Kristalle des Amphetamins Crystal
Bildrechte: Daniel Peter/dapd

Rapider Persönlichkeitszerfall Darum ist Crystal so gefährlich

BRISANT | 04.12.2017 | 17:15 Uhr

Die Synthetikdroge Crystal puscht stärker als Kokain, verleiht kurzzeitig großes Selbstwertgefühl und wird deshalb immer beliebter. Doch dem Stimmungshoch durch die Droge folgt der tiefe Fall.

Kristalle des Amphetamins Crystal
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Nach Einschätzung von Experten sind synthetische Methylamphetamine wie Crystal oder Crystal Meth und Speed (weitere Namen sind Ice oder Crank) eines der gefährlichsten Suchtmittel. Das salzähnliche Kristall wird meist geschnupft, in selteneren Fällen eingenommen, geraucht oder gespritzt. Mit der Einnahme werden im Gehirn Botenstoffe wie Dopamin und Noradrenalin ausgeschüttet. Wie in einer Gefahrensituation schüttet der Körper Adrenalin aus. In diesem Ausnahmezustand verringert der Körper im Gegenzug das Schlafbedürfnis, unterdrückt Hunger und Durst. Lässt die Wirkung nach, tritt meist große körperliche und geistige Erschöpfung ein. Konsumenten haben daher schnell das Bedürfnis nach einer neuen Dosis und rutschen auf diese Weise in die Abhängigkeit. Bereits einmaliger Konsum geringer Mengen kann süchtig machen.

"Faces of Meth" Bilder als Warnung vor der Horror-Droge

Faces of Meth
Bildrechte: Multnomah County Sheriff's Office, Multnomah County, Oregon
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Binnen weniger Wochen kaum wiederzuerkennen - schwierige Therapie

Tüten mit Drogen auf einem Tisch
Aus Drogenküchen in Tschechien gelangt Crystal über die Grenze nach Deutschland. Bildrechte: Polizei Sachsen-Anhalt

Die Droge ist relativ leicht zu produzieren und vergleichsweise preiswert. Der Grundstoff für Crystal ist Ephedrin, das in frei verkäuflichen Grippemitteln und Hustensäften enthalten ist. Das Problem: Die Chemikalien schädigen die Nervenzellen, führen zu Depressionen, Panikattacken, Angstzustände, Schlaf- und Kreislaufstörungen, starkem Gewichtsverlust und Zahnausfall. Auch Hirnblutungen, Risse der Hauptschlagader und Nierenschädigungen sind möglich. Binnen weniger Monate sind Betroffene kaum noch wiederzuerkennen - viele sehen aus wie Zombies. Eindrucksvoll zeigt das eine US-Aufklärungskampagne.

Die Therapie für Crystal-Abhängige ist schwierig und zeitaufwendig. Nur selten können Süchtige ambulant geheilt werden. In den meisten Fällen ist eine intensive Behandlung in einer Klinik nötig. Erschwert wird die Therapie dadurch, dass viele Wirkungen der synthetischen Droge auf das menschliche Gehirn noch unklar sind. Methamphetamin-Konsumenten benötigen als ersten Therapie-Schritt eine Ruhephase. Danach steht meist kognitives Training an, um Gedächtnisstörungen zu beheben. Viele Patienten leiden unter psychotischen Symptomen wie Verfolgungswahn. Die Heilungschancen sind gut, die Rückfallgefahr ist jedoch sehr hoch.

Von Tschechien nach Deutschland

Aus Drogenküchen in Tschechien gelangt Crystal über die Grenze nach Deutschland. In Tschechien wird die Droge zumeist in kleinen Drogenküchen hergestellt. Seit dort Erkältungsmittel, die Rohstoffe für die Crystal-Produktion enthalten, nur noch auf Rezept ausgegeben werden, beziehen die Hersteller die Grundstoffe in Form von Tabletten aus Polen. Das gesamte Crystal-Geschäft - Produktion wie Handel - ist fest in der Hand von Vietnamesen. "Sie verfügen über ein regelrechtes Netzwerk", weiß Heike Wilsdorf vom Hauptzollamt Dresden. Der Vertrieb von Crystal erfolgt über Asia-Märkte im Grenzgebiet. Der Kauf dauert oft nicht länger als zehn, 15 Minuten, berichtet Zöllnerin Heike Wilsdorf. " Das Geschäft ist regelrecht pervers. Es gibt Händler, die Rabattkärtchen anbieten." Seit gut fünf Jahren heben die Beamten jährlich 300 bis 400 Drogenküchen in Tschechien aus. Laut Jörg Ziercke, dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes, wurden 2013 77 Kilogramm Crystal Meth sichergestellt - so viel wie nie zuvor. Im Jahr 2008 fanden Polizisten und Zollfahnder gerade einmal vier Kilogramm der gefährlichen Substanz. Die Zahl der von der Polizei registrierten Erstkonsumenten in Deutschland sei auf mehr als 2.700 gestiegen. 1.002 Menschen starben 2012 an den Folgen von illegalem Drogenkonsum.

Methylamphetamin Methylamphetamine wurden bereits erstmals vor rund 100 Jahren synthetisiert. Als Aufputschmittel wurde Meth im Zweiten Weltkrieg von Soldaten genutzt. Es hielt Piloten wach. Sogenannte "Panzerschokolade" dämpfte Angstgefühle, unterdrückte den Hunger und Schmerzen.

Später fanden Methamphetamine als Aufputsch- und Dopingmittel Verbreitung. In den 70er-Jahren wurde Crystal in den USA populär, weil es problemlos privat hergestellt werden konnte.

Zentrum der Crystal-Produktion in Europa ist Tschechien. Experten schätzen, dass es dort rund 400 illegale Labore gibt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Dezember 2017 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2017, 21:05 Uhr

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