Weitere Themen bei "artour" | 16.08.2012 | mit Video
80 Jahre Autobahn
"Die Fahrbahn ist ein graues Band, weiße Streifen, grüner Rand. Jetzt schalten wir das Radio an, aus dem Lautsprecher klingt es dann: Wir fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn." So beschallte Kraftwerk in den 1970er Jahren die Republik. Die Hymne auf die deutsche Autobahn. Doch wer hat sie erfunden? Die Nationalsozialisten wird gemeinhin vermutet, was allerdings nicht stimmt. Konrad Adenauer gab schon 1932 - damals als Kölner Oberbürgermeister - die erste "Kraftwagenstraße" frei. Die Landstraße zwischen Köln und Bonn galt damals als die am stärksten befahrene Straße des Deutschen Reiches. Adenauers Idee: Fußgänger, Radfahrer und Tierherden sollten weichen und den Autos allein die Straße überlassen. Die erste deutsche Autobahn, die spätere A555, ward geboren.
80 Jahre ist das nun her. "artour" erzählt von der deutschen Autobahn, über freie Fahrt für freie Bürger - ohne Tempolimit. Doch wie steht es heute um unsere individuelle Massenmobilität? Was ist dran am Mythos Autobahn? Wir fragen ZEIT-Kolumnist Harald Martenstein und Schriftsteller Thomas Brussig: Mit ihnen erkunden wir den Mythos der deutschen Autobahn in West und Ost.
"artour"-Beitrag: Rayk Wieland
Ingo Schulzes neues Buch "Unsere schönen neuen Kleider”
Stéphane Hessels Streitschrift "Empört euch" ist wieder in aller Hände - und aller Munde. Auch Ingo Schulze hat nun einen politischen Essay veröffentlicht. Er beruht auf einer "Dresdner Rede", die Schulze im Februar dieses Jahres im Staatsschauspiel gehalten hat. Wer denkt da nicht an "Des Kaisers neue Kleider"? Kein Untertan will zugeben, dass der Kaiser nicht die schönen neuen Kleider trägt, sondern stattdessen nackt daherstolziert. Es braucht ein kleines Kind, das endlich mit der Wahrheit rausrückt: "Aber er hat ja gar nichts an!"
Ingo Schulze hat nicht von ungefähr das Andersen-Märchen als Titelgeber für sein neues Buch gewählt. Auch er sieht sich in der Rolle des Kindes, das unverblümt die Wahrheit spricht. Das Buch entspinnt sich um ein Zitat von Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Insofern werden wir Wege finden, wie die parlamentarische Mitbestimmung so gestaltet wird, dass sie trotzdem auch marktkonform ist." Der Dresdner Autor plädiert stattdessen: "Gegen eine marktkonforme Demokratie - für demokratiekonforme Märkte" - so auch der Untertitel seines Taschenbuches. "artour" hat mit Schulze über die "schönen neuen Kleider" der Demokratie gesprochen.
"artour"-Beitrag: Hans-Michael Marten
Vorgestellt: Die Band "Adolar"
Am liebsten spaziert er den ganzen Tag zu Hause im Nachthemd herum. Des Nachts fliegt er mit einer geheimen Rakete in den Weltraum: Adolar, Held der ungarischen Trickfilmserie "Adolars phantastische Abenteuer". 1973 lief die Serie erstmals DEFA-vertont im Fernsehen. Heute spielt "Adolar" auch im echten Leben und auf der Bühne: Vier Jungs aus Sachsen-Anhalt, die einen wilden Indie-Rock-Pop-Punk-Post-Hardcore-Mix spielen. Während sich Trickfilmheld Adolar dem langweiligen Alltag verweigert, lehnt die Band konsequent ein gängiges Musik-Genre ab. Die üblichen Schubladen dürfen bitte zubleiben.
2008 gründete sich die Band in der Altmark, 2010 erschien ihre erste Platte. 2011 wird gleich das nächste Album geliefert: "Zu den Takten des Programms". In der ersten Single-Auskopplung geht es ums nächtliche Kennenlernen, um den Austausch von vermeintlichen Gemeinsamkeiten auf der Tanzfläche: Auch Virginia Woolf und Friedrich Dürrenmatt bekommen da im Sinnlos-Party-Geplänkel ihren Auftritt. "Tanzenkotzen" heißt der Song, mit dem Adolar im Video sogar die altehrwürdige Leipziger Universitätsbibliothek Albertina beschallt. Auf dem aktuellen Album ist auch "Leidzins To Kill" - ein großartiger Song, was den Titel anbelangt. Das Musikmagazin Rolling Stone schreibt, Adolar sprenge "herrlich unbekümmert die Grenzen des guten Rockgeschmacks und ist dabei in jeder Sekunde reinster Diskurspop." Den wollte sich "artour" mal genauer anhören und begleitete die Band auf ihrer Tour.
"artour"-Beitrag: Marcus Fitsch
Geschichte Mitteldeutschlands: "Erich Honecker - der Weg zur Macht"
Walter Ulbricht köpft gerade sein Frühstücksei, als auf der Terrasse seiner Sommerresidenz in Groß Dölln plötzlich Erich Honecker mit zwei Personenschützern auftaucht. Honecker hat eine schwarze Aktentasche dabei, die ein brisantes Papier enthält. Eine vorformulierte Rücktrittserklärung, die Ulbricht unterschreiben soll. Im April 1971 putscht Honecker so seinen politischen Ziehvater aus dem Amt und setzt sich selbst an die Spitze von Partei und Staat. Was genau vonstatten ging, erzählt der Film "Erich Honecker - der Weg zur Macht". Er ist Auftakt für eine neue Staffel der "Geschichte Mitteldeutschlands".
"artour"-Beitrag: Christian Schulz
Buchtipp:
von Schulze, Ingo
Unsere schönen neuen Kleider
Gegen eine marktkonforme Demokratie - für demokratiekonforme Märkte.
Hanser Berlin, 2012
ISBN 3-446-24091-8
10.00 EUR
Tourdaten "Adolar"
17.08. Highfield-Festival, Großpösna
18.08. Arena 4-Festival, Borkenberge
