Eigentlich gibt so schnell nichts, was Abdul Satar aus der Ruhe bringt. Seit 18 Jahren fährt er Taxi in Afghanistan, genauer gesagt in Kabul. Er hat den Bürgerkrieg nach dem Abzug der Roten Armee erlebt, er hat die Herrschaft der Taliban überstanden und lebt jetzt seit 10 Jahren in einem Afghanistan, daß am wirtschaftlichen Tropf der internationalen Gemeinschaft hängt.
Doch wenn er sich an die Versprechungen der Regierung nach dem Fall der Taliban 2001 erinnert, dann wird er ein wenig ungemütlich. Er hatte gehofft, dass der internationale Einsatz Frieden bringt für seine Heimat und für seine Frau und die inzwischen sieben Kinder.
Natürlich wurden seitdem überall neue Strassen gebaut, sagt er , das hat meine Arbeit leichter gemacht, aber jetzt haben wir auch soviel Korruption wie nie zuvor, überall wird geschmiert.
Auf seinen Touren sieht Abdul jeden Tag: In Kabul wird gebaut. Militäreinsatz und internationale Hilfe haben hunderte Milliarden Euro ins Land gespült, und Abdul sagt, dass Teile dieses Geldes – manchmal wohl auf dunklen Umwegen – den Boom in Kabul finanziert haben könnten.
Der Taxifahrer blickt voller Sorge in die Zukunft. Er fürchtet, dass sich der Westen zu schnell zurückziehen werde.
Er glaubt, wenn die ausländischen Truppen das Land verlassen, werden wir wieder einen Bürgerkrieg bekommen: ” Das kennen wir doch aus der Vergangenheit, wenn es beim Abzug 2014 bleibt, gehen die Kämpfe wieder los.”
Eine Sorge , die ich mit Abdul Satar teile. Im Dezember 2001 habe ich in Kabul als Reporter erlebt, wie groß die Hoffnungen der Menschen auf eine bessere Zukunft waren, in den letzten zehn Jahren habe ich Afghanistan Dutzende Male bereist. Dabei habe ich mitverfolgt, wie aus Freude Resignation wurde, wie Aufbruchstimmung zu Angst wurde, wie am Ende die Hoffnung bleibt, dass es schon nicht so schlimm kommen möge.
Auf allen Seiten; bei den Afghanen, bei den Soldaten, den Entwicklungshelfern, den Politikern und auch uns Journalisten.
In den vergangenen vier Jahren konnte ich aus dem ARD Studio Südasien heraus Afghanistan viele Wochen im Jahr besuchen. Jetzt geht meine Korrespondentenzeit in Südasien mit einer Bitte zu Ende:
Lasst die Afghanen nicht allein!
Ich wünsche meinem Nachfolger Jürgen Osterhage und der ganzen Crew viel Glück und allzeit gutes Gelingen. Vielen Dank für Ihr Interesse!



























