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artour | MDR FERNSEHEN | 04.10.2012 | Mit Video : Pussy Riot in Wittenberg

Zwei Jahre Lager für 30 Sekunden putinfeindlichen und kirchenkritischen Punk? Dagegen regte sich weltweit Protest. In Wittenberg soll die Band nun mit dem Preis der Lutherstädte geehrt werden. Doch es hagelt Kritik. "artour" über Pro & Contra.

Die Mitglieder der Punkband Pussy Riot

Pussy Riot - der Name wurde in den letzten Wochen zum Symbol für Ungerechtigkeit und Unfreiheit in Russland. Sinead O'Connor fordert in einem Brief an Putin die Freilassung der Musikerinnen, sie werden den diesjährigen Lennon-Ono-Friedenspreis erhalten, weltweit gibt es Konzerte und Forderungen nach Freilassung der inhaftierten Frauen, die jetzt trotz Berufung zwei Jahre Straflager abbüßen müssen für ihre regimekritische Punkpredigt in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau. Besonders im Ausland kritisiert man den russischen Staat und seine Justiz für diese harte Strafe. Das Europaparlament nominierte die Band für den diesjährigen Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit.

"Das unerschrockene Wort"

In Wittenberg wollte man da nicht abseits stehen und die Musikerinnen mit dem Preis der Lutherstädte "Das unerschrockene Wort" auszeichnen. Doch dagegen gibt es Widerstand. Heinz Wehmeier, Leiter der Deutsch-Russländischen Gesellschaft, ist schockiert. In einem Zeitungsinterview sagte er, die Entscheidung, eine Band zu nominieren, die Gotteslästerung betreibe und mit wüsten Beschimpfungen operiere, beruhe auf "einer großen Unwissenheit" über die Kirche und über Russland. 

Der Wittenberger Probst Siegfried Kasparick behauptet: "Wittenberg macht sich lächerlich". Der Auftritt der Frauen in der Christ-Erlöser-Kathedrale habe Menschen und ihre religiösen Gefühle tief verletzt. Probst erinnerte daran, dass die Moskauer Kathedrale, das zentrale Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche, ein Symbol sei.

Die Kritiker der Wittenberger Nominierung erhalten auch Unterstützung aus der Politik: Heiner Friedrich List von der Allianz der Bürger will erreichen, dass der Beschluss des Stadtrates zurückgenommen wird und neu über die Nominierung entschieden werden soll. Er könne nicht verstehen, dass eine Stadt mit so christlichen Wurzeln wie Wittenberg "chaotischen Weibern, die vermummt in eine Kirche eindringen, sich diskriminierend und beleidigend äußern", einen Preis zukommen lassen wolle. 

Auch im orthodox geprägten Russland polarisiert Pussy Riot. Laut Umfragen eines unabhängigen Instituts waren über 80 Prozent der Russen für eine Bestrafung der drei Sängerinnen. Über ein Drittel der Befragten sprach sich sogar für eine Gefängnisstrafe aus.

Pro & Contra

Pussy Riot - Vorkämpferinnen für die Meinungsfreiheit und Demokratie? Oder nur randalierende Antichristen? "artour" spricht mit Werner Schulz von den Grünen, der gemeinsam mit 45 Abgeordneten im Europaparlament Pussy Riot für den Sacharow-Preis nominiert hat. Und trifft in Wittenberg Heinz Wehmeier, Leiter der Deutsch-Russländischen Gesellschaft, der Probst Siegfried Kasparick und Heiner Friedrich List von der Allianz der Bürger.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2012, 23:02 Uhr

"artour"-Beitrag:

Von Tom Fugmann

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