Proteste gegen islamfeindlichen Film : Deutsche Botschaft im Sudan gestürmt
Brisant | 14.09.2012 | 17:15 Uhr
Hunderte wütende Demonstranten haben die deutsche Botschaft im Sudan gestürmt. Reporter in der Hauptstadt Khartum berichten, dass Angreifer die deutsche Fahne vom Dach geholt und stattdessen eine islamische Fahne gehisst haben. Erste Bilder zeigen, dass vor dem Gebäude ein Brand entzündet wurde. Die Polizei habe offenbar vergeblich versucht, die Angreifer mit Tränengas zu stoppen. Die Botschaftsangehörigen befinden sich in Sicherheit. Das bestätigte Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Weitere Einzelheiten liegen noch nicht vor.
Sicherheitsvorkehrungen verstärkt
Experten hatten bereits befürchtet, dass es nach den Freitagsgebeten in den arabischen Ländern erneut gewaltsame Proteste geben würde. Radikale Islamisten könnten die Zusammenkunft nutzen, um die Stimmung aufzuheizen. Aus Vorsicht hatte die Bundesregierung die Sicherheitsvorkehrungen für seine Vertretungen in islamischen Ländern verstärkt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, die Situation werde mit größter Aufmerksamkeit beobachtet. Berichte, wonach einige Botschaften geschlossen wurden, wollte er nicht kommentieren. Nach Spiegel-Informationen rechnet auch die Bundeswehr in Afghanistan mit Protesten vor ihren Standorten.
Westerwelle hatte wenige Stunden zuvor Verständnis für die Empörung in zahlreichen Ländern über einen islamfeindlichen Film geäußert. Im ARD-Morgenmagazin sagte er, die Bundesrepublik distanziere sich davon, dass der Prophet Mohammed beleidigt werde. Zugleich forderte Westerwelle die Regierungen islamischer Staaten auf, mäßigend auf die Bevölkerung einzuwirken und die Sicherheit von ausländischen Einrichtungen zu garantieren.
Proteste auch im Libanon
Bei Auseinandersetzungnen zwischen Demonstranten und Polizei im Libanon ist am Freitag mindestens ein Mensch getötet worden. Die Behörden meldeten mehr als 20 Verletzte, darunter viele Polizisten. Eine Menge soll Filialen zweier US-Fast-Food-Ketten in Brand gesetzt haben. Danach sei es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Sicherheitskräfte hätten das Feuer eröffnet und einen der Angreifer getötet.
Großdemonstration in Kairo
In Ägypten riefen die an der Regierung beteiligten Muslimbrüder zu einer Großdemonstration mit einer Million Teilnehmern in der Hauptstadt Kairo auf. Sie mahnten aber friedliche Proteste an. Bei Protesten rund um die US-Botschaft in Kairo in der Nacht zum Freitag warfen Demonstranten mit Steinen nach Polizisten, die die US-Botschaft bewachten. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.
Libyen meldet Verhaftungen nach Botschafter-Mord
Wegen der gewaltsamen Proteste haben auch die USA den Schutz ihrer Botschaften in islamischen Staaten verstärkt. Rund 50 US-Marines trafen am Freitag in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa ein. Sie sollen eine erneute Erstürmung der Botschaft verhindern. Dabei waren am Donnerstag zwei Menschen getötet worden. US-Elitesoldaten sichern bereits die Botschaft in Libyen. Vor der Küste des Landes kreuzen Kriegsschiffe. In der Hafenstadt Bengasi waren am Dienstag der US-Botschafter und drei weitere Amerikaner getötet worden. Am Freitag meldeten libysche Medien die Festnahme von drei Männern, die an der Ermordung beteiligt gewesen sein sollen.
Über den Film:
Die Proteste in den islamischen Ländern beziehen sich auf den Film "Innocence of Muslims". Bislang ist unklar, wer diesen Film in den USA produziert hat und wie er ins Internet gelangte. Die damit verbundenen Namen sind Pseudonyme. Nach Informationen der BBC könnte der Film bereits im Juni abrufbar gewesen sein, wurde aber in der amerikanischen Version nur wenig nachgefragt. Das als höchst primitiv bezeichnete Werk zeigt den Propheten Mohammed als Mörder und Kinderschänder, die Muslime als Esel.
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