Peta stellt Strafanzeige Elefanten-Misshandlung im Zoo Hannover?

BRISANT | 05.04.2017 | 17:10 Uhr

besucher beobachten Elefanten im Zoo Hannover
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Die Tierrechtsorganisation Peta hat gegen den Zoo Hannover Strafanzeige wegen Tierquälerei erstattet. Hintergrund sind heimlich erstellte Filmaufnahmen, die das ARD-Magazin "Report Mainz" gezeigt hat. Darauf ist zu sehen, wie Pfleger bei der Dressur junger Elefanten einen sogenannten Elefanten-Haken einsetzen.

Zoo Hannover weist die Vorwürfe zurück

Aus Sicht von Peta belegen die Videoaufnahmen, dass die Jungtiere misshandelt werden. Der Zoo weist die Vorwürfe zurück. Der Elefantenhaken werde als "Hilfsmittel der Führung" eingesetzt. Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff betonte: "Unsere Tierpfleger arbeiten im Team mit ihren Tieren. Keiner würde ein Tier mutwillig verletzen." Die Beziehung zwischen Pfleger und Elefant basiere auf tiefem, gegenseitigem Vertrauen. Die Tiere würden regelmäßig von behördlicher Seite kontrolliert, betont der Zoo. "Dabei wurden keine mutwillig herbeigeführten Verletzungen festgestellt."

Elefantenhaken nicht in allen deutschen Zoos im Einsatz

67 Zoos im deutschsprachigen Raum sind im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) organisiert, davon haben 27 Zoos Elefanten. Doch nicht alle setzen noch Elefantenhaken ein. "In der Vergangenheit haben einige Zoos von 'hands on' auf 'protected contact' umgestellt", berichtet VdZ-Geschäftsführer Volker Homes. Bei diesem geschützten Kontakt ist der Pfleger nicht mehr Teil der Herde, Elefantenhaken werden abgeschafft.

Verschiedene Haltungsarten von Elefanten • Bei der traditionellen Haltung "direct contact" dominiert der Pfleger das Tier als "Ersatz-Leittier". Die Tiere werden mittels eines Elefantenhaken "gepikst" oder bedroht, um den Menschen als ranghöchstes Tier zu etablieren. Das Sozialverhalten der Elefanten werde dabei gestört, so der Deutsche Tierschutzbund.
• Experten empfehlen daher "protected contact": Hier arbeiten die Pfleger durch eine Abtrennung hindurch mit den Elefanten.
• In größeren Anlagen sei auch eine Haltung mit "no contact" möglich. Der Mensch nehme hierbei etwa auch keinen Einfluss auf die Körperpflege des Elefanten. Quelle: Deutscher Tierschutzbund

Tierquälerei - oder Botschafter ihrer Art?

Nach der Veröffentlichung der heimlichen gemachten Peta-Aufnahmen ist eine Grundsatzdebatte entfacht. Aus Sicht von Peta entwickeln Elefanten in Gefangenschaft generell Verhaltensstörungen. Zudem verursache das unnatürlich lange Stehen Fuß- und Gelenkkrankheiten. Die Tierrechtsorganisation fordert dazu auf, keine Zoos mit Elefanten zu besuchen. Arne Lawrenz, der Direktor des Zoologischen Gartens in Wuppertal, stellt dagegen in seinem Wuppertaler Zoo keine Haltungsprobleme fest. "Ich sehe selber, was für ein Vertrauen unsere Afrikanischen Elefanten haben." Die großen charismatischen Tiere seien Botschafter ihrer Art und motivierten sich etwa gegen Wilderei einzusetzen.

Nicht jeder hat das Geld und es wäre auch ökologisch nicht sinnvoll, wenn alle nach Afrika fliegen, um sie zu sehen.

Arne Lawrenz, der Direktor des Zoologischen Gartens in Wuppertal

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2017, 20:27 Uhr