Euro-Aufregung diesseits und jenseits

Mit Verwunderung habe ich gestern die Debatte in Deutschland, ob Sarrazin nun bei Jauch über seine Thesen diskutieren darf oder nicht verfolgt.  Aus französischer Sicht kann man sich da eigentlich nur verwundert die Augen reiben…

Denn auch die rechtsextreme Marine Le Pen hier fordert ja, aus dem Euro auszutreten.  Auch sie ist sich für keine Polemik und kein Vorurteil zu schade.  Doch trotzdem:  hier in Frankreich käme niemand auf die Idee, sie deshalb nicht zu interviewen.  Im Gegenteil, Le Pen darf ihre Überlegungen in allen Medien präsentieren.  Natürlich wird ihr zum Teil heftig widersprochen.  Aber ihr den Mund zu verbieten, auf die Idee kommen die Franzosen gar nicht.

Und immerhin haben ja 6 Millionen Franzosen Le Pen gewählt bei den Präsidentschaftswahlen und ihre zentrale Forderung war ja die Rückkehr zum Franc.  Natürlich waren viele Franzosen über dieses historische Wahlergebnis bestürzt, aber einen Aufschrei des Entsetzens inklusive Verbotsdebatte gab es nicht einmal im Ansatz.

Schon spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Tabus je nach Land sind.  Und es bleibt einfach festzuhalten: wir in Deutschland haben wirklich sehr viele Tabus.

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Eine Antwort auf Euro-Aufregung diesseits und jenseits

  1. Didier SCHEIBE-BAUZIERE sagt:

    Nicht nur Marine! Auch die Coco, die Kommunisten, sind nicht selten

    Souveränitisten. Mal waren sie für eine Erweiterung der EU (Türkei), manchmal dagegen (GB) und meissten sagten sie «Non», wenn es um Themen des vereinigten kapitalistischen Euorpas ging.

    Nicht zu vergessen: Die Politik der leeren Stühle (1965 – 1966, DE GAULLE) und die Ablehnung der Europäischen Verfassung (Référendum 2005 – FABIUS, soz. Partei u. a.)

    2012 – ? Wie weit wird der ganz normale Präsident HOLLANDE gehen?