Collage zu Das Altpapier mit Claus Kleber, Deniz Yücel und der Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien.
Bildrechte: Collage MEDIEN360G/dpa/Zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien

Das Altpapier am 11. September 2017 Keiner will mehr über Stöckchen springen

Im ersten MDR-Altpapier geht's um Journalisten als Fahnenträger, Wahrheitsretter und Tanzbären, um gleich zwei Offene Briefe und natürlich um eine Menge Medien-Thesen. Außerdem: wer nun eigentlich Medienminister in Düsseldorf ist, wann heute Pro-Sieben-Einschalten lohnt. Ein Altpapier von Christian Bartels.

Collage zu Das Altpapier mit Claus Kleber, Deniz Yücel und der Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien.
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Da sind wir wieder nach kurzer Pause, und es geht gleich frisch los mit einem Thema, bei dem sich in den vergangenen drei Wochen ...

... leider überhaupt nichts verändert hat. Außer am gestrigen Sonntag die Altersangabe des prominentesten und in der Türkei längst-eingekerkerten Deutschen.

Zu Deniz Yücels 44. Geburtstag gibt's u.v.a. ein welt.de-Video mit Luftballons, Ulf Poschardt sowie einem auf ein Adjektiv, das in der Untertitelung mit "beschi" beginnt, draufgesetzten neckischen Zensur-Piep. Im Textblock darunter gratuliert ein Mix aus Journalisten und Politikern; falls Sie das lesen, scrollen Sie bis ganz unten, wo mit "Sorge Dich nicht, Deniz, denn Du trägst die Fahne, Jan" ungereimt, aber doch zum Nachdenken anregend eine andere Speerspitze der (bequemeren) deutschen Erdogan-Kritik gratuliert. Um Böhmermann geht es hier später, viiiel weiter unten dann noch einmal.

Auf das gleiche Prinzip setzte, unprominenter und lebhafter ("Glückwunsch, du rotzfreches Vorbild!"), die taz. Und den Autokorso gab's. Fürs Altpapier steckte der ehemalige und künftige Autor Klaus Raab mittendrin. Die Überschrift des taz.de-Berichts dazu, "Trööööööööööööt!", enthält neun "ö"s mehr als Autokorso-Berichte im Februar enthielten. Der Bericht von Springers bild.de enthält mehr Fotos. 

Erwähnung verdient außerdem ein von "14 journalistische Organisationen" unterzeichneter, vom Auslandsberichterstattungs-Netzwerk journalists.network initiierter Offener Brief.

Es ließe sich darüber streiten, ob Frank Überalls "Während in anderen Ländern Journalistenpreise verliehen werden, hat die Türkei außer Gefängnis nichts zu bieten. Das muss ein Ende haben!" zu den 250 schärfsten Anti-Erdogan-Argumenten zählt. Journalistenpreise sind ja allenfalls für Journalisten wichtig, und z.B. den Goldenen Schmetterling (vgl. Altpapier aus dem März) gibt es ja schon in der Türkei. Doch eines der mindestens fünf besten Argumente für Medienfreiheit und gegen Erdogans Politik enthält der Offene Brief ebenfalls: "Die Stärke eines Landes zeigt sich auch darin, Kritik zuzulassen und auszuhalten", lautet es.

Ein Prozess gegen Yücel ist nicht absehbar. Der gegen viele Redakteure der Zeitung Cumhuriyet geht heute nach der Sommerpause weiter. Das berichtet im Tagesspiegel Susanne Güsten aus Istanbul (und stellt die "zentrale Anlaufstelle zur Verteidigung verfolgter Journalisten" namens "Plattform 24" vor). Es geht darum, "eine der letzten Oppositionszeitungen des Landes mundtot zu machen" (Jürgen Gottschlich, taz). Dass der angeklagte, eingesperrte Cumhuriyet-Journalist Ahmet Sik den Raif-Badawi-Award bekam, meldet die FAZ.


Die 10 neuesten Medien-Thesen (über die Öffentlich-Rechtlichen)

Kaum erscheint das Altpapier unter öffentlich-rechtlichem Dach, kommen "zehn Thesen" "zur Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien" heraus, und zwar in Form eines weiteren Offenen Briefs (PDF; oder auf zukunft-öffentlich-rechtliche.de). Unterzeichnet hat eine "Gruppe von weit über 40 Wissenschaftlern vor allem aus den Bereichen Kommunikation, Medien und Politik", weiß der Tagesspiegel, der ihn als erster vorliegen hatte.

