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artour | MDR FERNSEHEN | 27.09.2012 | 22:05 Uhr : Zum 75. Geburtstag: Erinnerungen an Jurek Becker

Als Kind überlebte er das Ghetto von Łódź und das KZ. Diese existentiellen Erfahrungen speisten Jurek Beckers ersten Roman "Jakob der Lügner". Sein Debüt machte ihn auch international bekannt. Nach seiner Ausreise aus der DDR wurde er besonders für das Drehbuch zur Fernsehserie "Liebling Kreuzberg" mit Manfred Krug gefeiert. Am 30. September wäre Jurek Becker 75 Jahre alt geworden. "artour" erinnert an den großen Autor und spricht mit seinem Freund Wolf Biermann und seiner Witwe Christine Becker.

Der ehemalige DDR-Schriftsteller bei der Festrede anläßlich seiner Ernennung zum Stadtschreiber des Frankfurter Stadtteils Bergen-Enkheim. Aufgenommen am 3. September 1982.
Jurek Becker bei der Festrede anlässlich seiner Ernennung zum Stadtschreiber des Frankfurter Stadtteils Bergen-Enkheim. Aufgenommen am 3. September 1982.

Der Vater war nicht gerade angetan, als er das Buch "Jakob der Lügner" seines Sohnes Jurek Becker las. Die literarische Verarbeitung ging ihm zu weit weg von der harten Realität hinter dem Stacheldraht. Jurek Becker war selbst noch ein Kind, als er ins Ghetto kam. Sein Vater fälschte das Geburtsdatum des Sohnes, machte ihn älter, damit die Nazis ihn nicht "auf Transport" in die Vernichtungslager schicken würden. So überlebte Becker den Holocaust.

Das Buch "Jakob der Lügner" war ursprünglich als Drehbuch für die DEFA gedacht, für die er arbeitete. Dort abgelehnt, nutzte Jurek Becker es als Grundlage für seinen ersten Roman - der dann doch verfilmt und als erster und einziger Film aus der DDR 1974 für den Oscar nominiert wurde. Im Dezember 1974 lief der Streifen im DDR-Fernsehen. In die Kinos kam der Film im April 1975. Ausgezeichnet wurde er mit dem "Nationalpreis der DDR zweiter Klasse" sowie auf den "25. Internationalen Filmfestspielen" in Westberlin mit dem "Silbernen Bären".

"Wir waren Verbündete"

Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann spricht über seinen alten Freund, den Drehbuchautor, Schriftsteller und DDR-Dissident Jurek Becker.

27.09.2012, 17:18 Uhr | 08:56 min

Das Verhältnis zwischen Opportunismus und Widerstand

Jurek Becker wollte Schriftsteller werden und war in der Nachkriegs-DDR angekommen. Nachdem er sich jedoch gegen die Ausbürgerung seines früheren Kommilitonen Wolf Biermann aussprach, wurden seine Texte in der DDR nicht mehr verlegt. 1977 reiste er selbst aus, veröffentlichte weitere Romane und schrieb das Drehbuch für die TV-Serie "Liebling Kreuzberg", die ein riesiger Erfolg wurde. In seinen neuen Romanen und Texten ging es nun um das Verhältnis zwischen Opportunismus und Widerstand. 1993 stellte Becker selbst fest, dass er ausgereist sei, um frei schreiben zu können, seine Texte aber nun immer wieder von der DDR erzählten, einem Land, das es nicht mehr gab und in dem er 15 Jahre zuvor das das letzte Mal gewesen war.

Am 30. September wäre Jurek Becker 75 Jahre alt geworden. "artour" erinnert an den großen Autor und spricht mit seinem Freund Wolf Biermann und seiner Witwe Christine Becker.

Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2012, 13:48 Uhr

"artour"-Beitrag:

Von Tim Evers

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