artour | MDR FERNSEHEN | 26.01.2012 | 22:05 Uhr : Meissner Porzellan - Geld verdienen mit "Sachsens Seele"?
"Es ist Kulturgut, es gehört zu unserer Identität und es verkörpert die Seele Sachsens, das Meissner Porzellan", so sagte der sächsische Staatsminister für Finanzen Georg Unland im Interview mit artour. Er muss es wissen, denn er verwaltet als Finanzminister die öffentlichen Anteile an der Meissner Porzellanmanufaktur. Die liegen immer noch bei 100 Prozent, und das soll, so sagt Unland, auch so bleiben. Eine große Verantwortung: Dieser Betrieb ist schließlich keine Fabrik, deren Produktion man ohne Weiteres rationalisieren kann, deren Fertigung man einfach umstellt.
Problem: es stagniert der Umsatz
Etwa seit dem Jahr 2000 stagnierte der Umsatz der Porzellanmanufaktur. Lag es am sich verändernden Markt oder an der mangelnden Innovationskraft? In Dresden begann man sich um die Zukunft Sorgen zu machen und reagierte.
Mit zwei Schwertern zur internationalen Luxusfirma?
Seit 2008 gibt es einen neuen Geschäftsführer, Dr. Christian Kurtzke. Sein Entwurf für die Zukunft heißt vor allem: Geld verdienen. Der Umsatz soll steigen. Zu diesem Zweck will Dr. Kurtzke die staatliche Porzellanmanufaktur zur weltweiten Luxusfirma umbauen. Nur noch ca. 50 Prozent des Umsatzes möchte Kurtzke mit "Tisch und Tafel" machen, die andere Hälfte mit Kunst, Möbeln, Textilien, Schmuck, Wandfliesen und ähnlichem. Die weltweit bekannten, hervorragend beleumundeten gekreuzten Schwerter als Steigbügel in die Luxusklasse?
Wie erfolgreich ist das neue Konzept?
Das klingt gut, ist aber riskant. Wie weit kann man sich vom traditionellen Werkstoff Porzellan entfernen, ohne die Sammler und die Traditionalisten zu verprellen? Hat die Porzellanmanufaktur überhaupt das Potential, um Schmuck, Möbel und Textilien herzustellen oder muss man sich dieses Knowhow teuer einkaufen? Wie zuträglich für den guten Ruf sind Massenentlassungen beziehungsweise Vorkommnisse wie der "Polterabend" im Oktober 2010? Tatsache ist, obwohl Dr. Christian Kurtzke sich selbst als Sanierer der Firma preist, das Geschäftsergebnis von 2008 bis 2010 ist negativ. Wie sieht es aus für das Geschäftsjahr 2011? "artour" fragt: Rollt nun der Rubel mit der Seele Sachsens?
artour-Beitrag
Titus Richter und Sören Harder