"Zu den ErstunterzeichnerInnen rund um die InitiatorInnen Volker Grassmuck und Tabea Rößner" zählen außer Leonhard Dobusch, der die Thesen bei netzpolitik.org straffer zusammenfasst, etwa noch Markus Beckedahl und der Medienkonzentrationskontrolle-Haudegen Dieter Dörr. Wird die oft ermüdende, selten sachliche Diskussion darüber, was öffentlich-rechtliche Medien denn dürfen und sollen und was nicht, nun also auf eine andere Ebene geführt?

Leider jein, mit Betonung auf der zweiten Hälfte der Silbe, würde ich sagen. Gewiss enthält die Thesensammlung schöne Formulierungen ("journalistisch-redaktionelle Selbstbeobachtung der Gesellschaft im öffentlichen Interesse"!) und gute Ideen, z.B. in These 5:

"Denkbar wäre auch eine gemeinsame, offene und nicht kommerzielle Plattform aller öffentlich-rechtlichen Anbieter als 'Public Open Space'. Auf dieser Plattform sollten nicht nur öffentlich-rechtlich produzierte Inhalte verfügbar sein, sondern beispielsweise auch solche von Museen, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Wikipedia etc. ... ... Die Verbreitung von öffentlich-rechtlichen Angeboten über Drittplattformen sollte demgegenüber nur eine ergänzende Funktion haben. Ziel sollte es dabei sein, das Publikum dort abzuholen und möglichst auf das genuin eigene Angebot zu leiten. Ansonsten droht, dass die öffentlich-rechtlichen Angebote als solche nicht erkennbar sind, und sie sich in einem kommerziellen Umfeld bewegen, das den Vorgaben für eigene Angebote nicht genügt."

Die Öffentlich-Rechtlichen sollten also ihre vielen Inhalte nicht auch noch allesamt planlos bei Youtube und Facebook veröffentlichen.

Insgesamt aber bewegt sich der Thesen-Cocktail nah an der bekannten ARD/ZDF-Selbstdarstellung oder geht sogar noch forsch darüber hinaus (These 8: "Der Auftrag bestimmt den Beitrag - nicht umgekehrt"). Gewiss ist "die Grenze der Sparpolitik ... erreicht, wenn Kürzungen auf Kosten der Auftragserfüllung und hohen Standards gehen". Aber wer ernsthaft in eine Diskussion einsteigen will, sollte wenigstens darauf hinweisen, dass es über die Ausgabenpolitik der Öffentlich-Rechtlichen, z.B. was Sportrechte und die Menge der Jahr für Jahr hergestellten Krimis und Schmonzetten betrifft, sehr unterschiedlichen Ansichten gibt. Gewiss, "Erfolg ist mehr als Quote" (These 4). Aber halten nicht die Programm-Macher von ARD und ZDF selbst Quote für Erfolg und haben genau deshalb alles, was vermeintlich zu wenige Zuschauer anlockt, aus ihren Hauptprogrammen in Nischen verlegt, und könnte nicht darin ein Teil des Problems liegen?

Kurzum, diese Thesen sind so ausgreifend fordernd formuliert, während sie auf Kritik so knapp eingehen, dass, nur zum Beispiel, Peter Boudgoust und Claus Kleber, Volker Herres und Matthias Opdenhövel sie sofort auch unterschreiben würden. Und alle anderen sie als ein weiteres Lobbypapier abheften können.


Claus Kleber rettet die Wahrheit

Claus Kleber hat übrigens gerade eine eigene Thesensammlung veröffentlicht, falls da nicht Martin Sonneborn oder Shahak Shapira den Ullstein-Verlag reingelegt haben. "Rettet die Wahrheit" heißt sie bescheiden und bietet laut Verlags-Blurb einen "schonungslos offenen Blick in das Innere der Redaktionsarbeit, ihre Freuden, Anfechtungen und Schwierigkeit."

Immerhin schein das 96-Seiten-Büchlein indirekt Verständnis für Zeitgenossen zu schüren, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht uneingeschränkt positiv gegenüberstehen. Findet sozusagen Christian Meier in Springers Welt:

"Es sei Zeit, schreibt Kleber, für eine 'nach innen wie außen spürbare Investition in Information, die die öffentlich-rechtlichen Anbieter haushoch herausragen lässt, wenn es darum geht, die Welt zu erklären und die laufende Medienrevolution zu nutzen'. Noch mal auf der Zunge zergehen lassen: 'Haushoch überlegen' wünscht sich der ZDF-Mann Kleber, über dessen Gehalt an dieser Stelle nicht spekuliert werden soll, seinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn es um Informationsvermittlung geht. Beim Lesen solcher Sätze wird vielleicht ein bisschen nachvollziehbarer, warum sich privatwirtschaftlich finanzierte Zeitungsverlage, Sender und Internetangebote von den öffentlich-rechtlichen Beitragsmilliarden nicht nur ein wenig bedroht fühlen."


