Die Spur der Ahnen | 06.09.2017 | 21:15 Uhr Heim-Weh. Geboren im Jugendwerkhof

Constanze Noack ist 53 Jahre alt, verheiratet und arbeitet als Lehrerin. Soweit alles ganz normal. Aber sie lebt mit einer großen Leerstelle in ihrem Leben: Denn über die Umstände ihrer Geburt und über ihre frühe Kindheit weiß Constanze so gut wie nichts.

Die kleine Constanze lebt zunächst in Leipziger Kinderheimen.
An ihre ersten Kinderjahre hat Constanze keine Erinnerung. Bildrechte: Privat

Constanze Noack wird im Sommer 1964 geboren und verbringt ihre ersten Lebensjahre in verschiedenen Kinderheimen in Leipzig. Als sie sechs Jahre alt ist, wird sie von einem kinderlosen Ehepaar adoptiert. Es folgt eine behütete Kindheit in der DDR, Constanze macht eine Berufsausbildung und studiert schließlich. Ihre leiblichen Eltern aber bleiben immer ein Tabu in der Familie und auch als Constanze Noack erwachsen ist, gibt es keinen Kontakt.

Lange Zeit ist sie den Schatten ihrer Vergangenheit ausgewichen, jetzt will sie endlich das Geheimnis ihrer leiblichen Eltern ergründen. Als sie mit den Recherchen beginnt, stößt sie relativ schnell auf die Identität der beiden. Aber schon kurze Zeit später muss sie erfahren, dass ihre richtigen Eltern bereits verstorben sind. Immerhin bekommt sie Fotos und kann sich so zumindest ein Bild davon machen, wie ihre Eltern ausgesehen haben.

Die leiblichen Eltern von Constanze Noack auf einer Zeichnung.
Von ihren leiblichen Eltern findet sie nur Fotos. Beide sind schon tot. Bildrechte: Constanze Noack

Dann entdeckt sie, dass der Ort, an dem sie geboren wurde, keine normale Frauenklinik, sondern ein sogenanntes Mutterschutzheim war. Und sie erfährt, dass ihre Mutter, als sie mit ihr schwanger war, in einem Jugendwerkhof in Klaffenbach in der Nähe von Chemnitz lebte.

Warum war meine Mutter Im Jugendwerkhof?
Wo war mein Vater damals?
Weshalb haben beide niemals Kontakt zu mir aufgenommen?

Verzweifelt ringt Constanze Noack seitdem um Antworten auf die sie bedrängenden Fragen: Weshalb war ihre Mutter im Jugendwerkhof? Welcher Straftaten hatte sich die damals 18-jährige schuldig gemacht? Weshalb ließ ihre Mutter sie später im Heim zurück?

Das Wasserschloss in Klaffenbach
Das Wasserschloss in Klaffenbach war zwischen 1949 und 1989 ein Jugendwerkhof für Mädchen. Bildrechte: Steffen Thost

Der Jugendwerkhof Klaffenbach

An die Geschichte des Wasserschlosses als Jugendwerkhof für Mädchen erinnert heute kaum etwas. Ein Hotel samt Golfplatz ist hier entstanden und in den alten Mauern des Schlosses finden Hochzeiten und Jugendweihen statt.

Bis 1989 befand sich im Schloss einer von 32 Jugendwerkhöfen der DDR. 1947 richtete das Jugendamt Chemnitz ein Heim für Mädchen ein, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren. 1949 erhielt das Heim den Status eines Jugendwerkhofes, in dem sogenannte „schwer erziehbare“ Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren lebten. Bis zu 100 junge Frauen aus allen Bezirken der DDR saßen hier gleichzeitig ein.

Und auch ihr Vater ist ein Rätsel. Der Mann, der auf ihrer Geburtsurkunde eingetragen ist, war nie mit der Mutter verheiratet. 1961 soll er aus der DDR nach Hamburg geflohen sein, nach dem Bau der Mauer tauchte er aber plötzlich wieder in Leipzig auf. Weshalb hat er nie versucht, Kontakt zu seiner Tochter aufzunehmen?

Constanze Noack heute.
Die heute 53-Jährige will endlich die Leerstellen ín ihrem Leben füllen. Bildrechte: Jean Schbalin

Constanze Noack will endlich Klarheit. Sie will wissen, wo sie herkommt und macht sich mit "Die Spur der Ahnen" auf die Suche nach ihren Wurzeln. Eine hochemotionale und schmerzhafte Reise, auf der sie einige Geheimnisse lüften wird, aber auch Dinge erfährt, die sie umso ratloser zurücklassen.


Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Die Spur der Ahnen | 06. September 2017 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 13:58 Uhr