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Christian Bartels Kann man Reichweite essen?

Hoffnung und keine in türkischen Gefängnissen. Eine kleine Reise durch den deutschen Medien-Wahlkampf: politikinteressierte Youtuber, Martin Schulz' Einschaltquoten bei RTL (im Vergleich mit "Promi Big Brother"), keine "Kalauer mit C. Lauer". Wo Europas größter Medienkonzern Presseinhalte an Mobilfunkkunden verschenkt. Außerdem: Herzlichen Glückwunsch, mädchenhafte Medienzarin!

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Eines der seit einem halben Jahr wichtigsten deutschen Medien-Themen erlaubt kaum noch Variation. Was aber gleichgültig ist, schließlich ist einer deutlich dreistelligen Zahl von Journalisten in einem NATO-Mitglieds- und EU-Beitrittskandidats-Staat enorm vieles nicht erlaubt. U.a.: sich frei zu bewegen.

Über Deniz Yücel, der nicht mehr seit 150 Tagen (das welt.de-Angebot "Schreiben Sie einen Brief an Deniz, wir übersetzen" gilt aber weiterhin), sondern seit über einem halben Jahr hinter türkischen Gittern sitzt, berichtete nun multimedial und im ARD-Verbund breit gestreut der Hessische Rundfunk. Seine Frau Dilek Mayatürk-Yücel empfiehlt, Briefe doch lieber "von Google Translator" ins Türkische übersetzen zu lassen, denn "Das hört sich dann oft lustig an" und bringe ihren Mann zum Lachen. Auf Deutsch zum Lachen bringen geht eher nicht, weil "es scheint, als hätten Mitteilungen auf Türkisch bessere Chancen, ihren Adressaten zu erreichen" (welt.de noch mal).

Ein Brief, den die noch nicht so lange eingekerkerte Mesale Tolu an den Solidaritätskreis "Freiheit für Mesale Tolu" am 3. August abschickte, hat den Empfänger "erst jetzt erreicht", berichtet die Südwestpresse aus Tolus Heimat Neu-Ulm. In dieser Sache gebe es eine Entwicklung zum Schlechten (es wurde "die Besuchszeit ... von einer Stunde zunächst auf 45 und jetzt auf nur noch 30 Minuten eingeschränkt"), aber auch Hoffnung: darauf, "dass Tolu nach ihrer für den 22. August angekündigten Haftprüfung vorläufig freigelassen wird."

Dass die größte Geste, die Gefangenen in der Türkei zur Verfügung steht – sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu wenden – bloß eine Geste ist, berichtet heise.de Telepolis:

Rund 17.000 Anträge gegen ihre Inhaftierung oder Entlassung haben türkische Bürger bereits beim EGMR gestellt. Bislang völlig erfolglos. Die Richter in Straßburg meinen, die Betroffenen müssten zuerst innerhalb der Türkei durch alle Instanzen gehen. Dass die meisten Verhaftungen und Entlassungen rechtlich substanzlos sind, zugleich aber keine freie und unabhängige Justiz mehr existiert, die dem Rechnung tragen könnte, wird einfach ignoriert. Der EGMR verwies auch darauf, dass in der Türkei im Januar eine Kommission eingesetzt wurde, an die Entlassene sich zur Überprüfung sollen wenden können.

Diese Kommission arbeitet aber noch gar nicht. Am Ende geht's auch um Yücel, der seine EGMR-Beschwerde bereits im Februar eingelegt hat (sein Verlag, Springer, folgte vor zehn Tagen):

Die Bundesregierung und Justizminister Maas hatten in der Angelegenheit ihre Unterstützung zugesagt. Geschehen ist aber bislang nichts.


Reise durch den deutschen Medien-Wahlkampf

Ob das Thema im deutschen Wahlkampf eine Rolle spielen wird? Jedenfalls geht er nun los.

