Die Spur der Ahnen - Mehr zur MDR-Reihe

21.06.2017 | jetzt in der Mediathek:

Die Spur der Ahnen: Mein Vater der Vertragsarbeiter "Die Reise meines Lebens"

Ngoc ist einer von 60.000 Vietnamesen in der DDR. Als er das Land nach fünf Jahren verlassen muss, lässt er seine Liebe und den kleinen Sohn Robert zurück: 25 Jahre ist das her. Doch Robert will seinen Vater finden.

Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Es war Liebe auf den ersten Blick!" Allein 60.000 Vietnamesen kommen bis zur Wende als Vertragsarbeiter in die DDR. Einer von ihnen ist Ngoc. Ihn verschlägt es nach Sondershausen. Er soll in der Forstwirtschaft arbeiten. Persönliche Kontakte über die Arbeit hinaus sind eher nicht vorgesehen. Doch im Frühling 1987 lernt der damals 28-Jährige Kristine in einer Diskothek kennen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sie sich. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Liebesbeziehungen sind nicht vorgesehen, auch Kinder nicht. Kinder, die einsam ohne Vater aufwachsen werden so wie Robert, der Sohn von Kristine und Ngoc. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Die Spurensuche in Deutschland kommt an ihr Ende. Wenn Robert seinen Vater finden will, muss er nach Vietnam. Auch wenn er nichts hat als eine 25 Jahre alte Adressse und ein ebenso altes Foto seines Vaters. Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
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... und von den Eltern Ngocs begrüßt. Bildrechte: MDR/ Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Es war Liebe auf den ersten Blick!" Allein 60.000 Vietnamesen kommen bis zur Wende als Vertragsarbeiter in die DDR. Einer von ihnen ist Ngoc. Ihn verschlägt es nach Sondershausen. Er soll in der Forstwirtschaft arbeiten. Persönliche Kontakte über die Arbeit hinaus sind eher nicht vorgesehen. Doch im Frühling 1987 lernt der damals 28-Jährige Kristine in einer Diskothek kennen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sie sich. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater der Vertragsarbeiter
Nur ein 25 Jahre altes Foto seines Vaters und einen Zettel mit einer Adresse in Vietnam hält Robert heute in den Händen. "Ich habe meine Freunde gesehen, die in einer intakten Familie aufgewachsen sind. Ich habe mich immer danach gesehnt, meinen Vater kennenzulernen", sagt er. Aus dem kleinen Jungen ist inzwischen ein 25 Jahre alter junger Mann geworden. Er bittet seine Mutter, ihm von seinem Vater zu erzählen und mit ihm auf Spurensuche zu gehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Erinnerungen Rückblende: Kristine erinnert sich an die erste unbeschwerte Zeit damals in den 1980ern. Sie und Ngoc verbringen viel Zeit auf dem Rummel, gehen tanzen. An Ngoc gefällt ihr seine freundliche zuvorkommende Art. Ihnen geht es gut. Dann stellt Kristine fest, sie ist schwanger. Geplant war das Kind nicht, doch Ngoc verhält sich vorbildlich: "Erst hat er ein bisschen erschrocken geguckt, aber dann hat er sich immer um mich gekümmert, egal wie schlecht es mir ging. Er war sehr ruhig und sensibel, immer sehr aufmerksam", erinnert sich Kristine. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
