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artour | MDR FERNSEHEN | 02.04.2009 | 22:05 Uhr

Vergnügen in der DDR

Vergnügen und die DDR – wie geht das zusammen? Schließlich war der Arbeiter- und Bauernstaat bekannt dafür, fast jeden Bereich des Lebens zu reglementieren. Und das klingt nicht eben vergnüglich.

Zum Vergnügen in der DDR gehörte auch die Achterbahn im Berliner Plänterwald.; Rechte: Gerd Danigel/ Panama Verlag
Achterbahnfahren im Plänterwald gehörte dazu

"Vergnügen in der DDR" erinnert daran, wie man sich hinter der Mauer amüsierte und unterhielt, wie man feierte und sich entspannte.

Dass es in der DDR durchaus was zu lachen gab, zeigt dieser neue Sammelband. In einem Staat, der alles lenken will, da unterlaufen schließlich auch mal amüsante Fehler.

Vergnügen in der DDR, Buch-Cover; Rechte: Panama Verlag
Glück in der Liebe und auch Glück im Spiel war durchaus möglich.

Das Vergnügen im Glücksspiel suchen?

Autos, Fernsehapparate, Weltreisen - sprich Möglichkeiten, ordentlich Geld für Luxusgüter auszugeben - gab es kaum. Warum, so dachten sich die Bürger, also nicht das Vergnügen im Glücksspiel suchen? Das war möglich, denn bei der Strafrechtreform von 1968 hatte der Gesetzgeber diesem Punkt so wenig Bedeutung zugemessen, dass der Artikel zum Glücksspiel-Verbot ersatzlos gestrichen worden war. Kaum geschehen, bildeten sich Spielerkreise – auf Rennbahnen, in Kneipen, Parks und in Privatwohnungen. Wetten, Karten, Würfel überall, und die Polizei musste tatenlos zusehen. Auf diese Weise erspielte man sich das Vergnügen – bis es dann doch wieder verboten war.

Zum Vergnügen in der DDR gehörte auch die Freie Körperkultur, kurz FKK.; Rechte: Gerd Danigel/ Panama Verlag
FKK in Ahrenshoop

Fernab der offiziellen Brigadefeiern

Fernab der offiziellen Brigadefeiern, Jugendweihen oder Massenvergnügungen gab es natürlich auch das ganz eigene, das abwegige oder sehr private Vergnügen: im eigenen Garten, bei Zelturlaub und FKK, beim Westfernsehen und DT 64, bei Theater, Satire und Kabarett. Sogar Kreuzfahrten waren erhältlich, wenn auch nur für Privilegierte oder unter Einsatz höchster Kreativität.

Trabi putzen; Rechte: Gerd Danigel/ Panama Verlag
Vornehmlich am Wochenende beliebt

Vom Trabi-Waschen bis zum Punk-Konzert

Angesichts der Bandbreite dessen, was für die einzelnen DDR-Bürger "Vergnügen" war – das sonntägliche Trabi-Waschen oder das Punk-Konzert – stellt sich die Frage ein, wie das denn war mit diesen oder jenen Vergnügen: Gab es sie, weil es die DDR gab oder obwohl es sie gab? Das Buch behandelt dies auch ohne Worte. Der Foto-Essay von Harald Hauswald oder die Bilder von Gerd Danigel sprechen für sich: Erinnerungen ohne Verklärung.

"artour" hat sich das Vergnügen gemacht, mit einigen der am Buch Beteiligten zu sprechen. So zum Beispiel mit dem Herausgeber Marcus Merkel übers Glücksspiel in der DDR, mit dem Autor Andreas Stirn über Kreuzfahrten und mit dem Fotografen Harald Hauswald.

Zuletzt aktualisiert: 02. April 2009, 12:29 Uhr

 

Weitere Inhalte:

artour-Beitrag von:

Tom Fugmann

Buch-Tipp:

Ulrike Häußer / Marcus Merkel (Hrsg.): "Vergnügen in der DDR". Panama Verlag (2009). 24,80 Euro. ISBN: 978-3-938714-04-1.

 
 
 
 
 
 
 

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