SPD-Kandidat Martin Schulz absolvierte am Sonntag sowohl das ZDF-"Sommerinterview" als auch die RTL-Show "An einem Tisch mit ...", für die er mit "ausgesuchten Wählern" (so die Produktionsfirma Spiegel TV) konfroniert wurde. Beide Auftritte in einem beschreibt der Tagesspiegel. Die einzige Kritik der neuen RTL-Politsendung schrieb Hannah Beitzer für sueddeutsche.de:

Und so erlebt der Zuschauer Schulz bei RTL hochkonzentriert. Mehrere Wähler berichten ihm dort von ihren Problemen, die Themen reichen von innerer Sicherheit über Integration bis hin zu sozialer Gerechtigkeit - und Schulz bemüht sich sehr, mit jedem von ihnen so zu sprechen, als wäre es der liebgewonnene Nachbar, der hier von seinen Problemen erzählt.

Ein Beispiel:

Ebenso viel Nähe versucht er zur nächsten Gesprächspartnerin aufzubauen: Dagmar Willms, 73 Jahre, aus Leipzig, die in einer sogenannten 'No-go-Area' lebt. Die RTL-Redaktion blendet Filmaufnahmen aus der Straße der älteren Dame ein, die Schießereien zeigen, verwackelte Bilder von Polizeieinsätzen. 'Die Straße heißt inzwischen arabische Meile', sagt Willms. Es werde offen gedealt, der Respekt vor der Polizei fehle. 'Würden Sie dort leben wollen?', fragt sie Schulz. Der antwortet: 'Ich war viele Jahre Bürgermeister einer kleinen Stadt. Ich weiß, wie das ist, wenn ganze Stadtviertel verkommen.' ...

Wissen das alle Bürgermeister kleinerer Städte? (Wobei Leipzig ja eine eher größere Stadt ist..) Jedenfalls habe Schulz mit seiner Formulierung "Die müssen mal richtig eins auf die Mappe kriegen" einen "Punktsieg ... in Sachen prägnante Formulierung" gelandet, findet die Rezensentin. Es ist doch eher Schulz- als Sendungs-Rezension.

Michael Hanfeld hält sich auf seiner FAZ-Medienseite mit keiner Besprechung der Spiegel-TV-Show auf, sondern vergleicht rasch die Quoten:

"... und es nahmen nur 1,1 Millionen Zuschauer vor dem Bildschirm Platz, etwa auf demselben Niveau rangierte die 'Promi Shopping Queen' bei Vox mit 1,13 Millionen Zusehern. Während Schulzens Townhall-Meeting lief, kam die Zusammenfassung von 'Promi Big Brother' bei Sat.1 auf ein Publikum von 1,36 Millionen", um dann lieber zu betonen, dass er selber gut und gern (oder heißt das: gerne und gut?) hier lebt, und Kritikern des langweiligen deutschen Wahlkampfs noch einen mitzugeben;

Wobei man in der journalistischen Klage über die vermeintliche 'Windstille' auch ein Lamento darüber erkennen könnte, dass die Bürger medialer Windkanäle überdrüssig sind.

Wobei der wohl schärftste Kritiker "deutschen Dösens" im Wahlkampf Claudius Seidl von der FAS ist und es sich um ein Binnen-Debättchen unter FAZ-Feuilletonisten handelt.

Meanwhile die Bundeskanzlerin: Gestern gastierte sie, nur zum Beispiel, "auf einer Veranstaltung des Deutschlandfunks und des Fernsehsenders Phoenix" (Tagesspiegel). Und wer wäre nicht gespannt, was "Ischtar Isik, AlexiBexi, MrWissen2go, ItsColeslaw" sie morgen fragen werden. Knapp harte Fakten zum Merkel-Interview auf Youtube, das "von einem Portal der ProSiebenSat.1-Gruppe" veranstaltet wird, bringt heise.de. Stimmung macht SPON, wo Markus Böhms Überblick über das Youtuber-Biotop politikinteressierte Leser zunächst sehr traurig stimmt:

"Denn YouTube-Deutschland ist, was die erste Liga der Stars geht, vor allem eins: unpolitisch. Manche Stars baden in Nutella, Chicken Wings oder Glitzerschleim, andere lassen für mitgefilmte Straßenstreiche, sogenannte Pranks, einen Kunsthoden aus ihrer Sporthose hängen" (im Original mit vier Links zu entsprechenden Youtube-Videos)", um die Leser-Stimmungskurve anschließend wieder etwas heben zu können:

So sind es auch dieses Jahr vor allem die üblichen Verdächtigen unter den Webstars, die zur Bundestagswahl in ihren Kanälen politisches Programm bringen: Leute wie Tilo Jung, der weiter Spitzenpolitiker interviewt. MrTrashpack, der mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung über Fake News aufklärt. MrWissen2Go ... , der gemeinsam mit dem Kanal Simplicissimus die Parteien vorstellt. Rayk Anders fragt derweil für das öffentlich-rechtliche Jugendangebot Funk, wie sehr Merkel eigentlich Deutschland liebt.

