artour | MDR FERNSEHEN | 18.10.2012 | 22:05 Uhr : "Mama illegal" - Illegale Putzfrauen und ihre zurückgelassenen Kinder
Etwa 40.000 Kinder gelten im armen Moldawien als Sozialwaisen, weil deren Eltern im Ausland arbeiten müssen. "artour" berichtet über den Film des Österreichers Ed Moschitz, der von dieser Tragödie erzählt.
Aurica ist eine Putzfrau aus Moldawien, sie arbeitet in Wien, heimlich, unsichtbar, illegal. Eine Schlepperbande hat sie für viel Geld aus ihrer Heimat geschleust, damit sie im Ausland den Unterhalt für ihre Familie verdienen kann. Seit zwei Jahren hat Aurica ihre Kinder nicht gesehen. Die Trennung von der Familie ist der Preis für ihre Zukunft. Etwa 40.000 Kinder gelten in Moldawien als Sozialwaisen, weil deren Vater oder Mutter im Ausland arbeiten.
Ärmstes Land Europas
Der Österreicher Ed Moschitz erzählt von dieser Tragödie. Er hat sowohl die Mütter in der Illegalität als auch die Familien in Moldawien über sieben Jahre hinweg mit der Kamera begleitet. Moldawien - eine frühere Sowjetrepublik - ist das ärmste Land Europas. Die Arbeitslosigkeit beträgt 80 Prozent. Von vier Millionen Moldauern hat eine Million das Land verlassen. Es sind vor allem Frauen, die gehen, weil sie in Westeuropa als billige Haushaltshilfen und Altenpflegerinnen willkommen sind. Zurück bleiben die Kinder. Wie Diana, die Tochter von Aurica. In sehr eindringlichen Szenen zeigt der Film, wie sehr das Mädchen ihre Mutter vermisst. In der Schule gelingt es ihr nicht, das Muttertagsgedicht aufzusagen, ohne in Tränen auszubrechen.
"Mama illegal" ist ein erschütternder Film über Menschen, die keine Geschichte haben, weil sie versteckt in unseren westeuropäischen Städten leben. Für Ed Moschitz ist ihr Schicksal kein fernes Problem. Allein in Österreich gibt es zwischen 50.000 und 100.000 illegal lebender Menschen. "Wir haben diese Menschen hierher geholt. Eines ist klar, diese Frauen gehen nicht nach Westeuropa, weil sie fleißiger sind als die Männer. Sie gehen nach Westeuropa, weil es einen Bedarf an diesen Arbeitskräften gibt. Wir haben diese Menschen geholt, wir sind Teil dieses Migrationsproblems. Wir können nicht so tun, als ginge uns das alles nichts an", sagt Moschitz.
"artour"-Beitrag
von Lutz Pehnert
Angaben zum Film
Dokumentarfilm
Autor, Drehbuch, Regie: Ed Moschitz
Österreich, 2011
Länge: 98 Minuten
"Mama illegal" bei DOK Leipzig
"Mama Illegal" ist am 30. Oktober und 2. November beim Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm zu sehen.
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