Hintergrund : Der Hauptstadtflughafen - Eine unendliche Geschichte
Seit mehr als 20 Jahren läuft die Neuordnung der Flughäfen Schönefeld, Tegel und Tempelhof unter dem Dach der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). 1992 begann die Planung eines Großflughafens südlich von Berlin. Gegen die Empfehlungen aus dem Raumordnungsverfahren einigten sich die BBF-Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg 1996 auf Schönefeld. Die Flughäfen Tempelhof und Tegel sollten geschlossen werden. Anfangs war die Eröffnung des neuen Flughafens für 2007 geplant.
Probleme beginnen mit der Ausschreibung
Den Zuschlag für den Bau erhielt 1999 ein Konsortium um den Essener Baukonzern Hochtief. Dagegen zog der Bonner Mitbewerber IVG vor Gericht. Das Brandenburgische Oberlandesgericht kassierte den Vergabebescheid wegen verschiedener Verstöße beim Vergabeverfahren.
Es folgten jahrelange Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Politik. Neu ausgeschrieben wurde das Projekt nicht. Ende August 2002 vereinbarten Hochtief, IVG sowie sowie die Projektplanungsgesellschaft Schönefeld einen gemeinsamen Ausbau des Flughafens. 2008/2009 sollte er in Betrieb gehen.
Im Mai 2003 scheiterte eine Privatisierung der BBF, weil die Bewerber aus Sicht der Gesellschafter finanzielle Risiken abwälzen wollten. Der Flughafen sollte nun in öffentlicher Trägerschaft gebaut werden. Der Ausbau wurde am 13. August 2004 genehmigt. Die Betreiber versuchten die Kosten zu drücken, indem das Milliardenbauprojekt nicht als Paket vergeben wurde, sondern Einzelprojekte ausgeschrieben wurden.
Dauerstreit um Nachtflüge
Noch im gleichen Jahr reichten 4.000 Flughafengegner Klagen beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein. Im April 2005 verfügte das Gericht einen vorläufigen Baustopp. Anschließend wählte das Gericht vier Musterklagen aus, im Februar 2006 begann die mündliche Verhandlung. Hauptstreitpunkte waren die Lärmbelastung und die Standortentscheidung. Im März 2006 genehmigte das Gericht den damals noch Berlin Brandenburg International (BBI) genannten Airport unter Auflagen. So verlangten die Richter eine Einschränkung der Nachtflüge.
Daraufhin wurde im neuen Lärmschutzkonzept für 0 bis 5 Uhr ein Flugverbot festgelegt sowie Flugbeschränkungen in den Randzeiten. Eine erneute Klage betroffener Gemeinden und Anwohner wies das Bundesverwaltungsgericht ab. Anrainer streiten trotzdem weiter für ein umfassendes Nachtflugverbot. Bei einem Volksbegehren in Brandenburg kamen 2012 mehr als 106.000 Unterschriften zusammen. Jetzt muss der Landtag sich erneut mit dem Anliegen befassen. Lehnt das Parlament ein generelles Nachtflugverbot ab, kommt es zum Volksentscheid.
Außerdem gibt es weitere gerichtliche Auseinandersetzungen um die geplanten Flugrouten und den Schallschutz für Anwohner. Im Juli 2012 wurde aufgrund eines OVG-Beschlusses ein besserer Schallschutz verordnet. Die Flughafengesellschaft schlug daraufhin einen Kompromiss vor, den die Anrainer jedoch ablehnten. Trotz der anhaltenden juristischen Auseinandersetzungen wurden die Bauarbeiten für den Flughafen fortgesetzt.
Absage vier Wochen vor Inbetriebnahme
Im November 2011 begann der Probebetrieb. Getestet wurden unter anderem die Gepäckförderanlage und das Check-in. Mitte April wurde der Tower offiziell eröffnet. Am 8. Mai 2012 sagte der Flughafen dann völlig überraschend die für den 3. Juni 2012 geplante Eröffnung ab. Hauptgrund waren Probleme mit der Brandschutzanlage. Der Aufsichtsrat setzte den 17. März 2013 als neuen Eröffnungstermin fest. Doch auch dieser Termin platzte. Im September 2012 verständigte sich der Aufsichtsrat auf eine Inbetriebnahme des Airports am 27. Oktober 2013, doch auch dieser Termin ist nicht zu halten.
Kosten explodieren
Ursprünglich waren für den Bau des neuen Großflughafens rund 2,8 Milliarden Euro veranschlagt. Inzwischen ist von mindestens 4,3 Milliarden Euro die Rede. Zuletzt mussten Bund und Länder rund 1,2 Milliarden Euro weitere Finanzhilfen bereitstellen. Der Bund ist mit 26 Prozent an der Betreibergesellschaft des Flughafens beteiligt, die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent.
Der Berlin-Airport "Willy Brandt"
Seit Herbst 2006 wird der Flughafen Schönefeld zum Airport BER "Willy Brandt" ausgebaut. Der neue Hauptstadtflughafen nimmt eine Fläche von 1.470 Hektar ein – das entspricht 2.000 Fußballfeldern.
Der Flughafen hat 85 Stellplätze für Flugzeuge. Jährlich wird mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet. Bis zu 6.500 Passagiere sollen in einer Spitzenstunde abgefertigt werden. Insgesamt sollen 172 Ziele in rund 50 Ländern direkt von Berlin aus erreichbar sein.
Berlin als Touristenmagnet und das Umland sollen vom neuen Airport profitieren. 2011 wurden in der Hauptstadt rund zehn Millionen Gäste und 22 Millionen Übernachtungen gezählt. Die Region Berlin-Brandenburg mit zehn Millionen Einwohnern ist Deutschlands zweitgrößter Ballungsraum. Etwa 40.000 Menschen sollen am BER arbeiten.
