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artour | MDR FERNSEHEN | 22.11.2012 | Mit Video : "Freigekauft - der DDR-Menschenhandel"

Für die einen war es ein zwingend notwendiger Akt humanitärer Hilfe, für die anderen ein bloßes Geschäft. "Geld gegen Freiheit" hieß der Code: Rund 3,5 Milliarden D-Mark nahm die DDR zwischen 1963 und 1989 dafür ein, dass sie politische Häftlinge in die Bundesrepublik ausreisen ließ: 33.000 Menschen in 26 Jahren.

"Für die einen war es ein zwingend notwendiger Akt humanitärer Hilfe, für die anderen ein bloßes Geschäft. "Geld gegen Freiheit" hieß der Code: rund 3,5 Milliarden D-Mark nahm die DDR zwischen 1963 und 1989 dafür ein, dass sie politische Häftlinge in die Bundesrepublik ausreisen ließ, 33.000 Menschen in 26 Jahren."

Wie attraktiv das Geschäft des Freikaufs für die DDR war, darauf weist die Tatsache hin, dass das Interesse an immer neuen politischen Häftlingen wuchs, die Spitzeltätigkeit der Stasi immer intensiver wurde und dass sich schließlich das Strafmaß für angebliche "politische Verbrechen" sukzessive erhöhte.

Individuelle Schicksale dieses Menschenhandels werden nun in dem Buch "Freigekauft - der DDR-Menschenhandel" vorgestellt, das auf über 200 Seiten, ergänzt durch eindrucksvolle Fotos und bislang nicht veröffentlichte Dokumente aus den Archiven des Staatssicherheitsdienstes den Versuch unternimmt, Licht in dieses dunkle Kapitel deutsch-deutscher Geschichte zu bringen.

Wegen "staatsfeindlicher Hetze"

Zu den Porträts freigekaufter Häftlinge gehört auch das der Leipzigerin Uta Franke, die Mitte der 1970er-Jahre für eine Leipziger Oppositionsgruppe arbeitete und - mit einem Kinderstempelspiel - Flugblätter gegen die Inhaftierung des Regimekritikers Rudolf Bahro druckte.

1979 wurde die Mutter einer kleinen Tochter verhaftet und wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu 28 Monaten Haft verurteilt. 1981 konnte sie in den Westen ausreisen. Der Preis: Die Tochter blieb zurück. Mit "artour" sprach sie über die Haftzeit und ihre Gefühle, als klar war, dass sie ohne ihre Tochter in die BRD entlassen wird.

Freikauf aus Überzeugung

Buchcover "Freigekauft"
Buchcover "Freigekauft"

Zu den Organisatoren des Freikaufs gehörte von der ersten Stunde an Ludwig Rehlinger - heute 85 Jahre alt, früher Staatssekretär in der Bundesregierung. Noch als Büroleiter des damaligen Ministers für gesamtdeutsche Fragen, Rainer Barzel, begann Rehlinger, den Häftlings-Freikauf zu begleiten. Aus der Überzeugung heraus, damals sei es die einzige Möglichkeit gewesen, den Menschen zu helfen. Über seine Motivation und die Abläufe im Hintergrund spricht Rehlinger bei "artour".

Über die Idee zum Buch und den Umgang mit dem Material gibt der Historiker Ralf Georg Reuth Auskunft, einer der drei Autoren dieses Bandes, der eine wichtige Ergänzung der Aufarbeitung deutsch-deutscher Geschichte geworden ist.

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2012, 08:50 Uhr

"artour"-Beitrag:

Von Hans-Michael Marten

Buchtipp:

Freigekauft - Der DDR-Menschenhandel.
Fakten - Bilder - Schicksale
Hrsg. von Kai Diekmann
Piper, 2012
ISBN 3-492-05556-7
Preis: 17.99 EUR

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