Falls Sie das sehen wollen: hier (fünf Minuten). Bei SPON gibt's mehr Links.

Ebenfalls das öffentlich-rechtliche Dings funk.net und Studio71, das Dings ("Multi-Channel-Netzwerk für Webvideocontent"), das das Kanzlerininterview stemmt und mit dem der Privatfernsehkonzern ProSiebenSat.1 versucht, auch auf Youtube etwas Geld zu verdienen, planten oder planen überdies gemeinsam das Projekt "WahlWG'17", eine "Live-Show" am Wahlabend selbst. Darüber hat Christopher Lauer in seinem Namensblog einen "Erlebnisbericht" verfasst. Was immer man vom umtriebigen Ex-Piraten und Ex-Springer-Mann ("Leiter strategische Innovation") hält, der aktuell ja als Politiker für Martin Schulz' Partei unterwegs ist, lesenswert ist er:

... Dieses Konzept, eine elfseitige Powerpoint Präsentation des gesamten Formates, wurde – so vermute ich – mal irgendwann erstellt, um die ganze Idee bei irgendeiner Verantwortlichen Person von funk zu pitchen, wie es so schön heißt. Beim Lesen staunte ich nicht schlecht, denn ich war schon Bestandteil der Sendung. ...  ... 'Kalauer mit C. Lauer' sollte so laufen, dass ich am Wahlabend durchs Willy-Brandt-Haus laufe und Genossinnen und Genossen Sparwitze erzähle, um sie 'wieder aufzumuntern' denn die Produktion geht davon aus, dass die SPD die Wahl verliert. Das ganze sollte ich, so ganz jung und hip, mit meinem Telefon streamen.

Über Anfragen für Vorträge und Podiumsdiskussionen, sowie Medienanfragen freue ich mich natürlich immer. Noch mehr freue ich mich, wenn grade bei längeren Geschichten die Vorbereitung erfordern eine Aufwandsentschädigung/Honorar gezahlt wird. Das ist auch im öffentlich/rechtlichen üblich. So erhielt ich für meinen Auftritt bei 'Maischberger' im Februar diesen Jahres zum Beispiel 500,- Euro. Also fragte ich den Producer, was die Produktion denn zahlen würde. Daraufhin bekam ich den üblichen Vortrag, dass die Produktion eine öffentlich/rechtliche sei und das Budget äußerst beschränkt, ich aber 'Reichweite' bekäme und mit anderen 'Jung-Politikern Influencern und Co. diskutieren o.ä.' könne. ... Hierauf antwortete ich, dass ich 'Reichweite' nicht essen kann und ...

Ob man nun für möglich hält, dass der, wie gesagt: Ex-Springer- und jetztige SPD-Mann Lauer Hunger leidet oder nicht: Vermutlich und leider ist dieses "Erlebnis" exemplarisch für den Wahlkampf 2017. Einstweilen wirkt Lauer bei "WahlWG'17" übrigens nicht mit, weil funk.net trotz der ProSiebenSat.1- und Google-Youtube-Koop ihm keine 1000 Euro zahlen wollte ...


Wie gibt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Milliarden aus?

Womit wir beim Mega-Metathema Wie gibt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Milliarden aus? sind. Neues Mega-Kapitel, voraussichtlich bis 2024: Haben ARD/ ZDF oder doch die US-amerikanischen Zwischenhändler von Discovery/ Eurosport beim Poker um die Olympia-Fernsehrechte (Altpapier gestern) gewonnen?

