Die Spur der Ahnen | 18.01.2012 | Mit Trailer + Bildergalerie : Verwandt mit Karl Stülpner?
Ein Film von Galina Breitkreutz und Martina Hannemann
Das Erzgebirge ist nicht nur bekannt für seine reichen Silber- und Uranvorkommen. Auch ein berüchtigter Wildschütz war hier zu Hause: Karl Stülpner. Sein Leben ist Stoff für zahlreiche Volkslieder und Theaterstücke. Mehr als 150 Jahre später begibt sich Frank Müller auf die Spur des Rebellen, um herausfinden, ob er tatsächlich mit dem Stülpner verwandt ist.
"Mich schießt keiner tot"
Bis heute spricht man im Erzgebirge ehrfurchtsvoll vom Stülpner Karl, dem Kugelfesten, der von sich behauptet haben soll: "Mich schießt keiner tot!" Damit sollte er Recht behalten, denn er starb 1841 eines natürlichen Todes.
Schon zu Lebzeiten trug der brillante Geschichtenerzähler zur Bildung seiner eigenen Legende tatkräftig bei. Er foppte die Staatsmacht, kämpfte gegen Ungerechtigkeiten und scherte sich nicht um Verbote.
Der Wald zwischen Böhmen und Sachsen war sein Zuhause, hier fühlte er sich frei. So erzählen es die Legenden. Aber stimmen sie, oder ist alles nur Waidmannsgarn?
"Stülpner, der ist Verwandtschaft!"
Frank Müller aus Dittersdorf ist ein bodenständiger Mensch. So recht mag er nicht an die märchenhaften Geschichten glauben. Aber mit dem Stülpner Karl verwandt zu sein, das macht was her in seiner Heimat. Also begibt er sich auf die Spur seiner Ahnen, um herauszufinden, ob es stimmt, was man sich in seiner Familie erzählt: Er sei mit dem Stülpner verwandt. Sein Großvater rief immer, man solle seine Familie nicht beleidigen, wenn Frank sagte "Bei dir sieht's ja aus wie in der Stülpner-Höhle." Seine Mutter erinnert sich, dass sie als Mädchen einmal den Blick auf einen Stammbaum werfen durfte. Der Name Stülpner stand oben, die Verästelung endete bei ihren Eltern. Doch dieses Dokument ist heute nirgends mehr zu finden.
Mühselige Spurensuche
Die Welt, in der der Wildschütz einst die Obrigkeit narrte, ist verschwunden. Doch das kann Frank Müller nicht aufhalten, er will die Wahrheit über die Vergangenheit erfahren. Lebte der Raubschütz wirklich in der Höhle an den Greifensteinen, wie man berichtet? Kann man auf einem Hirsch über Waldwege preschen? Müller wird erfahren, dass das Leben des Karl Stülpner kein leichtes war. Dutzende von Kilometern musste dieser oft laufen, das frisch geschossene Reh auf dem Buckel. Unser Protagonist begibt sich auf eine schweißtreibende Jagd nach historischen Fakten. Zur Seite steht ihm der Stülpner-Forscher Prof. Unger, der ihm so einige Mythen austreibt. Legende und Wirklichkeit passen eben nicht immer unter einen Hut.
Dickicht aus Mythen und Legenden
Wahr ist, dass Stülpner kein Mann von Traurigkeit war. Mit insgesamt drei Frauen setzte er im Laufe seines Lebens Nachwuchs in die Welt. Das bedeutet viel Arbeit für die Genealogin Frau Wermes, die dem Suchenden wie immer unter die Arme greift.
Denn schließlich könnte Frank Müller aus jeder dieser Verbindungen abstammen. Daraus ergeben sich viele Wege, die der Suchende beschreiten muss. Stück für Stück wird sich für den Erzgebirgler ein Teil der tatsächlichen Geschichte Karl Stülpners und seiner eigenen Familie entfalten.
Karl Stülpner
Der Wildschütz aus dem Erzgebirge hieß eigentlich Carl Heinrich Stilpner und wurde 1762 in Scharfenstein geboren. Als "sächsischem Robin Hood" werden ihm Schmuggel und Räuberei nachgesagt, wobei er stets im Dienste der Armen gehandelt haben soll. 1835 verkauft er seine Lebensgeschichte an einen Verleger, nicht ohne sie entprechend auzuschmücken. Kurz vor seinem 79. Geburtstag stirbt er krank und verarmt in seinem Heimatort.



