Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Robin Krasniqi (li.) und Arthur Abraham.
Robin Krasniqi (li.) und Arthur Abraham bei der Pressekonferenz. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Vor dem Kampfabend in Erfurt Abraham vs. Krasniqi - Kampf des Jahres und Wachablösung?

Beim Boxabend am Sonnabend in Erfurt steht nicht nur ein deutsch-deutsches Duell an. Im derzeit an WM-Titeln armen deutschen Boxen geht es um eine WM-Chance. Zudem stehen Karriereende und Wachablösung im Raum.

von Dirk Hofmeister

Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Robin Krasniqi (li.) und Arthur Abraham.
Robin Krasniqi (li.) und Arthur Abraham bei der Pressekonferenz. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Tom Schwarz, Dominic Bösel oder Vincent Feigenbutz - an hoffnungsvollen Nachwuchsboxern mangelt es dem Boxen in Deutschland nicht. Wirklich titelträchtig ist das Profiboxen in diesen Tagen aber nicht. Von der einst stolzen Riege von Weltmeistern darf aktuell nur noch Supermittelgewichtler Tyron Zeuge das schwarz-rot-goldene Fähnchen um einen WM-Gürtel binden. Größen von einst wie Jürgen Brähmer, Arthur Abraham, Robert Stieglitz, Marco Huck oder Jack Culcay sind entthront und stehen teilweise von einer unklaren Zukunft.

 Kampf um eine WM-Chance

Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Mit Chris Meyer, Ulli Wegner, Arthur Abraham, Ulf Steinforth, Robin Krasniqi, Magomed Schaburow und Tom Schwarz (v.r.n.l.).
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Zumindest um eine erneute Chance auf einen baldigen WM-Gürtel boxen am kommenden Sonnabend in Erfurt Arthur Abraham und Robin Krasniqi. Beide kämpfen um einen so genannten Eliminator, der Sieger darf den Supermittelgewichts-Weltmeister des Weltverbandes WBO herausfordern. Um eine WM geht es also noch nicht, in Anbetracht des derzeit schwächelnden deutschen Boxens ist sich Krasniqi dennoch sicher: "Das wird der deutsche Kampf des Jahres." Für Abraham könnte es sogar der letzte Kampf sein: "Wenn ich gegen Robin verliere, hat es keinen Sinn mehr. Dann höre ich auf", sagt der 37-Jährige, der bereits im Mittelgewicht und Supermittelgewicht auf dem WM-Thron saß.

"Arthurs letzte Chance" 

Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Robin Krasniqi (li.) und Arthur Abraham.
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

"Der Kampf ist Arthurs letzte Chance, um noch einmal Weltmeister zu werden", beschreibt Abrahams Trainer Ulli Wegner den Druck, der auf den Schultern seines Schützlings lastet. Krasniqi, sieben Jahre jünger als Abraham, verspricht dagegen selbstbewusst: „Arthur hat Geschichte geschrieben. Aber mir gehört die Zukunft.“

 Krasniqi und Abraham: Beide 50 Kämpfe - und verschiedene Karrieren

Beide Boxer haben bereits 50 Profi-Kämpfe bestritten, dennoch liegen zwischen den Karrieren Welten. Abraham kam nach kurzer Amateurkarriere 23-jährig zu den Profis und zeigte schon in seinen ersten Kämpfen, welches Potenzial in seinen Fäusten steckt. Nur zwei Jahre nach seinem Debüt durfte er um die WM kämpfen - und gewann. Berühmt wurde er durch die "Schlacht von Wetzlar", als er mit gebrochenem Kiefer gewann, sowie beeindruckende Siege wie gegen Jermain Taylor oder Robert Stieglitz; aber auch durch Niederlagen im Super-Six-Turnier.

Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Arthur Abraham
Arthur Abraham. Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister
Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Robin Krasniqi
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Krasniqi wurde gänzlich ohne Amateurerfahrung als 18-Jähriger Boxprofi - und nach zwei Niederlagen in seinen ersten drei Kämpfen entsprechend langsam aufgebaut. Doch auch Krasniqi verbesserte sich und durfte im Halbschwergewicht zweimal um die WM boxen - 2013 gegen Nathan Cleverly und 2015 gegen Jürgen Brähmer. Beide Kämpfe verlor er.

Schaburow:  "Können mit Arthur etwas spielen"

Und heute? Hat Robin Krasniqi das Zeug, Arthur Abraham zu besiegen? Nach der Niederlage gegen Brähmer wechselte der gebürtige Kosovare ins niedrigere Supermittelgewicht, um seine Größen- und Kraftvorteile besser ausnutzen zu können. Für das Duell gegen Abraham verließ er zudem seinen langjährigen Trainer Dirk Dzemski und wird nun von Magomed Schaburow betreut. "Wir haben lang und hart trainiert und mit Gottes Hilfe werden wir den Kampf klar gewinnen", sagt Schaburow. Krasniqi habe technisch und körperlich alle Voraussetzungen, Abraham zu besiegen. "Robin hat meine Philosophie übernommen. Jetzt weiß er, dass es neben der Doppeldeckung noch andere Möglichkeiten gibt, sich zu verteidigen." Schaburow, einst selbst Boxer und als Amateur sogar gegen Abraham siegreich, lässt durchblicken, dass man für den Kampf am Sonnabend vor allem an der Schlagfrequenz und der Schnelligkeit gearbeitet habe. "Alle wissen, wie einseitig Arthur boxt. Robin kann über die Kraft gehen, über Schlagstafetten, über einzelne Schläge - wir können mit Arthur ein bisschen spielen."

Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Trainer Magomed Schaburow, Robin Krasniqi, Arthur Abraham, Trainer Ulli Wegner (v.l.n.r.).
Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

 Wegner zweifelt Klasse von Krasniqi an

Auch Abrahams Trainer Wegner weiß um die Eindimensionalität, mit der es sein Schützling den Gegnern in der Vergangenheit manchmal recht leicht machte. Deswegen, so erklärt der Coach, der in der kommenden Woche seinen 75. Geburtstag feiert, habe er Abraham regelrecht eingetrichtert, aktiver zu sein und nicht nur auf die Schlagkraft seiner Hände in den späteren Runden zu vertrauen: "Er muss offensiver sein. Ob mir gelungen ist, mir Gehör zu verschaffen, wird sich am Samstag zeigen. Es ist schwer, an seine Seele zu kommen." Zumindest, so sagt Wegner, mache ihm Hoffnung, "dass Arthur immer für eine Überraschung gut ist." Zudem sieht der erfahrene Coach Schwächen in Kontrahent Krasniqi: "Robin hat eine gute Ausbildung und er hat mit Magomed einen ausgebufften Trainer. Aber Weltklasse ist er nicht." Weltklasse möchte aber Abraham sein. "Ich werde gewinnen und dann verspreche ich Euch, dass ich ich noch ein, zwei Jahre große WM-Kämpfe nach Deutschland bringe", sagt der Ex-Champion. Vielleicht ist der Kampf am Sonnabend ja wirklich ein Neuanfang in eine goldene deutsche Boxzukunft.

Boxen-Pressekonferenz (18.04.2017) - Arthur Abraham und Trainer Ulli Wegner (re.)
Abraham (li.) und Trainer Wegner: "Schwer, an seine Seele zu kommen." Bildrechte: MDR/Dirk Hofmeister

Dieses Thema bei MDR Sport im Osten MDR FERNSEHEN | Sport im Osten | Sonnabend, 22. April, ab 22:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2017, 12:58 Uhr

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