Michael Hanfeld (FAZ) hatte sich früh festgelegt und die Anstalten für ihr "Zocken" gelobt. Hans-Peter Siebenhaar, "Medien-Kommissar" beim Handelsblatt und ein noch klar schärferer Öffentlich-Rechtlichen-Kritiker als Hanfeld, hält nun dagegen:

Geschickt hatten ARD und ZDF das Geschäft mit dem börsennotierten US-Medienkonzern Discovery Communications, an dem der Medientycoon John Malone Großaktionär und Aufsichtsratschef ist, als cleveren Coup verkauft. Manche Medien sind sogar darauf hereingefallen. Doch tatsächlich ist der Deal vor allem für Discovery lukrativ. In der Fernsehbranche wird davon ausgegangen, dass ARD und ZDF stolze 200 Millionen Euro an Gebührengeldern auf das Konto von Discovery überwiesen werden. ARD und ZDF schweigen traditionell zu den Kosten. Aus rechtlichen Gründen, wie ein ARD-Sprecher aus Anfrage mitteilt. ... ... Mit dem ARD/ZDF-Deal hat es Discovery auf einen Schlag geschafft, auf einen Schlag bereits 15 Prozent der Rechtekosten für die Olympischen Spiele bis 2024 wieder hereinzuholen.

Mit Metaphern ("ARD und ZDF brauchen den Sport wie ein Alkoholabhängiger seinen Schnaps") geizt Siebenhaar natürlich auch nicht, was die ARD-Pressestelle auf Twitter veranlasste, entgegen ihren Gewohnheiten (eigentlich gießt sie halt Pressemitteilungen in einen weiteren Kanal) ein Gegen-Narrativ anzubieten:

Womit sich die ARD nicht selbst als "nimmersatt" bezeichnen möchte, sondern auf Siebenhaars relativ bekanntestes Buch anspielt ...

Das Thema wird bleiben, und genau genommen besteht kein Grund, sich bereits festzulegen, ob ARD/ ZDF bei ihrem Olympia-Fernsehrechte-Geschäft gut ver- und gehandelt haben oder nicht. Einer der Besonnenen, Dietrich Leder, tut's bei medienkorrespondenz.de jedenfalls nicht, obwohl er Hanfelds Einschätzung auch nicht teilt:

Die Gesamtsumme, die ARD und ZDF für die Rechte zu zahlen bereit sind, ist bisher noch nicht bekannt. Sie dürfte jedoch, so ist angesichts der doch umfangreichen Sublizenzierung vor allem auch für Live-Übertragungen zu vermuten, um einiges über dem damaligen Angebot von 200 Mio Euro liegen. Ob das angesichts der Finanzengpässe, über die alle ARD-Sender und das ZDF regelmäßig klagen, eine sinnvolle Großinvestition darstellt, bleibt – auch in den Aufsichtsgremien – zu diskutieren. Die Übertragungen von der Leichtathletik-WM in London (4. bis 13. August) wiesen indirekt auf Vor- und Nachteile eines solchen Deals hin.

Diese Vor- und Nachteile umreißt Leder anschließend auch noch.


Wo Europas größter Medienkonzern Presseinhalte an Mobilfunkkunden verschenkt

Falls Sie noch Zeit für einen aufschlussreichen Longread zu einem beinahe exotischen Thema haben (exotisch ist in Medienmedien ja jedes Ausland jenseits der USA ...): Unbedingt zu empfehlen und bereits frei online zu haben wäre Jürg Altweggs FAZ-Überblick "Hurra, wir haben die Presse verschenkt!" über die sich dramatisch verändernde französische Medienlandschaft, über den Aufstieg Patrick Drahis, den Niedergang von Canal Plus, dem das französische Kino ja viel verdankt, und die Rolle der Presse, die in Frankreich Amazon-artig an Mobilfunk- und Internetkunden verschenkt werde. Drahis Altice Group ist im Ranking der 100 größten Medienkonzerne (mediadb.eu) inzwischen der größte europäische.


