Ende der Oase

Ja, es gab sie tatsächlich. Die Oasen der Ruhe und der Zuflucht vom harten afghanischen Alltag.

Kabul City Center, Rechte: Marcus Guerne/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNKZwar konnten es sich nur die reichsten Afghanen leisten, in der Shoppingmall in Kabul einzukaufen, aber rein und schauen, träumen – das konnten viele. Und sie haben es getan. Kinder sind die einzige Rolltreppe des Landes gefahren und haben gestaunt, Frauen standen mit glänzenden Augen vor den Schmuckgeschäften und deren Männer waren entsetzt darüber, was man ausgeben sollte für Ohrringe. Für den Gegenwert manches Stückes konnte eine Familie ein Jahr lang leben.

So blieb es beim Bummeln, beim Träumen, beim „ Auszeit nehmen“ bevor man mit der Rolltreppe wieder nach untern fuhr und dem staubigen gefährlichen Alltag entgegen schritt.

Vor zwei Tagen nun haben radikale Islamisten den Eingang der Einkaufsmeile gestürmt, haben Wachleute erschossen, sind mit der Rolltreppe nach oben gefahren und wollten dort Geiseln nehmen, vielleicht sogar Sprengstoffgürtel zünden. Aber dazu kam es nicht mehr. Beherzte Sicherheitskräfte und Passaten haben die Angreifer überwältigt, entwaffnet und dann verhaftet.

Es war nicht der erste Anschlag auf die Mall und es wird sicher auch nicht der Letzte gewesen sein. Den Radikalen ist das Einkaufszentrum ein Dorn im Auge. Es steht für Konsum, für Moderne, für ein neues Afghanistan, das nicht viel mit dem arachischen Gedankengut der Taliban zu tun hat. Freude über Kleidung, Kinos, Unterhaltung, all das bekämpfen die Gotteskrieger und sie werden es auch in Zukunft nicht sein lassen.

Aber trotz der wiederholten Angriffe kommen die Menschen in Kabul gerne an diesen Platz. Selbst wer von außerhalb in die Hauptstadt kommt, macht einen Abstecher in diese Sehenswürdigkeit.

Die Mall, sie steht für mehr als für Konsum. Sie steht für ein Afghanistan, in dem Menschen träumen wollen, in dem Menschen versuchen, sich Träume zu erfüllen – und wenn es nur schnöde Dinge sind, die man mit Geld kaufen muss.

Aber wer in die Gesichter derjenigen sieht, die nach monatelangen Besuchen dort es dann doch endlich geschafft haben, sich eine Kleinigkeit zu kaufen und die Augen glänzen, der merkt, dass auch kleine Augenblicke des Glücks so wichtig sind.

Doch nun ist erst einmal Pause mit Bummeln und Träumen. Viel ist bei dem Angriff zu Bruch gegangen, der Schock sitzt wieder einmal tief. Die Mall wird geschlossen – wahrscheinlich für ein paar Wochen. Vorläufiges Ende einer wichtigen Oase.

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3 Antworten auf Ende der Oase

  1. Friedhilde sagt:

    Gute Ausfuehrungen! Ich werde mich damit mal intensiver beschäftigen! Freue mich auf neue Beitraege!

  2. Till sagt:

    Je später der Abend, je schöner die Gäste.

  3. Jean sagt:

    Mahlzeit! Wo ist denn der Gefaellt mir Button? ;)