Die Spur der Ahnen

Expertin Martina Wermes im Gespräch + Video : Die gute Fee der Ahnenforscher

Martina Wermes beschäftigt sich seit Jahren mit Ahnenforschung. In der Fernsehserie "Die Spur der Ahnen" gibt sie die entscheidenden Tipps, wenn es nicht mehr weitergeht. Und sie erklärt, wo die Zuschauer mit der Ahnensuche beginnen können.

Frau Wermes, Sie sind eng mit der Genealogie verbunden, sowohl beruflich als auch in der Freizeit.

Martina Wermes, die Leiterin der Leipziger Genealogischen Gesellschaft.
Martina Wermes

Das stimmt. Ich habe das schon immer als Berufswunsch gehabt. Und habe das auch realisiert: Von meinem Studienabschluss bis ins Jahr 2000 habe ich in der Zentralstelle für Genealogie der DDR gearbeitet, später dann in der entsprechenden Abteilung des Staatsarchivs Leipzig.
Jetzt betreibe ich Ahnenforschung für die Genealogische Gesellschaft. Da bin ich 2004 zur Vorsitzenden gewählt worden.

Worin besteht die Vereinsarbeit?

Im Mittelpunkt stehen unsere monatlichen Veranstaltungen mit genealogischen oder eng verwandten Themen wie Chronologie, Namensforschung und so weiter. Viel zu tun haben wir mit unserer Ahnenbörse und mit Anfragen an die Gesellschaft.

Waren Sie überrascht, als plötzlich das Fernsehen vor der Tür stand?

Nicht so sehr. In den letzten Jahren hat das Interesse an Ahnenforschung stark zugenommen. Das haben wir schon im Archiv gemerkt. Deshalb war mir klar, dass das auch für Medien ein Thema wird.

Was konnten Sie für uns tun?

Nun, ich bin die Gutachterin. Ich helfe den Reportern auf die Sprünge, wenn die nicht weiter wissen. Wenn zum Beispiel eine Spur ins Leere geführt hat, dann gebe ich Tipps: Versucht doch mal dieses oder jenes. Fragt mal hier oder dort.

Eine Art gute Fee.

Ja, das kann man so sagen. Schließlich helfe ich immer gern. Manchmal fühle ich mich wie ein wandelndes Lexikon. Und 18 Jahre Erfahrung tun ihr Übriges.

Unterscheiden sich unsere MDR-Geschichten stark von Ihrem Berufs- beziehungsweise Vereinsalltag?

Naja, es ist ein bisschen spannender, weil es eine gute Dramaturgie hat. Aber ansonsten sind das ja schon Alltagsgeschichten. Die prinzipiellen Fragestellungen an das Archiv oder die Gesellschaft sind ähnlich.

Macht es einen Unterschied, ob man einen Fürsten sucht oder einen Bauernsohn?

Die Quellenlage bei den adligen Familien ist besser! Aber auch bei Bauerngeschlechtern ist die Quellenlage nicht schlecht. Da muss man nur wissen, wo man suchen muss.

Und wo?

In Staats- und Stadtarchiven oder in den kirchlichen Archiven. Übrigens eine ganz wesentliche Quelle: Standesämter gab es hierzulande nämlich erst ab 1875. Vorher ist alles in den Kirchenbüchern festgehalten. Nur der Pfarrer hat Eheschließungen, Taufen oder Sterbefälle festgehalten. Dann muss man da ran.

Wenn unsere Zuschauer nach den Fernsehbeiträgen Feuer und Flamme sind und sich auf die Suche machen wollen: Wo sollen sie anfangen?

Das Erste ist immer, die eigene Familie zu befragen. Gucken Sie sich mal Fotos an. Da wird es schon Leute geben, die Sie gar nicht mehr erkennen. Dann muss man in die Spur und sich fragen: Wer in meiner Familie kann mir Auskunft geben, wer kennt den, den ich da sehe? So schöpft man erst einmal das Wissen ab, das es in der Familie gibt. Machen Sie das, bevor Ihre Angehörigen die Storys mit ins Grab nehmen!

Dann sichtet man die Dokumente, die in der Familie da sind und systematisiert das. Danach kann man in den Archiven schauen: Standesämter haben Unterlagen bis 1875, und davor sind Kirchenbücher und Archive gefragt. Unser Schwerpunkt im Staatsarchiv liegt zum Beispiel auf den Jahren 1650 bis 1850. Inzwischen ist aber das Internet auch eine große Hilfe.

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2010, 09:37 Uhr

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK