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artour | MDR FERNSEHEN | 02.08.2012 | 22:05 Uhr : Heiß serviert - Der Kellner und Personenschützer Lothar Herzog berichtet über Honecker privat

Wenn Lothar Herzog bei Erich Honecker die Türschwelle überschritt, hatte er nicht nur den Kasslerbraten auf dem Tablett, sondern auch eine Pistole in der Tasche. Zwölf Jahre lang war Herzog der Mann an Honeckers Seite, sein Butler und Personenschützer. Jetzt erscheinen seine Erinnerungen: "Honecker privat". Bei "artour" spricht er exklusiv über sein Buch.

Lothar Herzog
War Honeckers Butler und Personenschützer: Lothar Herzog

Im Winter 1962 kommt Lothar Herzog zum ersten Mal nach Wandlitz nahe Berlin. Da ist er gerade 19 Jahre alt und hat die Kellnerlehre in Karl-Marx-Stadt hinter sich. Zwei Männer hatten ihn vertraulich angesprochen, ob er nicht Lust hätte auf Berlin. Der Teenager sagt "Ja" und landet in der Waldsiedlung, Wohnort der Mächtigen. Zukünftig deckt er im Klubhaus für die Politprominenz auf und ab. Regel Nummer eins: Nie fragen, nur antworten und die Gäste mit "Genossin" und "Genosse" anreden. Am Anfang tragen sie noch Frack, das findet Lotte Ulbricht bourgeois. Nach und nach entziehen sich die Genossen dem Kollektiv und essen individualistisch zu Hause.

Die eigentliche Zeit mit Honeckers beginnt im Sommer 1972 auf der Ostsee-Insel Vilm. Herzog erkennt Honeckers mangelnde Fähigkeit, wirklich zu genießen. Die Speisen müssen einfach sein, heiß und vertraut, also deutsch. Und er lebte gesund, getreu dem Leninschen Grundsatz: Gesundheit ist Volkseigentum, schütze es, Genosse!

"Es gab diese Order, dass man möglichst versuchen soll, ihnen die Wünsche, die sie haben, an den Augen abzulesen. Was natürlich sehr schwierig ist, weil man nicht weiß, was er in dem Moment gerade denkt. Es kann ja was ganz anderes sein, was man daraus lesen könnte aus den Augen."

Lothar Herzog, Honeckers Kellner und Personenschützer

In das Fach "Vorsicht" fallen vor allem die Auslandsreisen. Manchmal muss Herzog für eine Stippvisite in Afrika nicht nur an Kassler und Radeberger denken, sondern auch an Zutaten fürs abendliche Bankett. Honecker bevorzugt heimische Küche.

Herzogs Erinnerungen an die Zeit mit Honecker sind witzig, weil das, was damals geschah, oft völlig absurd war:

"Und dann kam jemand auf die Idee, die Kellner, die unbedingt da dran sind, müssen eine Waffe tragen. Weil wir keinen Holster (Pistolentasche, d. Red.) hatten, mussten wir die so in der Hosentasche tragen. Und ich hab' sie dann in ein Taschentuch eingewickelt und hab sie dann so gehabt. Hätte ich sie wirklich gebraucht, dann hätte ich schon viel zu lange gebraucht, um die erst mal auszuwickeln. So dass ich sie dann eines Tages, als wir mit dem Regierungszug unterwegs waren, einfach in den Kühlschrank gelegt und sie beim Aussteigen einfach vergessen habe."

Lothar Herzog

Cover zu "Honecker privat: Ein Personenschützer berichtet"
"Honecker privat: Ein Personenschützer berichtet" von Lothar Herzog

Schwamm drüber. Lothar Herzog darf weiter servieren, wenn auch unter Beobachtung. Kosmonauten, Präsidenten, Diplomaten schenkt er ein. Und bleibt der Kellner Honeckers, geht mit ihm auf Tour. Vermutlich wäre Herzog bei ihm geblieben bis zum Schluss. Doch dann stolpert er an einem Sonntag im Herbst 1984 über Honeckers Hund.  Er bittet darum, den Hund aus dem Weg zu nehmen, was bei Honeckers Enkel zu einem mittleren Aufstand führt. Das war Herzogs letzter Arbeitstag in Wandlitz. "artour" trifft den ehemaligen Kellner und Personenschützer Honeckers und spricht mit ihm über seine Erinnerungen.

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2012, 16:13 Uhr

"artour"-Beitrag

von Gabriele Denecke

Buchtipp

Lothar Herzog:

"Honecker privat. Ein Personenschützer berichtet"

192 Seiten,
Berlin: Das Neue Berlin 2012,
ISBN: 978-3-360-02143-4

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