artour | MDR FERNSEHEN | 04.10.2012 | Mit Videos : Weitere Themen bei "artour"
DDR-Museen - Wallfahrtsorte der Ostalgie
Die Erinnerung an die DDR, an Produkte, Möbel und Alltagszeugnisse verblasst nicht. Im Gegenteil - je länger die DDR nicht mehr existiert, umso musealer wird alles, was mit ihr in Verbindung gebracht wird. Inzwischen gibt es in jedem dritten Dorf ein DDR-Museum. Und es werden immer mehr. In der Provinz tobt ein kurioser Kult der Erinnerung. In die Vitrine kommt alles, vom alten Gurkenglas bis zum Eierbecher. Das Bild der DDR schwankt hier zwischen einer Diktatur von Orwellschem Ausmaß und einem Atlantis aus Plaste und Elaste. DDR-Museen sind wie Rumpelkammern der Erinnerung. Aber wovon erzählen sie wirklich? Was wird hier bewahrt? Und warum? "artour" geht auf einen Streifzug durch die DDR-Museen und Ostalgie-Kabinette in der Provinz - von Klettenberg über Podelwitz bis nach Pirna.
"artour"-Beitrag: Von Hans-Michael Marten
Film: "3 Zimmer, Küche, Bad"
Mitte, Ende Zwanzig - das ist die Zeit zwischen Spaß und Erwachsensein, zwischen Geldmangel und Karriereplanung. Es ist die Zeit der Suche, nach sich selbst und nach dem richtigen Partner. Nach dem Platz im Leben und in der Welt. Und es ist die Zeit der ersten eigenen Wohnung.
Der Regisseur Dietrich Brüggemann erzählt in seiner Komödie "3 Zimmer, Küche, Bad" vom Zusammenziehen, Auseinanderziehen, Umziehen und Ankommen. Acht Freunde wechseln innerhalb eines Jahres ihre Bleibe. Es treibt sie quer durch Berlin und manchmal auch weiter weg.
Der Film erzählt in realistischen Bildern von den Geschichten die dazu geführt haben, wieder einmal die Kisten zu packen: Zerbrochene Liebe, neue Liebschaften und Freundschaft. Der Film handelt von einer neuen Generation, die weniger Ideale hat als ihre Eltern, aber auch weniger Geld. Die nicht mehr genau weiß, wohin sie will, und die trotzdem irgendwo bleiben muss. "3 Zimmer/Küche/Bad" ist ein lustiger Film über Mit- und Endzwanziger, über das Lebensgefühl der WG-ler und Singles von heute.
"artour"-Beitrag: Von Lutz Pehnert
Will Grohmann - Wegbereiter der Modernen Kunst
Welche Bedeutung hat ein Kunstkritiker für die Kunst? Und was haben Kandinsky, Klee, Miro und Feininger mit Dresden zu tun? Sie alle gehören zum sogenannten "Netzwerk der Moderne", das Will Grohmann in Dresden etablierte. Grohmann, heute fast vergessen, war ein Kritikerpapst der Nachkriegs-Moderne. Er schrieb über Kunst, die anfangs kaum jemand verstand und machte sie salonfähig und damit populär. Seine Monografien sind heute Standardwerke.
In die Kreise um die Dresdner Sezession 1919 kam er, weil er sich selbst als Künstler versuchte. Die Sachlichkeit löste den Expressionismus ab, alles war in Bewegung. In dieser explosiven Zeit wurde Will Grohmann zum Kritiker und Organisator, der die Abstrakte Kunst - zum Beispiel Wassily Kandinskys - förderte. Als in den 1930er-Jahren ihre Diffamierung begann, verlor Grohmann als ihr Verfechter seine Stelle als Assistent bei der Dresdner Gemäldesammlung, doch er schrieb weiter Kritiken und machte die deutsche Avantgarde in Frankreich bekannt. Gleich nach dem Krieg engagierte er sich wieder in Dresden: Grohmann organisierte 1946 die erste Deutsche Kunstausstellung mit. Anlässlich seines 125. Geburtstages zeigt nun eine große Ausstellung in der Kunsthalle im Lipsiusbau eine Auswahl der Gemälde von damals. Und noch mehr: Insgesamt 220 Werke der von ihm im Laufe seines Lebens geförderten Künstler sind ausgestellt. Einige der Bilder sind zum ersten Mal seit der Ausstellung "Entartete Kunst" (1933) zu sehen. Die aktuelle Ausstellung ist eine Hommage an den großen und international einflussreichen Kunstkritiker und an die Moderne Kunst, die er in die Öffentlichkeit trug.
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"artour"-Beitrag: Von Meinhard Michael
Edgar Külow - ein "artour"-Nachruf
Edgar Külow, der Schauspieler, Kabarettist und Kolumnist starb am 29. September 2012 in Berlin, kurz nach seinem 87. Geburtstag an den Folgen einer Operation. "artour" erinnert an den Publikumsliebling und Querdenker.
Sechs Jahre lang war Edgar Külow, unter anderem an der Seite von Helga Hahnemann, eine feste Säule der "Leipziger Pfeffermühle", einem der bekanntesten Kabarettensembles der DDR. Von 1961 bis 1964 war er ihr Direktor - bis er aufgrund "ideologischer Diversion" entlassen wurde. Das Programm, das zum Stein des Anstoßes wurde, hieß: "Wir wollen doch mal ehrlich sein." Beliebt beim Publikum, wurde er 1979 festes Ensemblemitglied im Deutschen Fernsehfunk (DFF). Er hatte schon vorher in zahlreichen TV- und Kinofilmen mitgespielt, unter anderem in "Paul und Paula" und "Schwester Agnes". Später folgten unter anderem Rollen im Polizeiruf. Edgar Külow blieb aber auch dem Kabarett treu und spielte in der "Berliner Distel". Neben dem Schauspiel schrieb Edgar Külow für den "Eulenspiegel" und die "Junge Welt" und veröffentlichte Bücher, unter anderem 1996 "Koslowski in Weimar: Ruhrpott-Willi erobert den Osten".
"artour"-Beitrag: Von Hans-Michael Marten
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Angaben zum Film
"3 Zimmer, Küche, Bad"
mit Jacob Matschenz, Katharina Spiering, Anna Brüggemann, Alexander Khuon, Robert Gwisdek, Alice Dwyer, Aylin Tezel, Amelie Kiefer, Daniel Nocke, Corinna Harfouch, Herbert Knaup
Regie: Dietrich Brüggemann
Deutschland, 2012
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