Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Parkbank
Enkel Malte hilft Karin Friedemann bei den Recherchen. Bildrechte: Thomas Keffel/MEINWERK Film

Die Spur der Ahnen | 11.10.2017 Der schöne Martin - Tod im Kapp-Putsch?

Es ist nicht viel, was Karin Friedemann von ihrem Großvater geblieben ist: einige Fotos und ein paar Dokumente, die Erinnerungen ihrer Mutter und eine Legende, die klingt wie ein Kriminalfall aus längst vergangenen Zeiten.

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einer Parkbank
Enkel Malte hilft Karin Friedemann bei den Recherchen. Bildrechte: Thomas Keffel/MEINWERK Film

Denn Martin Hässelbarth - der schöne Martin - wie man ihn in der Familie von Karin Friedemann schmunzelnd nennt - starb vor fast 100 Jahren. Unter ungeklärten Umständen auf einer Straße in Leipzig.

Es ist der 19. März 1920. Seit Tagen tobt auch auf Leipzigs Straßen ein erbitterter Kampf um die Macht in der noch jungen Weimarer Republik. Und auch an diesem Tag wird es hier wieder Tote geben. Einer von ihnen ist Karins Großvater, Martin Hässelbarth. Die Umstände seines Todes sind bis heute ungeklärt. Eine verirrte Kugel soll es gewesen sein, die den damals 40-jährigen Oberpostassistenten traf. Sein Leichnam ist, auf Anordnung der Polizei, in einem Bleisarg auf einem Dresdner Friedhof bestattet worden.

So geht die Geschichte, die in der Familie von Karin Friedemann von Generation zu Generation weitergegeben wird. Aber warum sollte man den Verstorbenen in einem Bleisarg bestatten? Ging die Polizei damals vielleicht doch von einem Mord aus?

Martin Hässelbarth in Uniform
Schmuck sieht er aus in seiner Postuniform - in der Familie wird er nur "der schöne Martin" genannt. Bildrechte: Karin Friedemann/privat

Martin Hässelbarth war zunächst Postgehilfe, später dann Oberpostassistent im Post- und Telegraphendienst. Er arbeitete im Leipziger Postamt 2 in der Bahnhofsstraße. Auch in den wirren und gefährlichen Tagen, die auf den Kapp-Putsch folgten.

Nur wenige Tage vor dem Tod Hässelbarths hatten Soldaten der Reichswehr in Berlin das Regierungsviertel besetzt und ernannten Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Die Weimarer Republik, die sich an den Versailler Vertrag halten und das Militär verkleinern wollte, sollte zerschlagen werden. Die Regierung der Republik musste zunächst fliehen, rief aber dennoch im ganzen Land zum Generalstreik auf, um Wolfgang Kapp als Kanzler handlungsunfähig zu machen. 12 Millionen Menschen beteiligten sich daraufhin am größten Streik in der Geschichte Deutschlands.

In den Tagen des Kapp-Putsches kam es auch in Leipzig zu schweren Kämpfen. Die Arbeiter hatten in vielen Vierteln die Macht an sich gerissen, die Truppen der Reichswehr bekämpften sie erbittert. Es gab zahlreiche Tote. So auch noch an jenem 19. März 1920, als der eigentliche Putsch schon vorbei war. Reichswehrverbände stürmten das Volkshaus im Leipziger Süden, als die Arbeiter gerade ihre toten Kameraden auf dem Südfriedhof beerdigten. War Martin Hässelbarth dort und damit einfach zur falschen Zeit am falschen Ort?

Karin Friedemann blickt in Fotoalbum
Was trägt der Großvater hier nur für eine Uniform? Bildrechte: Thomas Keffel/MEINWERK Film

Dass ihr Großvater - ein ordentlicher Beamter - in den Kapp-Putsch verwickelt gewesen sein könnte, hält Karin für sehr unwahrscheinlich. Wäre da nicht jenes Foto, auf dem Martin Hässelbarth keine Post-, sondern eine militärische Uniform trägt. Aber er war doch gar nicht im 1. Weltkrieg?

Viele Fragen, wenige Anhaltspunkte und schon gar keine Antworten: Mit Hässelbarths Sterbeurkunde, einigen Fotos und unterstützt von ihrem Enkel Malte macht sich Karin Friedemann auf die „Spur der Ahnen“. Werden die beiden herausfinden, wie und warum der Großvater starb?

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Die Spur der Ahnen | 11. Oktober 2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 09:33 Uhr