Wir können Radio! – Ein Best-Of aus dem ersten halben Jahr beim MDR

Schon ist sie rum, die Radiozeit. Sechs Monate Theorie und Praxis im BildungsCentrum, bei den Einserwellen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, bei MDR Info, Figaro, MDR Sputnik und MDR Jump. Das waren unglaublich viele Eindrücke, interessante Menschen und spannende Geschichten. Weil der Versuch, daraus die drei größten Highlights zusammenzustellen, kläglich gescheitert ist, haben wir uns einfach die Freiheit genommen, auf zehn zu erhöhen.

Platz 10: Ein Ausflug in die TV-Moderation
Schon nach ein paar Wochen hieß es zum ersten Mal “Make up auftragen, rein ins Studio und ab vor die Kamera!” Der Hintergrund: In regelmäßigen Abständen stellen die Azubis und wir eine “Dabei ab zwei”-Sendung nach – mit allem, was dazugehört. Die tolle Azubi-Truppe stellt die Kameraleute, den Aufnahmeleiter, die Ton- und Lichttechniker und besetzt die Regie. Wir Volos dürfen den Moderations-Part übernehmen. Die Stimmung im Studio knistert, wenn es heißt: “Noch 10 Sekunden … Und bitte!”

Platz 9: Top-News und Dauerbrenner
Klar, wir behalten nicht nur in den Nachrichtenredaktionen, sondern auch während der Seminar-Phasen im BildungsCentrum die Top-News im Auge. Schließlich kann es immer passieren, dass man in der nächsten Sitzung überraschend zu irgendeinem Thema gefragt wird – oder dass man (wie im Nachrichtenseminar) plötzlich einen Test vorgelegt bekommt und peinlich berührt feststellen muss, dass man ausgerechnet heute nicht allzu genau in die Tageszeitung geschaut hat.

Dass es sich nicht nur deswegen lohnt, auch als Volontär genau zu wissen, was in der Welt passiert, zeigt Karos Beispiel. Während ihrer Zeit in Magdeburg wurde sie gleich mal zum EHEC-Spezialisten erklärt: “Als ich als leicht hypochondrisch veranlagte Reporterin drei Wochen lang die EHEC-Epidemie im Radio begleiten musste und mir während einer Reportage im Labor frische EHEC-Proben vor der Nase tanzten, war der Spaß vorbei. Da fängt man dann nämlich schon mal an, sich dauerhaft zu desinfizieren – am liebsten auch die Zunge.” Doch Karos Redaktion im Landesfunkhaus Magdeburg zollte der selbst ernannten Gurkenexpertin durchaus auch Dankbarkeit. In der dritten EHEC-Woche lagen auf ihrem Schreibtisch zwei Gurken mit einem Post-it: “Garantiert EHEC frei”.

Bildrechte: Martin Hoffmann

Unterwegs mit dem Hörmobil

Platz 8: Das journalistische Handwerk …
… ist durchaus eine eigene Kategorie wert – vor allem, wenn man bedenkt, dass einige von uns Volos aus dem Onlinejournalismus oder vom Fernsehen kommen und vor sechs Monaten noch wenig Radio-Erfahrung hatten. Doch inzwischen sind wir alle flott gemacht worden. In diesem halben Jahr wurden wir in viele kalte Wasser geschubst: Nachrichtenschichten, Umfragen, Beiträge, Live-Gespräche, ganze Themensendungen usw.

Besonders den Live-Kick gab es für uns Volos in verschiedenen Varianten: Mit den Regionalnachrichten ging es in Dessau und Bautzen Live on Air. Charlotte: “Das erste Mal wäre ich fast umgefallen vor Aufregung. Die hat sich dann später zwar stark gelegt, aber trotzdem war jede Sendung ein Kick, denn sie muss exakt drei Minuten lang sein. Also hatte ich immer ein Auge auf der Uhr, um ja keine Löcher zu fahren”. Die Volos im Landesfunkhaus Magdeburg oder im Regionalstudio Halle mussten zeigen, was sie vom Lauf der Sonne verstehen, als sie mit dem Hörmobil draußen waren. Denn die Schüssel des mobilen Alleskönners muss immer nach Süden zeigen. Zum Glück war Karoline bei den Pfadfindern: “Da war doch was mit Moos an der Baumseite … Aber es macht schon einen komischen Eindruck, erst mal Bäume nach der Himmelsrichtung abzutasten, um herauszufinden, wo Süden ist.” Ein wenig pragmatischer sah Martin die ganze Sache: Denn Gott sei Dank gibt es auf dem iPhone ja einen Kompass.

Platz 7: Blick über den Tellerrand
Über den Tellerrand hinausblicken – das ist die wohl spannendste Beschäftigung im Alltag eines Volontärs. Da kann es schon mal passieren, dass man sich im Kleingarten zwischen Gartenzwergen nach den Vereinsbefindlichkeiten und Regeln des gärtnerischen Zusammenlebens erkundigt. Manchmal muss man auch über seinen Schatten springen, um als Frauenfußballhasser Kinderbücher zu lesen, in denen ausgerechnet Mädchen (!) Fußball spielen. Oder man findet sich in einer Praxis für Engeltherapie wieder und philosophiert mit einem Rosenbouquet vor dem Herzen über die Vor- und Nachteile übersinnlicher Kräfte.

Platz 6: Kuschelige Helden und zerrissene Hemden
Wir lernen trimedial – das heißt für einige von uns auch, dass wir Dinge wie Twitter und Co. erst benutzen lernen müssen. Wobei das Seminar von Tagesschau-Online-Redakteur Christian Radler tatsächlich die Kinder in uns weckte. Wir produzierten kleine Foto-Geschichten, berichteten als “Mobile Reporter” fast live, wie Charlottes Hund Floyd in der Autowaschstraße schrumpfte und Peter im zerrissenen Unterhemd mit der Straßenbahn durch Leipzig fuhr, um sich schließlich virtuos an das Klavier einer Leipziger Kneipe zu setzen und musikalisch sein Bestes zu geben. Schön auch die Geschichte, die Sören und Martin auftaten, als sie ein Leipziger Hostel besuchten und dort ihre Foto-Reportage machten (siehe unten).

Zum zweiten Teil unseres kleinen Radio-Best-Ofs geht es hier entlang…

Über Stefanie Becker

Aus der Savanne ins MDR Funkhaus: Stefanie wäre wohl heute noch in Ostafrika unterwegs, wenn das Volo sie nicht nach Leipzig zurück gelockt hätte. Denn sie liebt das Abenteuer: auf Buschsafaris Elefanten fotografieren oder über holprige Straßen durch die Wildnis reisen. Aber auch Mitteldeutschland kann abenteuerlich sein. Und holprige Straßen gibt's schließlich auch hier. Mehr Informationen zu Stefanie Becker »
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