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artour | MDR FERNSEHEN | 11.10.2012 | 22:05 Uhr : Filmischer Sprengstoff im Archivschrank

Die Wiederentdeckung eines verbotenen DDR-Films

Nach 48 Jahren wurde im Deutschen Rundfunkarchiv in Potsdam der verloren geglaubte, einst verbotene Fernsehfilm "Die Sprengung" wiederentdeckt. "artour" zeigt erstmals im deutschen Fernsehen Ausschnitte aus dem Film und spricht unter anderem mit der heute 81-jährigen Schauspielerin Ingeborg Krabbe über ihre Erinnerungen an "Die Sprengung".  

Schauspielerin Ingeborg Krabbe

Es ist ein spannender Film, der nicht nur in seinem Hauptstrang viel über die junge DDR erzählt. Fast beiläufig, ja beinahe aus Versehen leuchtet der Streifen die Untiefen des zwischenmenschlichen Umgangs in der DDR aus. Man spürt, wie die Lüge als Überlebenstechnik um sich greift, ganz egal ob privat oder beruflich. Ist dieser Eindruck nur eine Sicht von heute? Merkten die Genossen damals schon, dass hier etwas schiefläuft, und ließen den Film deshalb im Archiv verschwinden?

Worum geht es?

Eine Wohnsiedlung ist vom Hochwasser bedroht. Nur die Sprengung des Bahndamms kann sie retten, doch das hätte die Flutung eines Tagebaus und damit den Verlust eines Kohlestandorts zur Folge. Zwischen dem Bürgermeister, dem Parteisekretär und dem Tagebauchef bricht ein Streit aus. Der Ingenieur Cupka, der sich am Ende mit der Sprengung durchsetzt, kann und darf kein Held sein. Ihm wird kurzerhand Ehebruch vorgeworfen. Damit wird Cupka, ganz im Sinne der Partei, zum unsympathischen Antihelden. Er wird aus der SED ausgeschlossen. 

Warum verschwand der Film im Giftschrank?

Im Jahre 1964 wird dieser Plot für das DDR-Fernsehen verfilmt. Doch er kommt nicht durch die Abnahme: Der Film habe "zu viele kleinbürgerliche Tendenzen" und "mache depressiv", lautete damals die Begründung, wie sich der inzwischen 83-jährige Regisseur Peter Hagen in einem Zeitungsinterview erinnert. Einige der am Film beteiligten Schauspieler konnten die späte Uraufführung des Films nicht mehr miterleben. Wilfried Ortmann, der im Film den Ingenieur Cupka spielt, starb bereits 1994. Auch seine Schauspielkollegen Kurt Böwe und Fred Mahr sind bereits tot.

Erstmals im deutschen Fernsehen sind bei "artour" nun Ausschnitte aus diesem Film zu sehen. Wir sprechen mit der heute 81-jährigen Schauspielerin Ingeborg Krabbe, die im Film die Sekretärin Gisela Lange spielt, über ihre Erinnerungen an ihre Rolle. Außerdem spricht der Filmwissenschaftler Günter Agde über die Szenen und die Hintergründe, die zum Verbot führten. 

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2012, 23:08 Uhr

"artour"-Beitrag

von Tom Fugmann

Angaben zum Film

"Die Sprengung"

Drama, DDR 1964
78 Minuten

Regie: Peter Hagen
Drehbuch: Peter Hagen; Rudolf Jürgen Bartsch

mit Wilfried Ortmann; Lissy Tempelhof; Ingeborg Krabbe; Kurt Böwe und Fred Mahr

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