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Das ehemalige Heim von Ngoc Mit ihrem Sohn macht sich Kristine auf zu den Orten, an denen sich ihre Vergangenheit festmachen lässt. Sie besuchen das Wohnheim, in dem Ngoc als einer von rund 50 vietnamesischen Vertragsarbeitern untergebracht gewesen ist. Es liegt mitten im Wald bei Sondershausen. Ngoc ist damals froh, eine Ausbildung zu bekommen, der Armut in seinem Heimatland zu entfliehen. In der DDR bekommen die Vertragsarbeiter denselben Lohn wie ihre Kollegen, sie sind krankenversichert, können ab und an in ihre Heimat reisen. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Robert und Kristine sind auf der Suche nach dem Zimmer, in dem Ngoc damals wohnte: "Ich bin so aufgeregt, die ganzen Erinnerungen sind wieder da, obwohl das schon so lange her ist. Ich zittere am ganzen Körper." Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Fünf Quadratmeter Mindeswohnfläche" stehen jedem Vertragsarbeiter damals zu. "Das war kein Luxus", meint Robert, als Kristine ihm Ngocs Zimmer zeigt, in dem einst sechs Leute untergebracht waren. "Ein großer Tisch stand in der Mitte des Raumes", erinnert sich Kristine. "Daran saßen nach Feierabend bestimmt acht Leute, die nähten und sich so etwas dazu verdienten." Sie nutzten eine Versorgungslücke und produzierten Jeans, in der DDR eine begehrte Mangelware. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Das Glück währt nicht lange Kristine erzählt ihrem Sohn, wie sich Ngoc auf ihn freute. Er zieht zu seiner schwangeren Freundin. Doch das Glück währt nicht lange. Kristine erzählt Robert, wie sie damals immer wieder angefeindet wird, als Fidschi-Hure. Was sie denn mit so einem "Reisfresser" wolle, wird sie gefragt. Der Druck wird zu groß. Sie trennt sich: "Ich war einfach zu schwach damals", wirft sie sich heute selber vor. Dennoch halten Kristine und Ngoc auch nach der Trennung Kontakt: "Als er Dich das erste Mal auf dem Arm hatte, konnte ich sehen, wie stolz er war." Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Der Abschied Doch nach fünf Jahren in der DDR läuft der Arbeitsvertrag aus, Ngoc muss zurückkehren: "Am letzten Tag kam er, um sich zu verabschieden. Er hat dich auf den Arm genommen und Du hast sofort angefangen zu weinen, als ob du es geahnt hättest", erinnert sich Kristine. Ngoc kehrt nach Vietnam zurück und Kristine hört nie wieder etwas von ihm. Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Ein ganz feiner Mensch" Ihre Spurensuche führt Kristine und Robert zunächst ins Forstamt, wo ehemalige Vorgesetzte von Ngoc noch heute arbeiten. Bernd Krause erinnert sich: "Er war in Brigade 4. Ein ganz feiner Mensch. Er war immer freundlich, kannte sich sofort mit Technik aus." Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Ein Hinweis? Im Forstamt bekommen Kristine und Robert den Hinweis, dass ein bekannter Ngocs noch heute ein Bistro in Sondershausen führe. So treffen sie Trank (Bild) und sind verwirrt ... Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
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... denn sie erfahren, dass Ngoc nach seinem Aufenthalt in der DDR nicht für immer nach Vietnam zurückgekehrt, sondern später nach Russland gegangen sei. Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Das Abenteuer beginnt ... Für Robert beginnt das Abenteuer seines Lebens. Gemeinsam mit seiner Freundin Vanessa bricht er ins Land seines Vaters auf: "Ich kenne das Land nicht, ich kenne die Sprache nicht, ich kenne die Kultur nicht. Ich kenne gar nichts!" Bildrechte: MDR/ Spur der Ahnen
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Nach 14 Stunden Flug kommen Robert und Vanessa an in Hanoi. Sie bleiben ein paar Tage in der Metropole des Landes. Bildrechte: MDR/ Spur der Ahnen
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14.06.2017

