Entstehungsgeschichte : Die Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe"
Am 3. September 1847 las Gottfried Keller in der Züricher Freitagszeitung folgende Meldung:
Inspiriert von dieser Nachricht, ergänzte Keller die spärlichen Informationen aus dem Zeitungsbericht in seiner Phantasie. Er verlegte die Handlung in das bäuerliche Milieu seiner Schweizer Heimat. Für ihn war die Novelle keine "müßige Nachahmung" von Shakespeares "Romeo und Julia", weil sie nämlich auf einem wahren Vorfall beruhte. Keller kritisierte in der Erzählung die bürgerliche Moral seiner Zeit. Und so verstanden die konservativen Bürger seiner Heimat "Romeo und Julia auf dem Dorfe" als Angriff auf ihre Lebensweise. Nicht zuletzt weil ein junges Paar in Zürich nach Erscheinen des Werkes Selbstmord beging, wurde Keller kritisiert. Auch in Dänemark, wo 1875 eine Übersetzung der Novelle erschien, entrüstete man sich über den Autor, seine Erzählung und den Übersetzer.
Rezeption der Novelle
Oft wurde der Stoff der Novelle aufgegriffen. 1900/01 verfasste der englische Komponist Frederick Delius die Oper "A Village Romeo and Juliet". Mehrmals wurde der Stoff verfilmt. 1940 erstmals in Frankreich, kam ein Jahr später die erste deutschsprachige Verfilmung in die Kinos. 2003 erschien in Koproduktion des MDR mit dem ORF der Fernsehfilm "Ich gehöre dir" (auch unter dem Titel "In Liebe vereint"). Kellers Novelle "Romeo und Julia auf dem Dorfe" wurde 2002 von Marcel Reich-Ranicki in seinen Kanon deutscher Literatur aufgenommen.
