Die Spur der Ahnen | 11.01.2012 | Mit Trailer und Bildergalerie : August der Starke und sein Hofnarr
Ein Film von Julia Cruschwitz und Arne Schwerin
"Semper fröhlich, nunquam traurig!" war das Lebensmotto von Joseph Fröhlich, der zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Epoche August des Starken gehörte. Dagmar Riesen und ihre Tochter Daniela sind überzeugt, mit dem Narren verwandt zu sein, und begeben sich auf Spurensuche.
Viele deutsche Fürsten nahmen sich in den Zeiten des Absolutismus das Frankreich des Sonnenkönigs Louis XIV. zum Vorbild. Aber nur wenigen gelang es so gut wie Friedrich August I. von Sachsen, August dem Starken, dem Vorbild gerecht zu werden. Um das ehrgeizige Programm eines absoluten Herrschers umzusetzen, bemühte er sich, den eigenen Rang zu erhöhen. Er ging dabei so weit, dass er seine Religion wechselte und das protestantische Sachsen als Kernland der Reformation plötzlich einen katholischen Herrscher hatte. So wurde aus Friedrich August I., Kurfürst von Sachsen, der polnische König August II. Er versprach sich von diesem Schritt eine gewaltige Erhöhung seines Prestiges, aber auch wirtschaftliche Vorteile für sein gewerblich geprägtes Kurfürstentum. Man kann sagen, dass ihm vieles davon glückte, seine Regierungszeit war für Sachsen eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs.
Sachsens Sonnenkönig
Besonderes aber hat der König auf dem zweiten Tätigkeitsfeld des absoluten Herrschers, der Entfaltung höfischer Pracht, in Sachsen geleistet. Der Prunk des sächsischen Hofes dieser Zeit ist Legende: Dresden wird zur barocken Residenzstadt, zahlreiche Schlossanlagen werden gebaut oder erweitert. Auch hier dreht sich alles um den König. Durch seine alles überragende Stellung im Staat umgab sich der Monarch nur mit einem bestimmten Kreis von Personen, die für ihn in politischer oder in höfisch-zeremonieller Hinsicht von Bedeutung waren. Zu diesem Kreis hatte man nicht ohne Weiteres Zutritt. Einfache Leute konnten sich noch nicht einmal brieflich an ihren Monarchen wenden, die Standesunterschiede waren zu groß.
Sein Hofnarr Joseph Fröhlich stammte hingegen aus einfachsten Verhältnissen in der Steiermark in Österreich. Er lernte dort den Beruf des Müllers und erwarb auf seiner Gesellenreise noch verschiedene andere Fähigkeiten, die für ihn später von Bedeutung werden sollten. Unter anderem wurde er ein begabter Taschenspieler, so begabt, dass er am Hof in Bayreuth eine Anstellung fand. Seine Fähigkeiten als Unterhalter sprachen sich herum und so wurde Fröhlich eines Tages nach Pretzsch zur Schwester des Bayreuther Fürsten gesandt, um diese aufzuheitern. Sie war die Gattin August des Starken und lebte dort sehr zurückgezogen. Fröhlich gelang das Unmögliche und die Kunde seines Erfolgs verbreitete sich bis nach Dresden. Als er dort ankommt, ist seine erste Frau gerade im Kindbett gestorben und auch der kleine Junge, den sie gebar, stirbt bald darauf. Joseph heiratet erneut und wird als Königlicher Hoftaschenspieler angestellt.
Possenreißer mit Weitblick
Ein Hofnarr ist in dieser Zeit mehr als nur ein Possenreißer, heute würde man ihn zwischen Zauberkünstler und Entertainer ansiedeln. Fröhlich hatte als einer der Wenigen direkten Zugang zum Herrscher, das beweist seine Korrespondenz mit dem König, die nicht über Mittelsmänner abgewickelt wird. Dieser war ihm wohl gesonnen und verlieh seinem Taschenspieler den Titel "Graf Saumagen" wegen seines großen Appetits. Der König schätzt seinen Hofnarren so sehr, dass er sich auf vielen Abbildungen findet und auch als Porzellanfigur modelliert wird.
Fröhlich ist sich jedoch der Vergänglichkeit seines Ansehens am sächsischen Hof sehr wohl bewusst und erweist sich nicht nur als guter Unterhalter, sondern auch als guter Geschäftsmann. Er ist finanziell in der Lage, in seiner österreichischen Heimat eine Mühle zu erwerben und wird später unter Augusts Sohn zum Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Mühlencommissarius ernannt. Außerdem bekommen er und sein ältester Sohn Jacob die Mühle Marienmont bei Warschau auf Lebenszeit verliehen. Dort stirbt Joseph Fröhlich schließlich im Jahre 1757 auf der Flucht vor preußischen Truppen, die Dresden im Siebenjährigen Krieg besetzten.
Die Größe seines Erbes sorgt für eine 150-seitige Akte und zehnjährige Auseinandersetzungen zwischen den Erben. Für seinen Platz im kollektiven Gedächtnis sorgen dagegen unzählige Anekdoten und sein Wohnhaus, das später als "Narrenhäusl" ein beliebtes Ausflugslokal wird und wo heute sein Denkmal steht.
Dagmar Riesen hört zum ersten Mal als Kind von der berühmten Verwandtschaft. Sie ist in den 50er-Jahren häufig zu Besuch bei ihrer Großmutter im sächsischen Hainichen. Immer dann, wenn sie Unsinn anstellte, sagte man ihr, das seien ihre Gene. Schließlich sei die Familie mit dem berühmten Hofnarren August des Starken verwandt. Dieser hieß Fröhlich wie die Großmutter mit Mädchennamen. Dagmar und ihre Tochter Daniela haben seit Langem versucht, Licht in das Dunkel zu bringen: Stimmt die Legende? Um das herauszufinden gehen sie in Sachsen auf die Spur ihrer Ahnen.



