Ein Autowrack und mehrere Einsatzwagen der Rettungskräfte stehen am 16.08.2017 auf der Auobahn 29 bei Oldenburg (Niedersachsen).
Bildrechte: dpa

Nach Unfall auf der A 29 Wenden in der Rettungsgasse: Geisterfahrer im Visier!

BRISANT | 17.08.2017 | 17:15 Uhr

Wendemanöver in der Rettungsgasse: Mehrere Autos und Lastwagen haben nach einem schweren Unfall mitten auf der Autobahn 29 in Oldenburg gedreht. Die Polizei ermittelt mit Hilfe von Videomaterial.

Ein Autowrack und mehrere Einsatzwagen der Rettungskräfte stehen am 16.08.2017 auf der Auobahn 29 bei Oldenburg (Niedersachsen).
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Die Wendemanöver ereigneten sich, nachdem ein Lkw-Fahrer am Mittwoch auf der A 29 fast ungebremst in ein Stauende gefahren war und mehrere Autos aufeinander geschoben hatte. Sieben Menschen wurden bei dem Unfall schwer verletzt, vier von ihnen schwer. "Der Rettungseinsatz war zu diesem Zeitpunkt grundsätzlich abgeschlossen", sagte Polizeisprecherin Désirée Krikkis. Ein Rettungswagen sei aber noch auf der Anfahrt gewesen.

Polizei wertet Videomaterial aus

TV-Teams filmten, wie mehrere Fahrzeuge, darunter sogar ein Tanklaster, in der Rettungsgasse wendeten, um dem Stau zu entgehen. Danach fuhren sie über eine Ausfahrt entgegen der Richtung ab.  "Wir sichten jetzt die Videos und sprechen mit Zeugen“, sagte Krikkis. Mindestens einen Autofahrer hätten die Beamten noch auf der Autobahn gestellt. Sie nahmen dessen Personalien auf und leiteten ein Strafverfahren ein.

Bis zu fünf Jahre Haft möglich

Die möglichen Strafen, die den "Geisterfahrern" drohen, beginnen laut Sprecherin Krikkis bei einem Bußgeld von 75 Euro. Sie seien davon abhängig, inwieweit durch die Wendemanöver andere Verkehrsteilnehmer gefährdet wurden. Der aktuelle Bußgeldkatalog sieht bei Wenden, Rückwärtsfahren oder Fahren entgegen der Fahrtrichtung auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen "je nach Tatbegehung" eine variable Geldstrafe, drei Punkte in Flensburg, den Entzug des Führerscheins sowie eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

In den vergangenen Monaten hatten Autofahrer bundesweit wiederholt Rettungseinsätze auf Autobahnen blockiert, weil sie nicht rechtzeitig eine Rettungsgasse gebildet hatten.

Hinweise zum Bilden einer Rettungsgasse • Auf Autobahnen und mindestens zweispurigen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften muss eine Rettungsgasse bereits dann gebildet werden, wenn der Verkehr ins Stocken gerät - die Fahrzeuge also in Schrittgeschwindigkeit fahren oder stehen (laut Straßenverkehrsordnung, Paragraf 11, Absatz 2).
• Halten Sie ausreichend Abstand zum Fahrzeug vor Ihnen.
• Auf dreispurigen Autobahnen gilt: Wer auf der äußerst linken Spur fährt, weicht nach links aus. Wer auf der mittleren oder rechten Spur unterwegs ist, fährt nach rechts.
• Auf vierspurigen Autobahnen ist die Rettungsgasse in der Mitte zu bilden. Autofahrer auf den beiden linken Spuren fahren nach links, auf den beiden rechten Spuren nach rechts.
• Die Standspur auf Autobahnen ist freizuhalten.

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 21:42 Uhr