Die Spur der Ahnen

Die Spur der Ahnen | MDR FERNSEHEN | 25.01.2012 | 21:15 Uhr : Wie mein Uropa das KZ überlebte

Ein Film von Olaf S. Müller

Am 27. Januar wird in Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Aus diesem Anlass begeben wir uns in dieser Sendung auf eine ganz besondere "Spur der Ahnen". Sie führt uns zurück in die Zeit des Ersten Weltkrieges, auf die Theaterbühnen der 20er- und 30er-Jahre - und schließlich ins Konzentrationslager Theresienstadt ...

Schauspieler Julius Arnfeld als Reinhold

Gabriele Blechschmidt weiß, dass ihr Ur-Großvater Julius Arnfeld eine schillernde Persönlichkeit gewesen sein muss: Ein Schauspieler, der bis in die 30er-Jahre auf der Bühne bejubelt wurde und zu den Pionieren des Kinos gehörte.

Julius Arnfeld - Künstler, Fotograf und Patriot

Julius Arnfeld (M.) als Soldat im Ersten Weltkrieg
Julius Arnfeld (M.) als Soldat im Ersten Weltkrieg

Obwohl ihn heute kaum noch jemand kennt, war Julius Arnfeld ein berühmter Künstler und Regisseur seiner Zeit, der sogar dem jungen Heinz Rühmann beim Karrierestart behilflich war. Ein Charmeur, dem die Frauenherzen zuflogen. Auch ein Mann, der sich als Patriot verstand und sich im Ersten Weltkrieg freiwillig an die Front meldete, mit dem Eisernen Kreuz wurde er dekoriert ...

Mit der Machtergreifung der Nazis wurden auch für den Juden Julius Arnfeld die Arbeitsbedingungen immer schwieriger. Zunächst entging er auf abenteuerliche Weise dem Zugriff der Gestapo. Er reiste als Fotograf auf Kraft-durch-Freude-Schiffen um die Welt. Doch 1942 wurde Arnfeld von den Nazis ins KZ Theresienstadt gebracht.

Galerie: "Aus der Menschenschlächterei entkommen"?

Im Theater Altenburg begann die Schauspielkarriere von Julius Arnfeld. Gabriele Blechschmidt mit ihrem Sohn  Julius Arnfeld als Schauspieler

Um die letzten Geheimnisse im Leben von Julius Arnfeld aufzuklären, geht Gabriele Blechschmidt auf eine bewegende Reise. [Bilder]


Als "Faust von Theresienstadt"

Reenactment auf der Bühne im KZ Theresienstadt
MDR FERNSEHEN

Wie Faust: Vom Himmel durch die Welt zur Hölle

19.01.2012, 10:35 Uhr | 02:46 min

Dort kämpfte er verzweifelt ums Überleben. Der erfahrene Schauspieler empfahl sich für die Theatergruppe des Konzentrationslagers und unter den schrecklichen Umständen des Lagers brachte das Ensemble die großen Dramen der Theaterliteratur auf die Bühne.

Bald nannte man Julius Arnfeld den "Faust von Theresienstadt". Im letzten Moment rettete ihn die Befreiung durch die Rote Armee vor der weiteren Deportation und dem sicheren Tod in den Gaskammern der Nazis. In London verlor sich nach dem Kriegsende seine Spur ...

Gabriele und David mit Marek Holakovsky in der KZ-Gedenkstätte Theresienstadt
Gabriele mit ihrem Sohn David und Marek Holakovsky in der KZ-Gedenkstätte Theresienstadt

Um die letzten Geheimnisse im Leben von Julius Arnfeld aufzuklären, geht Gabriele Blechschmidt auf eine bewegende Reise. Sie rekapituiert die Lebens- und Leidensstationen ihres Urgroßvaters. Sie macht sich auf die schwierige Suche nach weiteren Nachkommen von ihm.

Dabei bleibt es Gabriele Blechschmidt nicht erspart, auch die Schattenseiten von Julius Arnfeld kennenzulernen. Denn auch vor fast 100 Jahren hatten die Prominenten und Künstler mit dem Rausch des Ruhmes zu kämpfen.

Zuletzt aktualisiert: 30. Januar 2012, 09:49 Uhr

Stichwort: Theresienstadt

Das Ghetto Theresienstadt wurde von den Nationalsozialisten im November 1941 in der ehemaligen Garnisonsstadt von Theresienstadt / Terezín im Nordwesten Tschechiens eingerichtet. Es war Teil des KZ-Systems. Die Nazis verbrachten ab Ende 1941 insgesamt 140.000 Juden - Männer, Frauen und Kinder - dorthin, vorwiegend aus dem "Protektorat Böhmen und Mähren", aber auch aus anderen Ländern Mittel- und Westeuropas. Theresienstadt war ab Oktober 1942 für die meisten nur eine Durchgangsstation auf dem Weg ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Etwa 30.000-40.000 Juden lebten ständig in dem völlig überfüllten Ghetto. Trotz der grauenvollen Bedingungen gab es ein außergewöhnliches Kulturleben mit Oper, Theatertruppe und Orchestern, in Propagandafilmen täuschten die Nazis so die Weltöffentlichkeit über die wahren Zustände in der "jüdischen Mustersiedlung". Mehr als 35.000 Menschen kamen dort um.

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