Wer ist Medienminister in NRW?

Wo in der Praxis all das bestimmt wird, also der "Auftrag" interpretiert (zumindest solange, bis das das Bundesverfassungsgericht gesprochen hat) und über Beitragserhöhungen entschieden wird: in den Bundesländern. Also dort, wo jede Menge andere Tagespolitik ebenfalls gemacht und seit 2016 in immer bunteren Koalitionen regiert werden muss. Hat Nordrhein-Westfalen nun eigentlich einen amtierenden Medienminister?

Als der frischgebackene Ministerpräsident Armin Laschet für diesen Posten Ende Juni (Altpapier) Stephan Holthoff-Pförtner vorschlug, den Mitgesellschafter der Funke-Mediengruppe, gab es großes Hallo. Als schließlich der finale Postenzuschnitt bekannt wurde, war die Aufmerksamkeit geringer. Falls Sie's also nicht wussten (zum Beispiel, weil sie sich online vor allem aus Funkes NRW-Medien informieren): Holthoff-Pförtner ist nurmehr "Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales".

Nordrhein-westfälischer Medienminister ist inzwischen der Ministerpräsident höchstpersönlich. Dass Medien jenseits der Talkshows nicht gerade Armin Laschets Lieblings-Steckenpferd sind, deutete ja schon seine Entscheidung an, für dieses Ressort ausgerechnet einen maximal unbefangenen Kandidaten vorzuschlagen. Warum diese spät gefundene Notlösung außerdem noch nicht ideal ist, dröselt Volker Nünning in der aktuellen Medienkorrespondenz auf:

"Dem Kabinett von Armin Laschet gehört seit Ende Juni als Verkehrsminister außerdem Henrik Wüst an. Der CDU-Politiker war von Mitte November 2010 bis Ende Juni 2017 neben seinem Landtagsmandat Geschäftsführer des Zeitungsverlegerverbandes Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) und des Verbandes der Betriebsgesellschaften des privaten Hörfunks in NRW. Ob in Sachen Medienpolitik künftig Holthoff-Pförtner und Wüst gewissermaßen zu ministerialen Einflüsterern von Ministerpräsident Laschet und Staatskanzleichef Liminski werden, wird kritisch zu beobachten sein. Dazu könnte es durchaus kommen, da weder Laschet noch Liminski über ausgewiesene fachliche Expertise im breitgefächerten Medienbereich verfügen."

Falls Sie mehr über Nathanael Liminski wissen möchten, auf dessen land.nrw-Webseite einstweilen allein der Titel "Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei" steht: "Der 31-jährige Liminski, Sohn des früheren Deutschlandfunk-Journalisten Jürgen Liminski, war ab 2014 Geschäftsführer der CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag und Büroleiter von Laschet" (MK), und dass Jürgen Liminski als "konservativer Publizist" inzwischen "unter anderem für die rechtskonservative Wochenzeitung 'Junge Freiheit' tätig ist", fügt die aktuelle epd-medien-Ausgabe (nicht online, S. 16) hinzu.

Die Medienpolitik des größten deutschen Bundeslands dürfte also zu den vielen Themen zählen, die auch in Zukunft spannend bleiben.


Altpapierkorb (Getalke, AfD und Stöckchen, Pro Sieben)

+++ Megameta-Medienthema der vergangenen Woche war politisches Getalke im Fernsehen. "Die Überdosis von Spezialsendungen und Diskussionsrunden nach dem Duell zeichnete mit zahlreichen Details ein verzerrtes Bild der politischen Wirklichkeit", schreibt Hans Hütt in einer Zusammenfassung für die taz. Sein Satz, dass "Marietta Slomka, sonst als scharfe Fragerin im 'heute journal' profiliert, ... ihre Wahlsendung wie eine gedopte Tanzbärin" führte, ist sicher nicht als Unterstützung Alice Weidels zu verstehen.

