artour | MDR FERNSEHEN | 30.08.2012 | Mit Video : Helga Hahnemann - Erinnerungen an die "Henne"
Sie sei doch nur "een kleenet Menschenkind", hat sie sich selbst in einem Lied besungen. Welch' Tiefstapelei! Helga Hahnemann war einer der größten und der beliebtesten Fernsehstars der DDR. "artour" erinnert an sie.
"Ick werde Quatschmacher", lässt sie mit vollster Überzeugung als junges Mädel ihre Mutter wissen. Es kommt, wie es kommen muss: Helga Hahnemann erobert schnurstracks die große Bühne.
1937 wird Helga Hahnemann in Berlin-Pankow geboren. Schule, Schauspielschule, dann das erste Engagement: 1959 debütiert die "Henne" wie sie bald ihr Publikum liebevoll nennt, im Kabarett "Pfeffermühle". In Leipzig erprobt sich die Berliner Schnauze drei Jahre lang, dann klopft auch schon das Fernsehen an: Sie tritt oft in der Politsatire-Sendung "Tele-BZ" auf. Alles wirkt noch recht ernst, bis sie 1977 mit ihrer ersten eigenen Show "Helgas Fittparade" den Friedrichstadtpalast füllt. Der Weg in den DDR-Fernseh-Olymp ist nur noch kurz: Schon 1979 moderiert sie die Fernsehshow "Ein Kessel Buntes". Mehr ist in der DDR-Unterhaltungsbranche nicht zu erreichen.
Schicksalhafte Begegnung mit Autorin
Helga Hahnemann kann alles: Schauspielern, Moderieren, Singen, Tanzen. Sie spielt im Friedrichstadtpalast, in der Fernsehsendung "Helgas Top(p)-Musike" und darf auch zu Gastspielen in den Berliner Westen. Vermutlich wäre sie nicht so weit gekommen, hätte es diese schicksalhafte Begegnung nicht gegeben:
1974 lernt Hahnemann die Berliner Texterin Angela Gentzmer kennen. Sie schneidert Hahnemann die "Diplom-Raumpflegerin Traudl Schulze" auf den Leib, ihre Paraderolle. Und die schreibt ihr Lieder wie "Wo ist mein Geld bloß geblieben", "Jetzt kommt dein Süßer" und "Hundertmal Berlin", die allesamt Hits in der DDR werden. Gentzmer wird nicht nur Hahnemanns Autorin, sondern auch gute Freundin. Nach Hahnemanns Tod veröffentlicht sie mehrere Bücher über sie.
Krankheit vereitelt Comeback
"Det mit dem Sterben passt mir jetzt überhaupt nich", soll sie kurz vor ihrem Tod gesagt haben. Hahnemann hatte noch viel vor. Nach dem Karriereknick durch die Wende wollte sie noch mal richtig loslegen. Doch ein hartnäckiger Reizhusten treibt sie im November 1991 zum Arzt: Die Diagnose lautet Lungenkrebs im Endstadium. Wenige Wochen danach stirbt sie - mit nur 54 Jahren. "artour" erinnert an die große Fernseh-Unterhalterin.
"artour"-Beitrag
von Hans-Michael Marten
