Lichtfest in Leipzig: Sechs Volos auf dem Weg zur Erleuchtung

Man nehme ein Smartphone, einen Kopfhörer, ein W-LAN-Netz und einen Volontär – und man bekommt: Einen bestens ausgerüsteten rasenden Reporter! Und wenn man das Ganze nun mit sechs multipliziert (Na gut, die Smartphones nur mit drei …), kann man damit eine abendfüllende Sendung gestalten. So geschehen am 9. Oktober anlässlich des Lichtfests in Leipzig, das an die Friedliche Revolution vor 22 Jahren erinnern sollte. Sechs Volos hatten das Vergnügen, an einem interaktiven und trimedialen Pilotprojekt der Redaktion von “Damals im Osten” teilzunehmen. Alles sollte neu sein, digital, jung und gerne vor Spontanität nur so sprühen, erklärten uns die Initiatoren des Projekts Dr. Ulrich Brochhagen und Joachim Horn.

Die Idee: Aus einer Lounge im Studio sollten im Wechsel Gäste interviewt, Filmausschnitte gezeigt und Voloreporter aus dem Getümmel vor Ort zugeschaltet werden. Entstehen sollte so eine Live-Sendung, die als Stream auf der MDR-Website abrufbar sein würde.

Das größte Problem: Ein funktionierendes W-Lan-Netz

“Alles klar!”, dachten wir Sechs (Steffi, Charlotte, Karo, Louisa, Frederike und Quotenmann Marcus), “Das klingt gut! Da sind wir dabei!” Doch wie das funktionieren sollte, wo wir doch zum Sendetermin über alle drei Landesfunkhäuser und die MDR-Zentrale verteilt sein würden, wussten wir auch noch nicht so genau. Telefonschalte lautete das erste Zauberwort, das die Kommunikation erleichtern sollte. Aber wie bedient man diese verflixten Geräte denn gleich?

Doch wer ein trimediales Projekt plant, lässt sich von solchen Kinkerlitzchen natürlich nicht aus der Ruhe bringen. Frei nach diesem Motto haben wir es dann auch mit der restlichen Technik gehalten. Und so stellten wir fest: “Kompliziert”, “Unmöglich”, “Nicht machbar” – das sind keine Optionen für Handy-Reporter. Irgendwie würde es schon funktionieren.

Eine der größten Herausforderungen des Abends war es, W-Lan-Netzwerke zu finden, aus denen wir uns mitten aus der Leipziger City per Skype zuschalten konnten. Und die Spannung, ob die Leitungen tatsächlich stehen würden, hielt sich dann auch wirklich bis wenige Minuten vor der Sendung. Eine Zitterpartie – besonders für unseren Moderator Stephan Witschas, der im Studio alle Fäden in der Hand halten musste.

Spannende Zeitzeugen im Interview

Doch dann ging es kurz nach 18 Uhr endlich los und die erste Schalte stand – und die Zweite – und die Dritte. Wir kamen so richtig in Fahrt, schnappten uns spannende Zeitzeugen, die bewegende Geschichten zu erzählen hatten, interviewten Gäste des Lichtfests und sprachen mit prominenten Besuchern, wie Roland Jahn (Bundesbeauftragter für Stasiunterlagen), Siggi Schefke (hat `89 Leben und Freiheit riskiert, um die selbstgemachten Aufnahmen der riesigen Montagsdemonstration in die BRD zu schmuggeln) oder Tobias Hollitzer (Leiter des Stasi-Museums “Runde Ecke”). Und wir alle erlebten das Lichtfest und die mit ihm verbundene Geschichte hautnah.

Egal ob wir nun selber einen Teil unseres Lebens in der ehemaligen DDR verbracht hatten oder in der BRD groß geworden waren: Wir durften dieses besondere Gefühl und die Stimmung, die 1989 in Leipzig herrschte und den Anfang vom Ende einer unfreien Gesellschaft bedeutete, noch einmal miterleben. Und auch wenn es dann doch den ein oder anderen technischen Fehler gab oder man nicht immer jedes Wort verstehen konnte, ist die Sendung durch das gesamte Team zu einer richtig runden Sache geworden. Da waren wir uns alle einig. Deshalb: Gerne wieder – vielleicht ja schon auf dem nächsten Leipziger Lichtfest.

Wer sich das Endprodukt der Volo-Reporter nachträglich auch noch anschauen will: Die komplette Sendung ist online abrufbar.

Über Frederike Pauli

Mit 15 Jahren stürmte Frederike, von einer plötzlichen Zukunftsvision gepackt, in die Redaktion der Lokalzeitung ihrer Heimatstadt und wollte wissen: "Darf ich mitmachen?" Als sie dann kurze Zeit später den allerersten eigenen Artikel schwarz auf weiß im Regionalteil wiederfand, stand fest: "Das ist es!" Nach dem Studium in Halle, freier Mitarbeit und einigen Praktika beim Hörfunk und Fernsehen fehlte jetzt eigentlich nur noch eins: Das Volo! Mehr Informationen zu Frederike Pauli »
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