+++ Die AfD-Politikerin befindet sich seit Sonntag in einem neuen Medienkrieg mit Springers Welt. Die WamS veröffentlichte eine E-Mail aus dem Jahr 2013, die Weidel jedoch geschrieben zu haben bestreitet. Das klingt nach einem Fall für die inzwischen gewaltige Schar der Faktenchecker und Faktenfinder. Dennoch absolvierte Weidel am frühen Abend einen Video-Live-Auftritt auf welt.de, der sich hier, ganz oder in "Szenen" unterteilt, ansehen lässt. Was sie da zur E-Mail-Sache sagte: "Zu diesem Thema habe ich gestern auch durch meinen Sprecher alles gesagt. Zwei Wochen vor der Bundestagswahl werde ich wirklich nicht über jedes absurde Stöckchen springen, das man mir hinhält, und diese plumpe Kampagne auch noch befeuern. Das mache ich nicht." Da sich die berichterstattende Medien ja auch gerade wieder, vielleicht nachhaltiger als die letzten Male vorgenommen hatten, nicht immer über AfD-Stöckchen zu springen, scheint kurz vor der Wahl niemand mehr über Stöckchen springen zu wollen.

+++ Wo Alice Weidel ebenfalls performen wird: in der alle vier Jahre ins Programm geschobenen Pro-Sieben-Politiksendung. 2017 heißt sie "Ein Mann, eine Wahl", Folge 1 läuft heute am späten Abend. Für die SPD ist Martin Schulz persönlich dabei. "Die Anfrage bei der CDU endete mit Jens Spahn, 'der hat immer Bock'", zitiert Joachim Huber vom Tagesspiegel den Moderator Klaas Heufer-Umlauf. Huber findet dann, dass "das Einschalten beider Folgen sich lohnt". David Denk (Süddeutsche) meint: "Besser alle vier Jahre ein Pro-Sieben-Politformat, weil mal wieder Wahl ist, als gar kein Pro-Sieben-Politformat. Noch besser wäre eins, von dem nicht nur Klaas Heufer-Umlaufs Image profitiert."

+++ Ein Wort, das man sich merken könnte: "Veröffentlichrechtlichung". Was Michael Ridder bei epd medien unter dieser Überschrift über die ARD-Übernahme des Privatsenders Sport1 schreibt, ist allerdings Satire (auch wenn Frank Überall und Michael Hanfeld vorkommen). +++ Wirklich veröffentlichrechtlicht wurde außer dem Altpapier dagegen auch Markus Grill (dwdl.de). Der frühere Correctiv-Chefredakteur geht zum NDR/WDR-Rechercheverbund.

+++ Welch heftiger heftiger Wettbewerb auch im Investigativjournalismus herrscht, zeigt die meedia.de-Meldung über eine gerichtliche Niederlage, die das NDR-Magazin "Panorama" gegenüber "Spiegel TV" erlitt. Es ging um "eine Szene ... , die exklusiv in einer G20-Dokumentation des 'Spiegel TV Magazin' ausgestrahlt worden war", und die NDR auch senden wollte.

+++ Tagesspiegel: "Gab es auch etwas, worüber Sie sich freuen konnten?" Benjamin Weinthal, Europa-Korrespondent Jerusalem Post: "Definitiv über den kritischen deutschen Journalismus zum türkischen Präsident Tayyip Erdogan und zu seiner islamistischen Partei, der AKP. ... Es gibt eine Reihe von exzellenten investigativen Recherchen deutscher Medien zum Thema Türkei, beispielsweise zur Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen, die an der Entwicklung einer Panzerfabrik in der Türkei mitarbeitet. Dahinter steckt die deutsche Rüstungsfirma Rheinmetall. Diese Verflechtung aufgedeckt zu haben, ist für mich toller, freier Journalismus." +++ Worauf sich das bezieht: auf eine Correctiv-Özgürüz-Stern-Recherche.

+++ Wer gar kein Medienressort hat und daher selten über Fernsehen berichtet, kann es alle paar Monate mal richtig krachen lassen. Das ist eines der Erfolgsrezepte der Wochenzeitung Die Zeit. Nun spielte dort Felix Dachsel gegen den ganz oben erwähnten Jan Böhmermann ("Wie konnte dieser Mann so weit kommen mit seiner wild gewordenen Tugendhaftigkeit? Wie ein Bademeister entscheidet er, was geht und was nicht") Fips Asmussen ("der auf seiner Tour ('Lachen bis der Arzt kommt') den Lattenrost noch immer als Geschlechtskrankheit verkauft") aus. Fazit: "Der neue politische Fernsehhumor ist überheblich und moralisch. Aber selten lustig". Ein bisschen leidet Dachsels Text allerdings unter Asmussen-artigen Wortspielchen ("Vollbart-Volker", über Volker Pispers, den "zugewachsenen Zausel"), die live vorgetragen wahrscheinlich besser kämen als in geschriebenem Text.

