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artour | MDR FERNSEHEN | 20.09.2012 | mit Video : Vom Tagebauloch zum Neuseenland: Kulturtourismus pur?

Dolce Vita am Cospudener See, Rafting am Markkleeberger und "Vineta" im Störmthaler See - all das zieht schon heute Einheimische und Besucher ins Neuseenland bei Leipzig. Doch das Großprojekt, das ein riesiges ehemaliges Tagebaugebiet in eine rekultivierte Landschaft mit 25 Seen verwandeln soll, die auch miteinander verbunden sind, stagniert gerade. "artour" über die Vision und die Realität.

Menschen am Cospudener See

Werden Leipzig und Hoyerswerda Hafenstädte? In Ansätzen ist das Neuseenland bereits sichtbar. 25 Seen sollen auf einer Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 100 Kilometern entstehen. Das ergibt eine Wasserfläche so groß wie Müritz und Schweriner See zusammen. Eine riesige Seenlandschaft also, die die Thüringer, Sachsen und Sachsen-Anhalter zur Erholung und zum Wassersport einlädt. Idee und Vision sind faszinierend: Den preiswerten Familien- oder Kurzurlaub könnte man am neuen Zwenkauer See verbringen, abends per Boot am Leipziger Stadthafen anlegen und dann noch flanieren oder in die Oper gehen. Es ist nicht unrealistisch.

Bundes- und Landeszuschüsse versiegen

Im Leipziger Süden und auch in der Lausitz werden seit Jahren Tagebaulöcher geflutet, Abbaulandschaften aufgeforstet und Radwanderwege angelegt. Dafür wurden bisher etwa zwei Milliarden Euro investiert - aus öffentlichen Mitteln. Doch jetzt scheint die Vision vom "Venedig des Ostens" auf halber Strecke baden zu gehen. Bundes- und Landeszuschüsse versiegen, wichtige Bauvorhaben, um neue Wasserflächen zu verbinden und schiffbar zu machen, müssen abgespeckt und gestreckt werden. Rückt der Traum des Neuseenlandes in weite Ferne?

Belantis-Chef Nikolaus Job vermisst hochkarätige Investitionen und eine große Leitidee. Das Motto "Jedem Bürgermeister seinen Hafen, sein Eiscafe, seinen Strand und seine Ferienanlage" reiche nicht. Zwar ziehen die Seen jetzt schon 400.000 Besucher pro Jahr an. Doch die Renaturierung einer ausgebeuteten Landschaft und attraktive Wasserverbindungen zu städtischen Kulturangeboten reichen nicht aus, um die von den Planern erhofften zwei Millionen Besucher ins Neuseenland zu locken. Diskutiert wird derzeit beispielsweise noch, ob das Konzept eher Touristen anziehen oder doch vor allem der Naherholung dienen soll.

Schwimmende Kirche "Vineta" geht vor Anker
Die schwimmende Kirche "Vineta" am Störmthaler See

"artour" spricht mit Rüdiger Pusch, der das Vineta-Projekt am Störmthaler See betreibt - eine Spurensuche nach den Dörfern, die einst für den Tagebau weggebaggert wurden. Er erzählt von seiner Version des wassernahen Kulturtourismus. Freizeitmanager Nikolaus Job kritisiert die "Kirchturmspolitik" der Akteure und verlangt, jetzt "durchzustarten". Der sächsische Landtagsabgeordnete Michael Weichert fordert eine nachhaltige Entwicklung des Neuseenlandes und verlangt mehr praktische Unterstützung durch den Regierungschef in Dresden. "artour" zum Stand der Dinge.

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2012, 23:08 Uhr

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