Altpapierkorb

+++ Herzlichen Glückwunsch, "irgendwie auch noch [m]ädchenhafte" "Medienzarin"! Hermann Rudolph gratuliert Friede Springer im Tagesspiegel so artig zum 75., dass man sich wundert, warum Nico Hofmann ihren Aufstieg "vom Kindermädchen zur Verleger-Gattin und unbeirrbaren Unternehmerin" nicht längst für einen Fernseh-Themenabend verfilmt hat. Ach so, weil Liz Mohn natürlich ein Veto eingelegt hätte. +++

+++ Altpapier-Autor René Martens fasst für die TAZ die Nachwirkungen der in allerhand Altpapieren vorgekommenen Antisemitismus-Debatte um Artes Kurz-Reportage "Gaza: Ist das ein Leben?" zusammen. Und lobt dabei Ulli Tückmantel, Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung aus Düsseldorf. +++ Dass es in demselben Zusammenhang wenig nachvollziehbare Attacken gegen die TAZ bzw. gegen "die Mentalität einer taz-Ressortleiterin" gab, stand gestern hier im Korb. +++

+++ Frische Arte-Kritik: "Befremdlich ..., dass der Sender Indien fast ausschließlich durch die kolonialhistorisch-wehmütige Brille wahrnimmt", schreibt Heike Hupertz auf der FAZ-Medienseite über den heutigen Indien-Themenabend des Kultursenders (dessen Datum ja das Unabhängigkeits-Jubiläum setzte). Liegt vielleicht am Briten-Fimmel, dem Arte den ganzen Sommer lang aufwendig frönt ... +++

+++ Wo "der größte Rückschritt seit 20 Jahren" in Sachen Meinungsfreiheit zu verzeichnen sei: in Palästina noch mal (TAZ noch mal, Mohammed Daraghmeh). +++

+++ Der Privatsender Vox kommt eher selten in den Genuss von Rezensionen seiner Sendungen. Aber hier mal: Bei epd medien bedauert Sybille Simon-Zülch Änderungen am "Das perfekte Dinner"-Rezept. U.a. wurden "für den Sprecher Daniel Werner, der 'Das perfekte Dinner" seit elf Jahren mit distanziertem Sarkasmus aus dem Off begleitet - und damit ganz entscheidend zum Erfolg der Kochshow beigetragen hat -, ... die Texte für seine Kommentare ins langweilig Freundliche formuliert." +++

+++ Dank Vox sozusagen als Fernseh-Prominenter rehabilitiert ist Carsten Maschmeyer. Zu den aktuellen Aufregungen um ihn und "das Buch des Anti-Maschmeyer-Whistleblowers" hat meedia.de Stefan Aust interviewt. +++

+++ Falls Sie ihre Wahl-Entscheidung anhand konkret netzpolitischer Themen treffen wollen: Die netzpolitik.org-Reihe der Wahlprogramm-Vergleiche hat inzwischen drei Folgen. In der dritten geht's um digitale Infrastruktur. Insgesamt unterscheidet sich die Phraseologie der Parteien, was "flächendeckende Glasfaser-Infrastruktur" betrifft, wenig voneinander. Bloß dass die Linke "Telekommunikationsinfrastruktur als so grundlegend an[sieht], dass sie diese in 'öffentliches und gemeinwirtschaftliches Eigentum' überführen will." +++

+++ Noch'n interessanter Longread mit viel Fernseh-Bezug: das große FAS-Interview mit drei Dokumentarfilmern. Sagt Irene Langemann: "Der Zuschauer ist im Grunde entwöhnt worden. Er wird ständig 'an die Hand genommen', die Redakteure sagen immer, das müsse so sein. Durch die Formatierung in den letzten Jahrzehnten, durch das dauernde An-die-Hand-Nehmen, erfüllt man den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht. Man muss den Zuschauer auch erziehen." Sagt Andres Veiel: "Erziehen ist ein heikles Wort, ich würde lieber sagen: heranführen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist in einer tiefen Krise, weil es nicht mehr weiß, was es noch sein soll. Die Formatierung nimmt zu, weil man etwa zu verteidigen versucht, was sich schon innerhalb der Fernsehbranche auflöst ..." +++

+++ Die Süddeutsche erschien an diesem Dienstag gar nicht, denn heute ist der katholische Feiertag Mariä Himmelfahrt. +++