Die Spur der Ahnen

Die Spur der Ahnen | MDR FERNSEHEN | 01.06.2011 | 20:45 Uhr : Der heimliche Geliebte

Ein Film von Anett Friedrich

Immer wieder wurde getuschelt: Sein wirklicher Vater sei ein französischer Zwangsarbeiter gewesen. Nach dem Tod der Mutter begibt sich Walter V. auf Spurensuche. Er hat nicht viel mehr als ein Foto und die Erinnerung an den Duft der Rosmarinkartoffeln, die seine Mutter immer zubereitete.

War der französische Kriegsgefangene Felix Paganon (M.) der heimliche Geliebte von Walters Mutter Frieda?

Walter V. aus Wurzen ist im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs gezeugt worden. Hinter vorgehaltener Hand hieß es immer, sein Vater sei ein französischer Kriegsgefangener gewesen.

Mit seiner Tochter Nicole macht sich Walter auf die Suche.

01.06.2011, 20:45 Uhr | 04:32 min

Er selbst hatte dieses Geheimnis nie aufdecken können. Und auch seine Eltern brachten nie Licht ins Dunkel der Gerüchte ... Als Walters Mutter Frieda stirbt, vererbt sie ihm eine kleine Fotokiste. Darin hat sie ihre Lebensbeichte versteckt, glaubt Walter. So liegt darin ein Bild, das seine Mutter bei der Arbeit zeigt, links neben ihr steht ein junger Mann mit einem Kreuz über dem Kopf. Dieses Bild wird für ihn zum Schatz und mit Hilfe dieses Schatzes kann er sich jetzt einiges zusammen reimen.

Walter versucht zu rekonstruieren, was damals geschah. Er lernt dabei die Lebensumstände einer jungen Frau in den Jahren des Zweiten Weltkrieges kennen und erfährt, wie tausende Kriegsgefangene bei Oschatz überlebten.

Als Zwangsarbeiter in Oschatz

Während sein späterer Ziehvater im Krieg gewesen ist, hatte Walters Mutter in einer Gärtnerei bei Wurzen gearbeitet. In eben dieser Gärtnerei wurde auch der junge Franzose Felix Paganon als Zwangsarbeiter eingesetzt. Das Gerücht könnte also wirklich stimmen. Deutschen Frauen war es allerdings strengstens verboten, sich mit den Ausländern einzulassen. Dies galt als Rassenschande und wurde streng bestraft. Mitten in der Stadt Oschatz wurden Frauen deswegen an den mittelalterlichen Pranger gestellt. Durfte das Geheimnis um Walters Herkunft deswegen nicht gelüftet werden?

Reise nach Frankreich

Die Reise in die Vergangenheit führt Walter ins französische Annecy, wo noch Verwandte von Felix leben sollen. Walter erlebt dabei ein Wechselbad der Gefühle. Ohne den Beistand, den ihm seine Tochter Nicole gibt, hätte er die Unternehmung wohl nicht geschafft.

Aber am Ende wird er dahinter gekommen, er wird erfahren, wer sein Vater gewesen ist – auch wenn es ihn viele Tränen kosten wird. Mit 66 Jahren fühlt er sich schließlich angekommen - bei seiner neuen Familie in Frankreich.

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Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2011, 11:16 Uhr

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