübergangsstelle frei.

Rund 1.000 DDR-Bürger begrüßen am 24.12.1989 am Autobahn-Grenzübergang Gudow-Zarrentin Besucher aus der Bundesrepublik, die über die Weihnachtsfeiertage in die DDR reisten.
Bildrechte: dpa

24. Dezember 1989

24. Dezember 1989

Bundesbürger dürfen bereits ab Weihnachten ohne Visum und Zwangsumtausch die DDR besuchen. Dies war ursprünglich ab 1. Januar 1990 geplant.

Ausgelassen feiern die Berliner am 31. Dezember 1989 Silvester auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor.
Bildrechte: dpa

31. Dezember 1989

31. Dezember 1989

Am Brandenburger Tor feiern Hunderttausende Deutsche aus Ost und West die erste gemeinsame Silvesterparty.