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Elektrosmog macht krank

"Ich habe keine Chance etwas dagegen zu tun."

BRISANT | 21.10.2005 | 17:15 Uhr

Kathrin Luginbühl aus dem Schweizer Kanton Sankt Gallen, schläft im Keller und verbringt ihre freie Zeit so oft sie kann in einer abgelegenen Berghütte. Aber nicht, weil es ihr Spaß macht. Diese Orte sind die einzigen, an denen sie sich einigermaßen wohl fühlt. Kathrin Luginbühl leidet an Elektrosensibilität.

Keine Reisen, kein Restaurantbesuch

Jeder Aufenthalt in Gebieten mit niederer und hochfrequenter Strahlung schwächt die Schweizerin. "Ich kann nicht mehr in Restaurants gehen, ich kann nicht mehr auf Reisen gehen, ich kann keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen. Also ich kann mich nicht mehr mit anderen Leuten treffen, weil ich mich einfach nicht mehr dort aufhalten kann, wo sich die anderen wohl fühlen."

Rechte: Einfach genial

Von Übelkeit zum Strahlenflüchtling

Vor 15 Jahren bemerkte die Direktionsassistentin, dass ihr in der Nähe von Computern übel wurde. Konzentrationsschwäche, Herzrhythmusstörungen - die Beschwerden nahmen zu. Sie entwickelt sich zum Strahlenflüchtling, zieht dreimal um, denn immer wieder werden in Wohnnähe Mobilfunkmasten aufgestellt. Trotz spezieller Schutzvorhänge ist auch die jetzige Wohnung für sie nicht frei von Belastungen. "Ich spüre einfach, es kommt bei mir alles durcheinander und ich habe keine Chance etwas dagegen zu tun."

Messergebnis: Nur im Keller herrscht Strahlungsfreiheit

Die Schweizerin lässt ihre Wohnung auf Belastungen kontrollieren. Die Ingenieure René und Ernst Ackermann können mit ihrem extra entwickelten Gerät auch die Strahlen nachweisen, die im biologischen Bereich von Herz und Hirn wirken und von der offiziellen Messtechnik nicht erfasst werden.

In Frau Lungenbühls Wohnung machen die Experten Langzeitaufnahmen von der Stube, dem Schlafzimmer und im Luftschutzkeller. Mit einem Wert bei 0, müsste im Keller eigentlich der beste Ort sein. Das war dann wohl auch das wichtigste Ergebnis dieser Aktion. Frau Luginbühl geht seitdem jeden Abend zum Schlafen in den Keller.

Rechte: Windrose

So oft sie kann, steigt die Elektrosensible in die Berge auf und verbringt ihre Tage in einer Holzhütte. Dort ist die Strahlenbelastung extrem niedrig. Innerhalb weniger Stunden verschwinden ihre Symptome. "Wenn ich diesen Fluchtort nicht hätte, ich hätte das Gefühl oder ich wäre überzeugt, dass ich nicht überleben könnte. Ich bin gezwungen, täglich aus der Strahlenbelastung hinauszugehen."

Spuren: Verklumpte rote Blutkörperchen und Zellstörungen

Symptome von Elektrosensibilität sind im EKG nur unmittelbar nach dem Aufenthalt im schädigenden Gebiet festzustellen. Dr. Hansueli Schär, Frau Luginbühls Arzt, erklärt, der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung ist bei Elektrosensibilität noch unbekannt. Auswirkungen sind aber am Blutbild erkennbar. In einer Dunkelfeldmikroskopie, sehe man zum Beispiel wie sich rote Blutkörperchen, die normalerweise verteilt sind, verklumpen. Dann sehen sie aus wie Geldrollen. Zudem kann Eiweißausschwitzung nachgewiesen werden, was wiederum zu Stoffwechselstörungen an der Zelle und damit zu Störungen am ganzen Körper führt.

Fazit

Was für viele das non plus ultra ist, scheint andere krank zu machen. Wie Frau Luginbühl reagieren inzwischen weltweit Menschen empfindlich auf Handy- und andere Strahlen. Leider ist die so genannte Elektrosensibilität ein Phänomen das bisher wenig erforscht ist. Viele Ärzte sind angesichts der Leiden ratlos. In der Schweiz ist Elektrosensibilität deshalb nur als Krankheit anerkannt, wenn psychische Ursachen nachgewiesen werden.

Frau Luginbühl klagt dagegen vor Gericht. "Ich hoffe, dass ich in absehbarer Zeit ein wegweisendes Urteil bewirken kann, dass möglicherweise auch anderen Leidensgenossinnen und Leidensgenossen hilft in ihrer Situation."

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2005, 16:59 Uhr

 

 
 
 
 
 

 

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