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artour | MDR FERNSEHEN | 19.07.2012 | 22:05 Uhr : Schlösser - zwischen Abrisswahn und Lebenstraum

Nicht aus dem Studio, sondern aus dem Rokoko-Schloss meldet sich Thomas Bille diesmal: In Mosigkau bei Dessau in Sachsen-Anhalt hat er Quartier bezogen, von dort aus erkundet er die Spuren mitteldeutscher Schlösser, die zwischen 1947 und 1949 verschwanden. Er hinterfragt den Traum vom Leben auf dem Schloss und berichtet vom traurigen Schicksal von Schloss Hummelshain bei Jena, das allmählich zerfällt.

Wussten Sie, dass 1947 mehr als 200 Schlösser in Mitteldeutschland willkürlich zerstört wurden? Die DDR war bekannt für ihre ideologisch motivierten denkmalpflegerischen Schandtaten. Düstere Momente wie die Sprengung des Berliner Stadtschlosses 1950 und der Leipziger Universitätskirche 1968 sind auch in Bildern überliefert. Längst vergessen aber ist eine beispiellose Kulturvernichtungswelle, die schon 1947 durch Ostdeutschland, die Sowjetischen Besatzungszone, rollte. Von den etwa 1.200 Schlössern und Herrensitzen in Sachsen und Thüringen wurden auf Befehl der Sowjetischen Besatzungsmacht mehr als 200 völlig intakte Baudenkmäler gesprengt und abgerissen.

Der Befehl 209: Ideologie und Abrisswahn

Von Hunderten Schlössern blieb nichts übrig als ein paar alte Stiche, vergilbte Fotos und in einigen wenigen Fällen die Erinnerung. Begründet wurde der "Befehl 209" der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) mit der nach der Bodenreform notwendigen Gewinnung von Baumaterial für die Häuser der Neubauern. Aber diese Recycling-Absicht war nur eine Schutzbehauptung. Tatsächlich ging es auch hier um eine ideologische Frage. Der verhassten Feudalklasse wollte man ein für alle Mal den Boden entziehen, indem man ihre Häuser in Schutthaufen verwandelte. Es traf Kriegsverbrecher genauso wie Nazigegner. Die Abrissaktion wurde von deutschen Behörden und Firmen geplant und durchgeführt. Gras sollte wachsen, wo einst Schlösser standen.

Das Beispiel Seerhausen

In Seerhausen bei Riesa waren es die Menschen selbst, die sich an ihr verschwundenes Herrenhaus erinnern wollten. Sie gruben die Fundamente aus und bastelten ein Modell ihres Schlosses. Am Beispiel Seerhausen erzählt "artour", wie sehr der "Befehl 209" noch heute nachwirkt, vermutlich an ganz vielen Orten in Mitteldeutschland. Zum ersten Mal kommt damit dieses Thema, das bisher nur in Historiker-Fachkreisen oder in Dorfkneipen diskutiert wurde, in die breite Öffentlichkeit.

Außerdem in der "artour"-Sendung:

Schlösser-Spezial im MDR FERNSEHEN und bei MDR FIGARO:

MDR FERNSEHEN | Finale am 04.08.2012: Der MDR Burgen- und Schlössersommer

Mitteldeutschlands Schlösser und Burgen sind wunderschön und gerade im Sommer einen Besuch wert. Der MDR stellte Ihnen in dieser Serie die schönsten Schlösser vor. [mehr]


Thema + Serie | MDR FIGARO | 20.07.2012 | 18:05 Uhr: Auf der Suche nach dem verlorenen Gut

In einer sechsteiligen Serie und einem Thementag stellt MDR FIGARO Gutshäuser, Herrenhäuser, Schlösser und deren neue Besitzer vor. Erzählt werden Geschichten von Sehnsucht und Träumen, vom Scheitern und Aufrappeln. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2012, 13:54 Uhr

"artour"-Beitrag:

Von Hans-Michael Marten

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