Auf einen Blick: Sowjetische Speziallager und ihre Hintergründe

Schematische Karte der ehemaligen Internierungslager der sowjetischen Besatzungsmacht auf dem Territorium der DDR, aufgenommen am 30.03.1990.
DDR-Karte der ehemaligen Internierungslager der sowjetischen Besatzungsmacht in der DDR. Bildrechte: dpa
Schematische Karte der ehemaligen Internierungslager der sowjetischen Besatzungsmacht auf dem Territorium der DDR, aufgenommen am 30.03.1990.
DDR-Karte der ehemaligen Internierungslager der sowjetischen Besatzungsmacht in der DDR. Bildrechte: dpa
Speziallager Fünfeichen
Die Nazis hatten das ehemalige Gut Fünfeichen in Neubrandenburg zu einer Kasernenanlage umgebaut und erweiterten es ab 1939 als Kriegsgefangenenlager. Von April 1945 - bis Oktober 1948 diente es dem sowjetischen Geheimdienst NKWD als Speziallager. Etwa 15.400 Menschen - darunter 20 Prozent Jugendliche - werden interniert, bis zur Auflösung 1949 starben mehr als 4900 Inhaftierte. Anders als in den übrigen Lagern arbeiteten die Gefangenen in der Landwirtschaft. Seit April 1993 erinnert eine Mahn- und Gedenkstätte auch an die Opfer der sowjetischen Speziallagers. Bildrechte: dpa
Die Gedenkkapelle auf dem Gräberfeld am Karnickelberg in Bautzen (Sachsen), aufgenommen am 19.11.2013.
Die sowjetische Besatzungsmacht nutzt das Gefängnis Bautzen von Mai 1945 - Februar 1950 als Speziallager. Von den insgesamt über 27.000 Insassen starben mindestens 3.000 durch Hunger und Krankheit. Die meisten von ihnen wurden auf dem benachbarten "Karnickelberg" verscharrt. Nachdem die sowjetische Besatzungsmacht 1950 das Lager auflöste und an die Behörden der DDR weitergab, wechselte für die mehr als 6.000 Eingesperrten nur der Bewacher. 330 wurden später ins Zuchthaus Waldheim überführt und mit mehr als 3000 anderen Häftlingen aus anderen Speziallgern in den Waldheimer Prozessen der DDR abgeurteilt. Bildrechte: dpa
Eine Gedenkstätte für die Stalin-Opfer, die als Internierte nach 1945 im Speziallager des ehemaligen KZ Sachsenhausen umgekommen sind, im Wald bei Schmachtenhagen.
Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Der sowjetische Geheimdienst NKWD nutzte das ehemalige Konzentrationslagers als "Speziallager Nr. 7", bzw als 1948 als Lager Nr. 1. Bis zur Auflösung im März 1950 waren im Speziallager Sachsenhausen mehr als 60.000 Personen inhaftiert. Mindestens 12.000 starben in der Zeit an Krankheiten, Hunger, Hunger, psychische und physische Entkräftung. Bildrechte: dpa
Holzkreuze stehen auf dem Areal des ehemaligen sowjetischen Speziallagers Nr. 2 in Buchenwald
Nach offiziellen sowjetischen Angaben waren im Speziallager Buchenwald 28.455 Menschen zwischen 1945 und Februar 1950 eingesperrt, darunter auch etwa 1.000 Frauen. Welcher Schuld der einzelne trug, wurde nicht gesondert festgestellt. Die DDR errichtete bei den Massengräbern des KZ am Südhang des Ettersberges 1958 ein weithin sichtbares KZ-Denkmal. Die Geschichte des sowjetischen Speziallagers wurde nicht erwähnt. Bildrechte: dpa
Torgau (Sachsen): Auf einer Tafel in der Justizvollzugsanstalt Torgau steht <Zur Erinnerung an die Opfer der Gewaltherrschaft im Fort - Zinna>.
Errichtet auf dem Gelände und den Baracken des ehemaligen NS-Konzentrationslagers Lieberose, einem Außenlager des KZ Sachsenhausen, nördlich von Cottbus. Es bestand bis April 1947 und hatte etwa 3400 Insassen. Bildrechte: dpa
Gedenkstätte Speziallager Mühlberg
6.766 Namen stehen auf 32 Bronzeplatten. Sie erinnern an die Toten des sowjetischen Speziallagers Nr. 1 bei Mühlberg, einem kleinen Städtchen an der Elbe 80 Kilometer nordwestlich von Dresden. Von 1945 bis 1948 waren dort etwa 21.800 Personen inhaftiert.
Das ehemalige Kriegsgefangenenlager der Nazis von hatten im Krieg etwa 300.000 Kriegsgefangene durchlaufen.
Bildrechte: dpa
Eine trauernde Frau bringt ein Blumengebinde zur neuen Gedenkstätte für die Opfer des NKWD, des sowjetischen Geheimdienstes vor Gründung des KGB, in Berlin-Hohenschönhausen.
Das sowjetische Speziallager Nr.3 war das einzige Lager seiner Art in Berlin. Zwischen Mai 1945 und Oktober 1946 waren dort schätzungsweise 20.000 Häftlinge inhaftiert, etwa 1000 starben in der Zeit im Lager. Bildrechte: dpa
Gedenkstein für die Opfer der Kriegsgefangenenlager in Ketschendorf.
Etwa 10.000 Zivilisten, Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche sind im Speziallager Ketschendorf eingesperrt und 4.620 sterben dort an Hunger und Krankheiten. Sie werden hinter dem Lager in Massengräbern verscharrt. Erst 1952, als dort ein neues Wohngebiet erschlossen werden soll, werden die Toten entdeckt und klammheimlich in einen nahegelegenen Kriegstotenfriedhof umgebettet. Ironie der Geschichte: An den ursprünglichen Besitzer des Geländes, der Berliner Industrielle Siegfried Hirschmann, der wegen seines jüdischen Glaubens seinen Besitz auch in Ketschendorf aufgeben musste, erinnert auf dem Gelände heute nichts mehr. Bildrechte: imago stock&people
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