artour | MDR FERNSEHEN | 01.12.2011 | Mit Video : Andrea Hanna Hünniger - "Das Paradies"
"Das Paradies" ist ein Buch über die DDR, beziehungsweise deren Spuren im Leben von Andrea Hünniger. Sie war fünf Jahre, als ihr Heimatland verschwand. "artour" über ein Wendebuch, das keines sein soll.
Andrea Hünniger ist 1984 geboren und hat die Wende nicht bewusst erlebt, sondern mit Kinderaugen. So sind viele ihrer Erinnerungen weniger kritisch analytisch, als kindlich naiv. Sie erzählt von Schlangen am neu gebauten Supermarkt, bunten Regalen, gern angenommenen Werbegeschenken.
Land als Phantom
Ihre Erinnerungen an die DDR dagegen sind secondhand. Es sind vor allem die Erinnerungen der Anderen. Wenn im Alter von fünf Jahren eine Revolution passiert, kann man das nicht begreifen. Das versucht sie in diesem Buch auch aus der Erwachsenenperspektive nicht. Es ist ein persönliches Buch darüber, wie es sich anfühlt, wenn das Land, in dem man geboren wurde, von einem Tag auf den anderen Tag nur noch ein Phantom ist.
Ihre Worte aus distanzierter Perspektive machen den Einfluss dieses Phantoms auf ihre Jugend deutlich: Die früher systemtreuen Eltern schweigen. Der Vater wird krank, die Mutter findet sich in einer ABM-Stelle wieder. Sie sind überfordert. Unsicherheiten weit und breit. Zuflucht für die junge Andrea wird das Paradies: Eine Kleingartenanlage, in der sie mit der Clique - anderen Wendekindern - abhängt. Das Buch ist weder Popliteratur noch ein pur biografischer Roman. Er bewegt sich zwischen den Welten eines naiven Mädchens, das in einer Zeit des Umbruchs groß wird und einer jungen Erwachsenen, die spürt, welchen Einfluss die DDR auf ihr Leben hat.
"artour"-Beitrag:
von Lutz Pehnert
Buchtipp:
Hünniger, Andrea H.:
Das Paradies
Meine Jugend nach der Mauer.
Tropen bei Klett-Cotta, 2011
ISBN 3-608-50305-6
ISBN 978-3-608-50305-0
17,95 EUR
