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Rückblick | BARBAROSSA | 26.08.2008

Meine Geschichte: Trockenlegung Friedländer Große Wiese

Sommer 1959: Aufmarsch in der Friedländer Großen Wiese. Ein Moor soll trockengelegt werden. Tausende Mitglieder der FDJ rücken an, weil die Landwirtschaft der DDR mehr Weideflächen für die Rinder braucht. Einer von ihnen ist Manfred Marquardt. Kein Held, sondern ein Lehrerstudent kurz vor dem Abschluss.

"Es war bekannt, dass wir Wegebau machen sollten. Es war auch bekannt, dass wir im Graben stehen würden und mit einem Drainagespaten Morast aus dem Graben schaufeln sollten. Das war das Hauptangebot. Das war eine freiwillige Sache."

Manfred Marquardt
Manfred Marquardt auf einem Moped; Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jung und verwegen: Manfred Marquardt 1959

Die ganze Geschichte

Es ist ein gigantisches und gewagtes Großprojekt, an dem bereits zwei Generationen gescheitert waren. Innerhalb von vier Jahren wird eine Fläche von 26.000 Fußballfeldern dem Moor abgetrotzt. Die jungen Mitglieder der FDJ haben keinen Zweifel an dem Sinn ihrer Arbeit. Doch infolge der Grundwassersenkung verschwinden Tier- und Pflanzenarten. Das trockengelegte Moor produziert nun viele schädliche Treibhausgase. Auch Manfred Marquardt ist ohne Argwohn dabei. Obwohl frisch verlobt, opfert er seinen letzten Sommer als Student der nassen Wiese.

"Wir hatten wirklich die ersten Tage Blasen an den Händen. Und es war jeden Tag 35 Grad im Schatten. Es gab aber keinen Tag, wo wir gesagt haben: so, jetzt ab nach Hause. Das kam nicht vor. Es hat auch keiner aus unserer Gruppe schlapp gemacht."

Manfred Marquardt
Manfred Marquardt; Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Manfred Marquardt widersteht Verlockungen

Blasen und Mückenstiche

Der Sommer 1959 ist heiß. Zehn Stunden pro Tag, sechs Wochen lang schuftet Manfred Marquardt für den Sieg über das Moor. Essen bekommen sie zwischen Spaten- und Mückenstichen, die Grüße nach Hause sind auf Postkarten vorgefertigt. Zu den Blasen an den Händen kommen Blasen an den Füßen, denn Gummistiefel sind Pflicht, egal bei welcher Arbeit. Trotz aller Sisyphos-Arbeit im Moor steht die Trockenlegung der Friedländer Großen Wiese auch für frohes Jugendleben und heiße Liebe. Doch Manfred Marquardt widersteht den Verlockungen.

"Nachdem wir uns frisch gemacht hatten und Abendbrot gegessen hatten, ging es fast immer in den Kulturraum. Bei Livemusik, Bassgitarre und Schlagzeug wurde so manches Tanzbein geschwungen. Es war so wie bei 'Egon und das achte Weltwunder' – manche hielten das auch geheim. Meine Verlobte war hier nicht mit. Ich hatte hier nichts weiter. Ich habe verzichtet – kann ich schwören."

Manfred Marquardt

Glücklich bis heute

1962 wird in der Friedländer Wiese feierlich das neue Weideland den LPG-Bauern übergeben. Bis zu 40.000 Rinder werden dadurch mit Futter versorgt. Und auch für Manfred Marquardt gibt es ein Happy End. Nach dem Sommer im Moor wird er 1959 hier als Junglehrer eingesetzt, heiratet ein Jahr später und blieb bis heute.

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Barbarossa Manfred Marquardt

Barbarossa Manfred Marquardt (22.08.2008)

Zuletzt aktualisiert: 06. Oktober 2008, 09:33 Uhr

 

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