Aufbruch und Abschied

Zehn Jahre nach der ersten Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn findet am Montag die zweite Afghanistan- Konferenz statt. Hamid Karsai wird dort sein ebenso wie hochrangige Vertreter der internationalen Staatengemeinschaft.

Während in Bonn an  Visionen für das gebeutelte Land gearbeitet wird, leiden am Hindukusch tagtäglich viele Menschen.

Besonders den Frauen und Mädchen geht nicht gut- im Gegenteil. Ihre Situation hat sich in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert. Nicht nur in den Regionen wie Kandahar oder Helmand weit entfernt von Kabul .Auch in der afghanischen Hauptstadt können viele Mädchen nicht mehr zur Schule gehen, sind Frauen wieder unter der Burka, dem Ganzkörperschleier gedrängt.

In Kabul haben wir eine Frau getroffen, die sich seit Jahren vehement für die Rechte der Frauen einsetzt und die von deutschen Spendengeldern unterstützt wird. Suraya Parlika ist schon deshalb eine bemerkenswerte Frau, weil Sie sich schon mit Ihrem Äußeren von allen anderen abhebt. Kurze Haare, ein sehr dünner Schleier, Lederjacke, aufrechter Gang. Und man tritt Ihr mit Respekt entgegen. Auch wenn Sie natürlich nicht weiß, was die Männer hinter Ihrem Rücken über sie sagen. Aber das ist Ihr egal.

Nur etwa 30 Kilometer von Kabul entfernt hat Sie eine kleine Schule für Frauen eingerichtet. Es ist Surayas Heimatdorf, Sie kommt von hier und daher betrübt es Sie besonders zu sehen, dass Frauen nur noch unter der Burka leben und der Einfluss der Taliban so nahe Kabuls so hoch ist.

Nur hinter den sicheren Mauern der Schule legen die Frauen den blauen Ganzkörperschleier ab und können sich frei bewegen. In Gewächshäusern werden Erdbeeren gezüchtet und die Frauen lernen, wie man mit kleinen Methoden großen Ertrag erreichen kann.

Drei Stunden am Tag bekommen Sie Unterricht. An Schaubildern wird Ihnen erklärt, welche Rechte Sie haben. Der Grund ist einfach. Kaum eine der Mädchen und Frauen kann lesen, nur anhand von Zeichnungen können sie verstehen, was sie Lehrerin Ihnen bedeuten will.

Immer mehr wurden die Frauen in Ihren Rechten in den vergangenen Jahren beschnitten. Dennoch kämpft Suraya Parlika weiter- die Hoffnung gibt Sie ebenso wenig auf wie den Kampf. Mehr noch. Am Montag wird Sie in Bonn mit am Tisch sitzen, den Sie traut den Politikern nicht mehr über den Weg. Sie will der Welt mit eigenen Worten erklären, wie schlecht die Lage in Afghanistan- und speziell der Frauen wirklich ist..

Markus Gürne

Für mich wird das die letzte Geschichte aus Afghanistan gewesen sein- meine Korrespondentenzeit endet heute. An dieser Stelle vielen Dank für Ihr Interesse und eine Bitte- bleiben Sie diesem Blog und vor allem den Menschen in Afghanistan gewogen. Sie brauchen unsere Unterstützung- in jedweder Form. Alles Gute Für Sie aus Südasien.

Dieser Beitrag wurde unter Alltag, Kultur, Militäreinsätze, Nato, Taliban veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Aufbruch und Abschied

  1. CESHA sagt:

    Ich hoffe, dass diese mutige Frau viel Unterstützung findet und etwas für die Frauen in Afghanistan erreichen kann.

  2. Oli sagt:

    Bin gerade eben das erste mal vorbei gekommen. Gefaellt mir bis jetzt sehr.

  3. Adrian sagt:

    Hast du noch weitere Informationen darueber ?