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MDR FERNSEHEN | 02.09.2012 | 23:35 Uhr : Meine Familie, die Nazis und Ich

Ein Film von Chanoch Ze'evi

Heinrich Himmler, Hermann Göring, Amon Göth - diese Namen erinnern ewig an die menschenverachtenden Verbrechen der Nazizeit. Sie sind eine Last, die ihre Nachfahren noch heute tragen. Wie leben sie mit ihrem Erbe? In der Dokumentation des israelischen Regisseurs Chanoch Ze'evi beginnen Kinder und Enkel der NS-Täter eine Aufarbeitung auf ganz persönlicher Ebene.

Familienidylle auf dem Gelände der Villa von Lagerkommandant Rudolf Höß. Die Höß-Kinder verbringen eine sorglose Zeit mit Spielzeug, das größtenteils von Häftlingen des KZ Auschitz gebastelt wurde.

So verschieden wie die Protagonisten des Films, so unterschiedlich sind auch die Wege, die sie gefunden haben, um mit ihrem schweren Familienerbe umzugehen. Vor der Kamera des israelischen Filmemachers öffnen sie sich und erzählen ihre persönliche Familiengeschichte. Ihre Aussagen geben einen lebendigen Einblick in das familiäre Herz einer ganzen Generation.

Niklas Frank auf einer Buchlesung für Schüler
Niklas Frank auf einer Buchlesung für Schüler.

Monika Göth bekämpft ihre Familienlast mit einer offensiven Israelliebe. Die Tochter von Amon Göth, dem sadistischen Lagerkommandanten des Konzentrationslagers Płaszów bei Krakau, lebt heute zurückgezogen in der bayrischen Provinz. Mit der Wahrheit über ihren Vater wurde sie erstmals als Teenagerin konfrontiert. Steven Spielbergs Holocaust-Drama "Schindlers Liste" öffnete ihr vollends die Augen über die Mordpraktiken Amon Göths, die ihm den Beinamen "Schlächter von Płaszów" eintragen hatten: Der Kinobesuch endete für sie mit einer ärztlichen Behandlung nach schwerem Schock.

Niklas Frank lässt an seinen Eltern kein gutes Haar. Der Sohn von Hans Frank, dem Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete, schreibt in zwei Büchern schonungslos über die Vergehen seiner Familie. Seine Anklageschrift trägt er auszugsweise für Schulgruppen vor und ruft auf seinen Lesungen starke Emotionen hervor.

"Das Knacken deines Genicks ersparte mir ein verkorkstes Leben. Wie hättest du mir mit deinem Gewäsch das Gehirn vergiftet! Wie der schweigenden Mehrheit meiner Generation, die nicht das Glück hatte, den Vater gehängt zu bekommen. Deshalb bin ich froh, dein Sohn zu sein. Wie arm sind Millionen andere Kinder dran, deren Väter das gleiche Geschwätz voll Hinterlist und Feigheit, voll Mordlust und Unmenschlichkeit von sich gaben, aber nicht so prominent waren wie du."

Niklas Frank
Auszug aus seinem Buch "Der Vater: Eine Abrechnung"

Familienidylle auf dem Gelände der Villa von Lagerkommandant Rudolf Höß Die Höß-Kinder verbringen eine sorglose Zeit mit Spielzeug, das größtenteils von Häftlingen des KZ Auschitz gebastelt wurde.
Die Höß-Kinder spielten mit Spielzeug, das größtenteils von KZ-Häftlingen gebaut wurde.

Extrem ist auch das Beispiel der Großnichte von Hermann Göring, Oberbefehlshaber der Luftwaffe und lange Zeit Hitlers designierter Nachfolger. Bettina Göring lebt seit vielen Jahren in einem entlegenen Ort in New Mexiko, USA.

Sie hat sich für den Neuanfang unter einem neuen Namen entschieden und beobachtet ihre Heimat nur noch aus der Ferne. Gemeinsam mit ihrem Bruder hat sie sich für die Sterilisation entschieden, "um keine weiteren Görings zu produzieren".

Den entgegengesetzten Weg hat Katrin Himmler gewählt. Als Großnichte von Heinrich Himmler hat sich die Ahnenforscherin auf die eigene Familiengeschichte spezialisiert. Ihr Drang, alle Verstrickungen ihres Umfeldes aus der Zeit des Nationalsozialismus offenzulegen, stößt nicht nur auf Gegenliebe. Doch die Autorin ist überzeugt, dass man nur im Dialog voranschreiten kann.

Ich habe eigentlich nie Angst gehabt, dass ich so was erben könnte. Dass da in meinen Genen so etwas sein könnte, nach dem Motto: 'Das böse Blut von Heinrich.' Ich glaube, wenn ich so etwas denken würde, dann würde ich ja letztendlich die Nazis wieder bestätigen mit ihrer schwachsinnigen Überzeugung, dass alles nur vom Blut abhängt."

Katrin Himmler

Rainer Höß, der Enkel des Lagerkommandanten, trifft auf einen Überlebenden aus dem KZ Auschwitz.
Rainer Höß (li.) trifft auf einen Überlebenden aus dem KZ Auschwitz.

Den Dialog mit Holocaust-Überlebenden sucht Rainer Höß. Er ist der Enkel des langjährigen Lagerkommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß. Der Film begleitet ihn auf seiner Reise gemeinsam mit einem israelischen Journalisten in das ehemalige Konzentrationslager, neben dem sein Vater aufgewachsen ist. Die Fotos aus dem Familienarchiv zeigen eine idyllische Kindheit, während auf der anderen Seite der Mauer täglich Häftlinge umgebracht wurden.

Der internationale Dokumentarfilm lief bereits sehr erfolgreich auf zahlreichen internationalen Festivals, feierte eine vielbeachtete Premiere im israelischen Fernsehen und wurde von Fernsehsendern aus der ganzen Welt, von Schweden bis Kanada, von der Schweiz bis nach England, gekauft.

Zuletzt aktualisiert: 31. August 2012, 10:32 Uhr

Filmdaten

Regie: Chanoch Ze'evi
Produktion: Maya Productions, Israel
Land: Israel, Deutschland
Jahr: 2011

"Meine Familie, die Nazis und Ich", ist eine Koproduktion von Maya Productions (Israel) und Saxonia Entertainment (Deutschland) für den MDR (federführend), WDR und SWR.

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