Andrea H. recherchiert die Umstände, unter denen ihre Großmutter mit nur 26 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen ums Leben kam.
Andrea H. recherchiert die Umstände, unter denen ihre Großmutter mit nur 26 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen ums Leben kam. Bildrechte: Jürgen Rehberg / Avanga Filmproduktion

Die Spur der Ahnen | 22.02.2017 Oma und die Nazi-Ärzte

Andrea H. will den Tod ihrer Großmutter Irene Wulf aufklären. Sie starb 1938 mit gerade mal 26 Jahren in einer berüchtigten Leipziger Pflegeanstalt. Andreas einzige Spuren: Die Erinnerungen ihres Vaters und die Patientenakte ihrer Oma.

Andrea H. recherchiert die Umstände, unter denen ihre Großmutter mit nur 26 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen ums Leben kam.
Andrea H. recherchiert die Umstände, unter denen ihre Großmutter mit nur 26 Jahren in der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen ums Leben kam. Bildrechte: Jürgen Rehberg / Avanga Filmproduktion

Manfred ist sechs Jahre alt, als seine Mutter Irene Wulf 1939 von zwei Männern in langen schwarzen Mänteln abgeholt wird. Sie kommt nie wieder zurück. An jenem Tag verliert Manfred nicht nur seine Mutter, sondern auch seine Kindheit. Wenige Wochen danach stirbt die erst 26-Jährige unter mysteriösen Umständen in der berüchtigten Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen. Die Diagnose: geisteskrank. Der Sohn wird in ein Krankenhaus eingeliefert und kommt später in ein Heim für schwer erziehbare Kinder.

Enkelin will Schicksal klären

Andreas Großmutter Irene mit Sohn Manfred bei dessen Geburt im August 1932.
Andreas Großmutter Irene mit Sohn Manfred bei dessen Geburt im August 1932. Bildrechte: Jürgen Rehberg/Avanga Filmproduktion

Heute, über 75 Jahre später, möchte Manfreds Tochter Andrea das Schicksal ihrer Großmutter aufklären. Außer den Erinnerungen ihres Vaters hat sie aber kaum andere Hinweise, um das schreckliche Geheimnis zu lüften: Es gibt noch Irenes Patientenakte – doch die gibt mehr Rätsel auf, als dass sie offene Fragen zur Großmutter beantwortet. Dennoch zeigt sich Andrea überzeugt: "Ich bin mir sicher, dass sie nicht verrückt war."

Seit sie als Kind Fotos ihrer Großmutter gesehen hat, hat sie deren Geschichte nie losgelassen. Wurde die Großmutter verhaftet, weil sie eine Gegnerin der Nationalsozialisten war? Galt ihr Leben den Nazi-Ärzten als "unwert"? Und warum kam der kleine Manfred in dieses seltsame Krankenhaus mit den vergitterten Fenstern?

Eines der größten NS-Verbrechen

Immer mehr beschleicht Andrea während ihrer Spurensuche ein Verdacht: Sollte auch ihr Vater Opfer eines der größten Verbrechen der Nationalsozialisten geworden sein - eines Verbrechens, dessen Ursprünge in Leipzig liegen?

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2017, 00:52 Uhr