Einsatzkräfte der Polizei stehen in London, Groߟbritannien, auf der Fonthill Road in der Nahe der Haltestelle Finsbury Park wache.
Der Tatort wird noch am Montagmorgen von Polizisten bewacht. Bildrechte: dpa

Attacke vor Londoner Moschee Auto rammt Fußgänger - ein Toter

BRISANT | 19.06.2017 | 17:15 Uhr

Im Londoner Stadtteil Finsbury Park ist ein Lieferwagen nahe einer Moschee in eine Fußgängergruppe gefahren. Wie die Polizei mitteilte, wurde ein Mann getötet. Mehrere Menschen kamen verletzt in Krankenhäuser. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter fest. Premierministerin May sagte, der Vorfall werde wie ein möglicher Anschlag behandelt.

Einsatzkräfte der Polizei stehen in London, Groߟbritannien, auf der Fonthill Road in der Nahe der Haltestelle Finsbury Park wache.
Der Tatort wird noch am Montagmorgen von Polizisten bewacht. Bildrechte: dpa

In London hat in der Nacht zum Montag ein Lieferwagen mehrere Menschen angefahren und dabei einen Mann getötet. Mehrere Menschen wurden verletzt, acht kamen in Krankenhäuer. Nach Angaben der Polizei wurde der 48 Jahre alte Fahrer festgenommen. Er werde auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit hin untersucht.

Augenzeugen zufolge soll der Fahrer eines Lieferwagens eine Gruppe von Muslimen gerammt haben, die vom Gebet gekommen seien. Das Geschehen ereignete sich vor einem muslimischen Gemeinschaftshaus in der Nähe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park.

Imam soll Täter vor Mob geschützt haben

Der Täter soll Augenzeugen zufolge gerufen haben: "Ich habe meinen Teil getan". Das berichtete Toufik Kacimi, der Leiter des Gebetshauses, vor dem der Zwischenfall passierte, im britischen Sender Sky News. Der nach Polizeiangaben 48 Jahre alte Fahrer wurde von Polizisten nach der Attacke festgenommen.

Wie Kacimi weiter berichtete, schützte ihn der Imam der benachbarten Moschee vor einem wütenden Mob Umstehender, nachdem er den Lieferwagen verlassen hatte. "Menschen hielten ihn fest und begannen, ihn zu schlagen. Unser Imam Mohammed Mahmoud kam hinzu und rettete ihn, rettete quasi sein Leben", sagte er Sky News.

Sicherheitskräfte stehen nach einem Anschlag in London auf der Straße
Forensiker am Tatort in Finsbury Park. Bildrechte: IMAGO

Islamhass als mögliches Motiv

Nach Angaben des Britischen Rats der Muslime könnte es sich um einen gezielt gegen Muslime gerichteten Anschlag gehandelt haben. "Von den Augenzeugenberichten her scheint es, als wäre der Täter von Islamhass motiviert gewesen", schrieb der Rat am frühen Montagmorgen auf Twitter.

Das Gebetshaus verurteilte den Vorfall: "Wir haben über Jahrzehnte sehr hart für eine friedliche und tolerante Gemeinschaft hier in Finsbury Park gearbeitet und verurteilen schärfstens jeden Akt des Hasses, der versucht, unsere wunderbare Gemeinschaft zu spalten", heißt es in einer Mitteilung, die das Muslim Welfare House im Internet veröffentlichte.

May: "Möglicher Terroranschlag"

Die Verantwortlichen riefen zur Ruhe auf: "Spekulationen über den Vorfall sind nicht hilfreich. Die Polizei sollte Zeit bekommen, ihren Job zu machen." Die britische Premierministerin May sprach von einem schrecklichen Zwischenfall. Dieser werde wie ein möglicher Terroranschlag behandelt, Anti-Terror-Ermittler übernahmen die Untersuchung des Vorfalls. Labour-Chef Corbyn twitterte, er sei total schockiert.

London kommt nicht zur Ruhe

"Die Londoner Polizei ist nach einem fürchterlichen Terroranschlag auf unschuldige Menschen in Finsbury Park im Einsatz", schrieb der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan am frühen Montagmorgen auf Facebook. Die Millionenstadt war erst kürzlich zum Schauplatz eines blutigen Terroranschlags geworden: Am 3. Juni hatten auf der London Bridge und am Borough Market drei Terroristen mindestens acht Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die Täter wurden kurz darauf von Polizisten erschossen.

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 21:32 Uhr