+++ Auch wieder da, Kai-Hinrich Renner, langjähriger Medienkolumnist (und Bruder eines in Berlin besonders um den Rosa-Luxemburg-Platz herum umstrittenen Bundestagskandidaten). Nach seiner Station beim Handelsblatt ist er wieder wie einst beim Hamburger Abendblatt gelandet, das allerdings inzwischen ja den Funkes gehört. Aktuell geht's um die öffentlich-rechtliche Tochterfirma Studio Hamburg ("... war für den Gebührenzahler drei Jahre ein teures Vergnügen") und die bald endende Ära der Alexander-Kluge-Produktionen im Privatfernsehen.

+++ Auch wieder online, jenseits von Facebook: der Journalist, also die Mitgliederzeitschrift der Gewerkschaft DJV. U.a. geht es schwer datenjournalistisch zu ("... hat 840.000 Kommentare ausgewertet, die User unter Facebook-Posts der großen politischen Parteien hinterlassen haben").

+++ Die SPD schaltet nicht nur bei Google Anzeigen, sondern auch in gedruckten Zeitungen. So ist heute etwa in SZ und FAZ ein ganzseitiges handschriftliches Schreiben von Martin Schulz prominent zu sehen.

+++ Was es mit dem Trend "#fickdichfacebook" auf sich hat, steht bei faktenfinder.tagesschau.de: Ein Algorithmus legte Ende letzter Woche Facebook-Nutzern sehr viele ziemlich ziemlich rechte Gruppe nahe. "Egal, ob ältere Dame auf dem Land mit überwiegend Freizeitinteressen, Teenager-Account in der Großstadt, politischer Journalist oder Café-Betreiberin: Alle bekamen unter den ersten zehn Empfehlungen mehr oder weniger dieselbe, deutlich rechtslastige Auswahl angeboten. Auch komplett neu angelegte Nutzer ohne Vorlieben und Freunde bekamen dieselbe Auswahl angezeigt. Auf Nachfrage sagte Facebook-Pressesprecher Stefan Stojanow, dass das Unternehmen ad hoc keine über die auf der eigenen Webseite hinausgehenden Angaben dazu machen könne, wie die Auswahl der Gruppen zustande käme. Der Algorithmus verhalte sich so wie dort beschrieben. Einen vorderen Platz bei den Empfehlungen per Anzeige kaufen kann man laut Facebook nicht." Dass in Facebook in Deutschland inhaltlich verantwortliche Mitarbeiter beschäftigt, die tatsächlich über Algorithmen Bescheid wissen, glauben ja auch nicht viele ...

+++ Dann hat die FAS noch Jutta Ditfurth interviewt ("Die rationalste Talkrunde – wir schrauben jetzt alles runter, was eine Gesprächsrunde sein könnte, und reden nicht von 'Club 2' oder Günter Gaus –, in der man tatsächlich ab und zu eine Position äußern kann, ist 'Anne Will' ...").

+++ Und auf der SZ-Medienseite geht's heute ums 2.000 Besucher starke "Campfire"-Journalismus-Festival in Dortmund und um die erste deutsche Netflix-Serie: "Inhaltlich betritt 'Dark' mit der Geschichte des fiktiven Örtchens Winden, in dem 33 Jahre nach einem ungeklärten Fall erneut mehrere Kinder verschwinden, nicht wirklich Neuland. Das Grauen lauerte schon bei 'Twin Peaks' in der Provinz, die Serie nennen Friese und Odar als eine Inspiration, neben Fotoarbeiten von Gregory Crewdson. Es gibt allerlei Bezüge zu Stephen King (die an 'Shining' gemahnenden Hotelflure!) und mit der Verquickung von Kleinstadtdrama und Mystery-Thriller hatte Netflix schon bei 'The O.A.' und 'Stranger Things' Erfolg. Selbst die Achtziger-Nostalgie hat in Dark ihren Platz". Klingt, als könnte die ARD die Free-TV-Rechte gut für die nächste "Anne Will"-Sommerpause kaufen ...

+++ Neues Altpapier gibt's wieder am Dienstag, dann von René Martens. +++

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 11:58 Uhr