Ein Absturz mit Folgen

Wer je mit einem Hubschrauber in Afghanistan unterwegs war, der kennt die größte Angst der Passagiere:  Vom Boden aus beschossen zu werden. Oft ändern die Hubschrauber ihre Höhe, fliegen besonders schnell und tief, oder besonders hoch. Doch gegen solche Angriffe gibt es keinen vollständigen Schutz, eine einfache Panzerfaust, ein bisschen Treffsicherheit, das genügt um ein Hightech-Fluggerät zu zerstören.

CH 47 Chinook

Vor zwei Tagen wurde dieses Szenario in der Provinz Wardak nahe Kabul Wirklichkeit. Noch sind nicht alle Details klar, doch  inzwischen geht man in Kabul davon aus, dass die Taliban  den US- Hubschrauber abgeschossen haben. 38 Tote , 30 US- Soldaten, darunter Spezialkräfte, sieben afghanische Soldaten, ein Übersetzer. 38 Familien haben einen Vater, einen Bruder, oder einen Sohn verloren. Es ist der größte Einzelverlust der internationalen Afghanistanschutztruppe seit Kriegsbeginn 2001.

Die politischen Folgen dieses Absturzes sind schon jetzt absehbar.

Für die Taliban ist das auch ein Propagandaerfolg, denn sie  sind offenbar militärisch stärker als viele Experten vermutet hatten, trotz des massiven Einsatzes der NATO,   auch  von Spezialkräften, im ganzen Land.  Fast 150 000 Soldaten bekämpfen die Aufständischen, die können der Nato nach fast zehn Jahren Krieg trotz dem noch Widerstand leisten. Der Abzug der ersten internationalen Truppen hat bereits begonnen.   Seit mehreren Wochen haben afghanische Sicherheitskräfte in ersten Regionen die Verantwortung übernommen.

Doch die Taliban können noch immer grausame Anschläge verüben, auf Hotels in Kabul, auf hochrangige afghanische Würdenträger. Und sie wissen, dass die Zeit für sie arbeitet. Der Abzug des Westens ist absehbar, die Aufständischen  sehen schon lange, dass eine kriegsmüde Öffentlichkeit in Washington, Berlin und anderen Hauptstädten nur eines  wünscht, den Einsatz möglichst gesichtswahrend  schnell zu beenden.

Kunduz: zerstörter Sowjetischer Hubschraube

Und die Taliban wissen, dass jeder abgeschossen Hubschrauber unliebsame Erinnerungen an die  Spätphase des Einsatzes der Roten Armee in Afghanistan 1988/1989 weckt, damals waren es Boden- Luft Raketen vom Typ Stinger, die  sowjetische Hubschrauber reihenweise zerstörten, geliefert  von den USA. Diese Waffen gelten bis heute als einer der wichtigsten militärischen Faktoren für den Abzug im Dezember 1989.

Sowjetischer Hubschrauber Kunduz Flughafen

Heute, fast 22 Jahre später konnte der Einsatz solcher oder ähnlicher Waffen durch die Aufständischen noch nicht nachgewiesen werden. Doch bei jedem Hubschrauberabschuss stellt sich die bange Frage erneut: Verfügen die Aufständischen wieder über diese Waffen?

Es wäre der wahr gewordene Alptraum eines jeden Militärs, in einem Krieg, in dem es keine Sieger  geben wird.

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2 Antworten auf Ein Absturz mit Folgen

  1. Hartwig sagt:

    Gefaellt mir gut der Blog. Tolle Themenwahl.

  2. Colin sagt:

    Toller Post.Ich habe einige tolle Gedankenanstoesse bekommen. Warte auf weitere Beiträge.