Balazs Kelemen posiert
Bildrechte: dpa

Boxen | SES-Gala in Halle Kelemen: Boxer mit besonderem Näschen

Am Samstag muss Dominic Bösel, WBO-Intercontinental-Champion im Halbschwergewicht seinen Titel verteidigen. Sein Gegner ist der Ungar Balazs Kelemen. Kelemen hat von seinen 25 Profikämpfen nur einen verloren. Der 37jährige wird am Dienstag zur Pressekonferenz in Halle eintreffen.  Seit zwölf Wochen bereitet er sich in Budapest auf den Kampf seines Lebens vor.  Eik Galley und Torsten Püschel haben ihn dabei begleitet.   

Balazs Kelemen posiert
Bildrechte: dpa

Balazs Kelemen, 12 Wochen Vorbereitung, ist das nicht übertrieben?                  

Eigentlich schon. Ich hatte mich auf einen Kampf Ende Dezember vorbereitet, der kurzfristig abgesagt wurde. Deshalb war ich so froh als ich das Angebot von SES bekam.  Die lange Vorbereitung stört nicht. Ich bin ein Dauerläufer. Auch nach Kämpfen trainiere ich weiter. Natürlich mit geringerer Intensität.              

Ihre Trainingshalle liegt in Budapest-Köbanya. Viele Boxstars der Vergangenheit hängen hier an der Wand. Besonders oft Muhammad Ali.                    

Weil er mein Idol ist. Nicht nur wegen des Boxstils. Er imponiert mir auch, weil er um sein Recht gekämpft hat. Selbst wenn er sich gegen den Zeitgeist stellen musste. Wie beim Vietnam-Krieg.  Sie wollten ihm deshalb die Karriere stehlen, aber sie haben nicht mit Ali gerechnet. Er hat niemals aufgegeben.               

Kein Ungar als Vorbild? Bei der Boxtradition im Land? Laszlo Papp oder Istvan Kovacs?                   

Doch, doch. Da gibt es auch einen. Er kommt aus Györ wie ich. Auch in Deutschland kennt man ihn - Istvan Levai. Ich war zwei Jahre alt als Levai bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau Bronze gewonnen hat.   Er hat nur im Halbfinale verloren, gegen den Olympiasieger Teofilo Stevenson aus Kuba. Eine große Zeit des ungarischen Boxens.                

Was für ein Boxer sind Sie?             

Ich boxe gern aus der Distanz. Darüber gibt es oft Diskussionen mit meinem Trainer Andras Köffti. Der möchte immer, dass ich näher gern gehe. Aber das ist eben sein Temperament. Ich boxe lieber technisch aus der Distanz.                     

Und was sind Sie für ein Mensch?               

Ich bin ein Optimist, sehe vor allem die positiven Seiten des Lebens.                   

Also bewerten Sie Ihre Siegchancen gegen Bösel mit 100 Prozent?                      

Selbstverständlich. Würde ich sonst nach Halle fahren? Würde ich mich sonst diesem Abenteuer aussetzen?                       

In welcher Hinsicht sind Sie besser als Bösel?                    

Das will ich Ihnen im Einzelnen jetzt nicht erklären. Es würde zu viel vorwegnehmen.                

Würden Sie denn über Ihre Stärken sprechen?                      

Nur zu gern. Meine Stärke ist, dass ich keine Schwäche habe.                   

Gegen Vincent Feigenbutz haben Sie im März 2015 allerdings verloren?             

Ich habe in der 9. Runde geführt. Dann rief der Ringrichter "Stopp". Doch eine Hand von Feigenbutz kam noch geflogen. Die hat mich angeknockt. Und ich habe kurz vor der Ziellinie doch noch verloren. Daraus habe ich gelernt. Ich werde in Halle die Hände niemals fallen lassen.                   

Was würde Ihnen der Sieg bedeuten? Haben Sie schon eine Party vorbereitet?               

Dieser Sieg bedeutet mir alles. Aber eine große Party wird es nicht geben. Ich habe mich jetzt so lange vorbereitet, dass mein größter Wunsch Ruhe ist. Ich liebe die Donau, bin an diesem Fluß in Györ aufgewachsen, trainiere jetzt in Budapest oft auf der Margaretheninsel. An der Donau zu angeln, dafür werde ich mir nach dem Sieg zwei Wochen lang Zeit nehmen.              

Werden die Ungarn den Wettkampf verfolgen?                 

Natürlich. Der Sport hat in den letzten Jahren wieder an Wert zugenommen. Und 2016 wird der Höhepunkt: Die Fußball-Nationalmannschaft fährt zur Europameisterschaft und ich werde Intercontinentalchampion.                    

Dürfen wir Sie auf eine auffällige Besonderheit ansprechen. Es gibt ganz verschiedene Ausprägungen von Boxernasen. Breite und krumme, Ihre fällt durch den großen Bogen auf.             

Das stimmt. Bei einem Trainingstreffer ist sie gebrochen. In der Karriere verzichte ich bewusst auf Korrekturen. Danach ist sie noch dreimal gebrochen. Und mit jedem Mal ist die Nase ein wenig weiter nach links gerutscht. Treffer also bitte nur von dieser Seite.                

Das Interview führte Eik Galley.     

Zuletzt aktualisiert: 18. Januar 2016, 11:31 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.