Die Spur der Ahnen | MDR FERNSEHEN | 08.06.2011 | 20:45 Uhr : Geboren für den Führer
Ein Film von Stefanie Wagemann
Seine Adoptiveltern waren stramme Nazis. Nie erfuhr Wolfgang Schröder von ihnen, wer seine wahre Mutter war und warum sie ihn weggegeben hatte. Die Spurensuche führt den heute 73-Jährigen nach Wernigerode. Die Kleinstadt im Harz war in den 1930er-Jahren ein Zentrum der SS. So eröffnete auch dort ein Lebensbornheim als Erziehungseinrichtung für die "arische" Elite ...
Als kleiner Junge schüttelte Wolfgang Adolf Hitler persönlich die Hand. Das war seinen Adoptiveltern wichtig. Die Mutter war eine glühende Anhängerin Hitlers und Mitglied in der NS-Frauenschaft. Der Vater war Offizier bei der Wehrmacht und Mitglied in der SS.
Dass Wolfgang ein Adoptivkind war, wurde ihm nicht verheimlicht. Doch die Frage nach seiner leiblichen Familie wollte ihm niemand beantworten. Und Wolfgang fragte oft - sein ganzes Leben lang. "Das erfährst du schon noch früh genug!", war jedes mal die Antwort, wenn Wolfgang seine Adoptiveltern nach seiner "richtigen" Familie fragte.
Die Spur führt nach Wenigerode ...
Doch seine Herkunft war und blieb ein Tabuthema, ein wohl gehütetes Familiengeheimnis, das die Adoptiveltern schließlich mit ins Grab nahmen. Warum hatten sie sich so rigoros geweigert Wolfgang etwas von seinen leiblichen Eltern zu erzählen?
Diese Frage hat sich der heute 73-Jährige immer wieder gestellt. Und schließlich blieb nur die Möglichkeit, auf eigene Faust die Antwort auf die Frage nach seiner Mutter zu suchen.
Als erstes forderte Wolfgang seine Geburtsurkunde an und entdeckte eine heiße Spur. Lotte Schröder lautete der Name seiner leiblichen Mutter, als er das erfuhr, ließ er seinen Namen daraufhin ändern. Geboren wurde seine Mutter dem Dokument zufolge in Wernigerode. Ein Verdacht, den Wolfgang Schröder schon sein Leben lang hegte, scheint sich auf seiner Reise in die Vergangenheit zu bestätigen:
Seit den 30er-Jahren war die Kleinstadt im Harz ein Zentrum der SS. Der Schwarze Orden der Nazis eröffnete damals in Wernigerode ein Lebensbornheim - eine Erziehungseinrichtung für die zukünftige "arische" Elite des Deutschen Reiches. Die Nationalsozialisten hatten 1935 den Verein Lebensborn gegründet, in dem unter anderem hilfsbedürftige Mütter "guten Blutes" unterstützt werden sollten. Nachweislich "arische" Frauen konnten und sollten hier möglichst viele Kinder zur Welt bringen.
Ist Wolfgang Schröder also ein solches Lebensborn-Kind? Warum hat seine Mutter damals ihren Sohn weggegeben und was ist aus ihr geworden? Wird er das Geheimnis seiner Herkunft nach so langer Zeit lüften können?
Buchtipp:
Dorothee Schmitz-Köster: Deutsche Mutter, bist Du bereit ... Alltag im Lebensborn. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, ISBN 3-7466-8094-
Mit Zeitzeugeninterviews mit ehemaligen Lebensbornmüttern und -kindern, Schwestern, Hebammen und Heimleitern
