Weitere Themen bei "artour" | 23.02.2012
"Ab jetzt ist Ruhe" - Der Familienroman der Braschs
"Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal von zu Hause fortlief", so beginnt Marion Braschs Rückblick auf die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie. Ihre Eltern, beide jüdischer Abstammung, lernten sich im englischen Exil kennen, bevor sie nach Ostberlin gingen. Horst Brasch, der Vater, gehörte zur SED-Führungselite und war stellvertretender Kulturminister der DDR. Marion Brasch hatte drei Geschwister, und alle starben früh. Thomas Brasch, der berühmte Dichter und Dramatiker, Autor des Buches "Vor den Vätern sterben die Söhne", ging in den 70er-Jahren in den Westen. Peter Brasch, ebenfalls Schriftsteller, blieb in der DDR. Klaus Brasch war Schauspieler, und spielte unter anderem in den Filmen "Jakob, der Lügner" und "Solo Sunny" mit. Marion Brasch, das jüngste Kind der vier Geschwister, ist die letzte Überlebende ihrer "fabelhaften Familie".
Nun hat sie den Roman ihrer Kindheit und Jugend aufgeschrieben. Sie berichtet mit großer Leichtigkeit aus der Perspektive des Kindes, von einem Familiendrama zwischen Parteiräson und Aufbegehren. Ihr Buch hat den Titel "Ab jetzt ist Ruhe". So lautete der "Gutenachtspruch" ihrer Kindheit und so, mit dieser Hoffnung, blickt Marion Brasch jetzt zurück.
"artour"-Beitrag: Lutz Pehnert
Selbstmord im Dritten Reich
Hitler, Eva Braun, Goebbels, Bormann und Himmler - sie alle brachten sich um, als "ihr Deutsches Reich" unterging. Doch bei näherer Betrachtung der hohen Suizidrate vor, während und direkt nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt sich, dass Suizid im Dritten Reich eine bisher unterschätzte Rolle spielt. Soldaten, Frauen und verfolgte Gruppen, insbesondere Juden - die Motive der Selbstmörder waren unterschiedlich.
Der Historiker Christian Goeschel hat ihre Fälle untersucht, unzählige Abschiedsbriefe gelesen und Polizeiakten der Zeit geöffnet. Seine Untersuchung mit dem Titel "Selbstmord im Dritten Reich" zeigt, dass Suizid in ein damaliges Muster der Selbstzerstörung passte. Goeschel verknüpft in seinem Buch die sozialen, politischen und kulturellen Rahmenbedingungen mit den Einzelschicksalen. "artour" spricht mit dem Autor über ein Thema, über das bisher wenig bekannt ist.
"artour"-Beitrag: Stefan Schwarz
Buchtipps
Marion Brasch: "Ab jetzt ist Ruhe. Roman meiner fabelhaften Familie",
400 Seiten,
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2012,
ISBN: 978-3-10-004420-4
Christian Goeschel: "Selbstmord im Dritten Reich",
337 Seiten,
Berlin: Suhrkamp Verlag 2011,
ISBN: 978-3-518-42269-4
