artour | MDR FERNSEHEN | 11.10.2012 | Mit Videos : Weitere Themen bei "artour"
Buch: "Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg" - Bekenntnisse eines Wohnungsauflösers
Ein neuer Auftrag. Hans-Jürgen Heinicke dreht den Schlüssel ’rum und tritt in eine fremde Wohnung. Er ist derjenige, der die lästige Aufgabe übernimmt, sie auszuräumen, weil es den Besitzer oder die Besitzerin nicht mehr gibt. Eine Haushaltsauflösung bedeutet auch die Lebensgeschichte von Menschen aufzudröseln. Sie bedeutet ihre Vergangenheit in Einzelteile zu zerlegen, denn diese steckt in jedem Detail, in jedem Möbelstück und jedem kleinen Gegenstand. Heinicke räumt nicht einfach aus. Er ist ein Schatzsucher. Auf der Suche nach dem besonderen Fund, den es in jeder Wohnung gibt, dringt er in den Lebensraum von Menschen ein, in ihre private Welt.
Gemeinsam mit dem Autor Fred Sellin hat er darüber nun ein Buch geschrieben, über Wohnungen, was vom Leben übrig bleibt und die Bilder, die er sich von Menschen macht - allein anhand ihrer Hinterlassenschaften.
Alles fing damit an, dass er von einer privaten Haushaltauflösung zwei kleine Bilder erwarb. Nicht auffällig, nicht groß. Sein Einsatz waren vierzig Mark, der Verkaufserlös lag bei über 200 Mark. Heute betreibt er einen kleinen Laden, in dem er das, was gemeinhin Trödel genannt wird, verkauft. Und er ist gut vernetzt mit Sammlern und Trödelhändlern, für die die Dinge noch von Nutzen sein können. "artour" geht mit Heinicke auf Schatzsuche.
"artour"-Beitrag: Simone Unger
"Savages" der neue Thriller von Oliver Stone
Hinter der sonnigen, schönen Fassade Kaliforniens bricht ein Drogenkrieg aus: Ein mexikanisches Kartell möchte den Markt übernehmen und muss dafür zwei amerikanische Dealer für sich gewinnen. Aus der anfangs erzwungenen Kooperation wird eine brutale Konfrontation, Taktiken und Schachzüge geraten außer Kontrolle. Den Stoff für Oliver Stones neuen Film "Savages" lieferte Don Winslows erfolgreicher Krimi "Zeiten des Zorns". Für die "Wilden" hat der Regisseur (u.a. "Platoon", "JFK", "Natural Born Killers") eine Topbesetzung zusammen gestellt: Salma Hayek spielt eine mexikanische Kartellchefin, Benicio del Toro einen kaltschnäuzigen Drogenboss und John Travolta verkörpert einen korrupten Drogenfahnder. Travolta verglich "Savages" unlängst mit "Pulp Fiction": Er sei genauso hip, nur aktueller. "artour" stellt den Film vor.
"artour"-Beitrag: Reinhold Jaretzky
Neukölln ist überall? Zur Buschkowsky-Debatte
Der Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky kämpft seit Jahren gegen Kriminalität, Macho-Kultur und Bildungsnotstand. Sein Stadtteil, Neukölln, ist besonders durch Zuwanderung geprägt. Nun behauptet er, Multikulti sei gescheitert und die Neuköllner Probleme gäbe es überall. Sein Buch ist ein düsteres Szenario über ein Berlin ohne Buletten, aber voller Integrationsverweigerer und Leistungsempfänger. Es wurde vergangene Woche unter Protesten vorgestellt. Es ist ein medialer Aufreger, auch weil Buschkowsky zuspitzt.
Hat er deswegen Unrecht? Buschkowsky meint, Integration passiere nicht einfach so. Doch sein Engagement für Integration scheint erfolglos, wenn man sich die Entwicklungen in Neukölln anschaut und seine Darstellung ernst nimmt. Aber entstehen gesellschaftliche Probleme allein auf Grund der ethnischen Herkunft der Bewohner? Gibt es die kriminelle Parallelgesellschaft wirklich und "überall"? Buschkowsky meint: "Wir sind nicht nur Einwanderungsland, sondern wir müssen es sein. Unsere Geburtenrate ist so katastrophal, dass wir Schrumpfgermanen geworden sind. Und mein Gedankenansatz ist: Wie können wir Einwanderung zum Benefit für die Gesellschaft machen?" Der Mann ist Realist. Das unterscheidet ihn von Rassisten und Rechtspopulisten. Das Fazit lautet deshalb: Buschkowskys Buch ist lesenswert. Denn: Die Zukunft ist multikulturell. Und sie geht alle an.
"artour"-Beitrag: Andreas Lueg
Deutscher Buchpreis 2012 für Ursula Krechel
Am 08.10.2012 wurde im Frankfurter Römer der Deutsche Buchpreis verliehen. Er ging an die Lyrikerin und Romanautorin Ursula Krechel für ihr Buch "Landgericht".
Ursula Krechels Thema sind die Emigranten, die Heimatlosen. Schon in "Shanghai fern von wo" beschäftigte sie sich damit, in "Landgericht" nimmt sie es wieder auf: Ein jüdischer Richter kommt nach dem Krieg aus der Emigration auf Kuba zurück nach Süddeutschland. Alles, was er möchte, ist irgendwo ankommen. Doch genau das gelingt ihm nicht in diesem Land, in dem alle nur vergessen wollen und nach vorn blicken.
"artour" hat Ursula Krechel auf der Frankfurter Buchmesse getroffen und stellt sie und ihren Roman vor.
"artour"-Beitrag: Marcus Fitsch
Buchtipp:
Hans-Jürgen Heinicke / Fred Sellin:
Was vom Leben übrig bleibt, kann alles weg. Fundstücke eines Wohnungsauflösers
Fischer Taschenbuch Verlag
Frankfurt a.M., 2012
Preis: 8,99 EUR
ISBN: 978-3-596-19520-6
Angaben zum Film
Laufzeit 131 Minuten
FSK 16
Kinostart 11.10.2012
Regisseur Oliver Stone
Mit: Salma Hayek, John Travolta, Uma Thurman, Trevor Donovan, Benicio del Toro u.a.
Buchtipp:
Buschkowsky, Heinz:
Neukölln ist überall
Ullstein HC, 2012
ISBN 3-550-08011-5
19,99 EUR
Buchtipp:
von Krechel, Ursula:
Landgericht
Roman. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2012.
Jung und Jung, 2012
ISBN 3-99027-024-9
29,90 EUR
