Französisches Gericht

Nun war ich schon zum zweiten Mal in Paris bei einer Gerichtsverhandlung, um zu berichten.  Erst saß der aus Deutschland entführte Arzt Dieter Krombach auf der Anklagebank, weil er für den Tod seine Stieftochter verantwortlich gemacht wurde.  Gestern der Ex-Terrorist Carlos, der Schakal.  Und ich muss sagen:  auch vor Gericht geht es in Frankreich etwas anders zu als in Deutschland!

Nur eine Ansicht des Palais de Justice in Paris...

Zunächst einmal das Gerichtsgebäude.  Der Palais de Justice ist ein eindrucksvolles, kafkaeskes Labyrinth.   Das Gebäude bedeckt ein Drittel der Fläche der Ile de la Cité!  Endlos lange Flure, Seitengänge, Zwischenhallen, Treppen; alles natürlich pompös mit Marmor und Säulen.    Nicht ohne Grund schickt die Pressesprecherin eine Skizze herum, wo die für die Medien interessanten Verhandlungen stattfinden.

Dann die Sicherheitsschleusen.  Selbst Anwälte und Journalisten mit Presseausweis müssen sich wie auf dem Flughafen scannen lassen.

Und die Verhandlungen selbst: höchst komplex und sprachlich herausfordernd!  Mal werden endlos viele Schöffen und Ersatzschöffen gewählt, ein anderes Mal wiederum nicht.  Die Sitzaufteilung ist verwirrend und bisweilen chaotisch: wo ist die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung, die Nebenkläger?  Alles nicht so schön klar aufgeteilt (und eben auch vertraut) wie in deutschen Gerichtssälen.

Überhaupt das Chaos in einem französischen Gerichtssaal.  Bei der Verhandlung gegen den deutschen Arzt Dieter Krombach ließ sich die Richterin doch tatsächlich einen deutschsprachigen Brief von deutschen Behörden zum Teil vom Angeklagten selbst übersetzen!  Als gäbe es keine Übersetzer im Dienst der französischen Justiz, die das vorher hätten erledigen können.

Aber die französischen Journalisten sind sehr hilfsbereit:  wenn ich mal etwas nicht verstanden habe, haben sie der begriffsstutzigen deutschen Kollegin gerne weitergeholfen!

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2 Antworten auf Französisches Gericht

  1. anne clown sagt:

    hey,das ist sehr unterhaltsam und schön, von dir zu hören, liebe frau kahls!
    alles gute!auch besserung.
    anne