artour | MDR FERNSEHEN | 22.12.2011 | 22:05 Uhr | Mit Video : Katastrophen unter Tage - Bergwerksunglücke und ihre Widerspiegelung in den Medien
Die Angst der Bergleute verschüttet oder begraben zu werden ist allgegenwärtig. "artour" erinnert an Bergwerksunglücke und untersucht, warum diese Katastrophen zu Medienereignissen werden.
Jetzt leuchtet er wieder in zahllosen Fenstern: der erzgebirgische Schwibbogen. Ursprünglich bedeuteten die aufgesetzten Lichter die Sehnsucht der Bergleute nach dem Tageslicht. Das Licht ist die Gewissheit des Lebens. Denn kaum ein Beruf ist so gefährlich und von Unglücken begleitet wie der des Arbeiters unter Tage. Die Angst, verschüttet und bei lebendigem Leib begraben zu werden, fährt stets mit in Schacht. "Das Dunkel vergisst du nie", sagte einer der Kumpel, der beim Grubenunglück von Lengede 14 Tage lang auf seine Rettung hoffte. Die Rettung wurde damals - im Jahr 1963 - zu einem medialen Großereignis, zum Wunder von Lengede und zum deutschen Mythos. Lengede war zugleich der Start einer wirklich tagesaktuellen ARD-Berichterstattung und führte dazu, dass die "Tagesschau" zum alltäglichen Fernsehritual der Deutschen wurde.
Unglück als Medienereigniss
Es passieren immer wieder Unfälle - nur selten nehmen sie einen so glücklichen Ausgang wie in der chilenischen Atacama-Wüste, wo 2010 alle 33 verschütteten Bergmänner nach 69 Tagen in einer spektakulären Aktion gerettet werden konnten. Dabei schauten über eine Milliarde Menschen weltweit zu. Der Kampf um das Leben der Kumpels bot alles, was moderne Fernsehunterhaltung braucht: Thriller, Märchen, Drama - in Echtzeit rund um die Uhr - und die Hoffnung auf ein Happy End - das Licht des Tages. Im gleichen Jahr starben bei sieben Unglücken weltweit mindestens 276 Bergleute - ein Fakt, der im Gegensatz zum Medienhype um die erfolgreiche Rettung in Chile in den Hintergrund trat. "artour" untersucht, warum Grubenunglücke zu Medienereignissen werden und erinnert dabei auch an das schwerste Grubenunglück in der DDR, in dem die Stasi den Pressetext mit diktierte.
"artour"-Beitrag
von Lutz Pehnert
